Tagesecho Burgtourfestival "ceskehrady.cz": Letzte Station Bezdez
Das Kulturfestival "ceskehrady.cz" - "Tschechische Burgen" geht in dieser Woche zu Ende, und zwar am nächsten Wochenende. Die letzte Station der tourenden Kultur und Musikveranstaltung ist die Burg Bezdez, und genau dorthin begeben wir uns jetzt gemeinsam:
Burg Bezdez
"Spätabend war's - der erste Mai,
Ein Abendmai - der Liebe Zeit.
Zur Liebe lud des Täubchens Schrei,
wo Kiefernhain die Düfte streut."
So beginnt die Ballade "Der Mai" des bekanntesten tschechischen Romantikers Karel Hynek Macha. Wer weiß, vielleicht hat er sich auch von der Burg Bezdez inspirieren lassen, die neben Karlstein und Sternberg zu seinen drei Lieblingsburgen gehörte. So wie er sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei seinen Wanderungen erlebte, sieht die Burg faktisch auch heute noch aus. Denn schon damals war die Burg eine Ruine, aber eine sehr schöne und höchst beeindruckende.
Karel Hynek Macha
Auch heute noch gehört Bezdez zu den interessantesten Burgen hierzulande.
Zunächst einmal architektonisch, da sie den frühgotischen Baustil
repräsentiert, so wie er einst von den Burgunden über Deutschland nach
Böhmen importiert worden war. Gebaut wurde die Burg gemäß den Ansprüchen
der damaligen Zeit, als unzugängliche Festung und zugleich repräsentative
königliche Residenz auf einem 604 Meter hohen Hügel inmitten einer relativ
flachen Landschaft. Der Auftraggeber war niemand geringerer als der
böhmische Herrscher Premysl Ottokar II., genannt der "eiserne und
goldene König". Nach seinem Tod 1278 wurden auf der Burg seine Witwe
Kunhuta und sein siebenjähriger Sohn, König Wenzel II., eine zeitlang von
Markgraf Otto von Brandenburg gefangen gehalten.
Burg Bezdez
Aber auch später gehörte die Burg wiederholt verschiedenen prominenten
Besitzern, wie z. B. Albrecht von Waldstein oder Vertretern mächtiger
Adelshäuser. Für einige Zeit hatten auch Benediktiner ihr Domizil in der
Burg gefunden. Die Burgkapelle wurde in den 60er Jahren des 17.
Jahrhunderts der Jungfrau Maria geweiht und wurde bald zum Pilgerort. Der
im Burgkloster angehäufte Reichtum fiel aber 1778 der Plünderung
preußischer Soldaten zum Opfer. Von da an ging es mit der Burg bergab.
Bis heute aber bietet Bezdez von weitem her einen imposanten Anblick - mit ihren zwei Türmen, dem 20 Meter hohen Teufelsturm und dem 40 Meter hohen Großen Turm, und nicht zuletzt auch mit der erhalten gebliebenen Burgkapelle, die ein Rippenkreuzgewölbe schmückt. Dieses Ambiente mit seiner Atmosphäre hatte es auch dem tschechischen Komponisten Bedrich Smetana angetan und ihn zu seiner Oper "Das Geheimnis" inspiriert. Am kommenden Wochenende wird auf Bezdez wieder die Rockmusik dröhnen. Hören wir uns aber heute an, wie Smetana seine Wahrnehmung der Bezdez in die Musik transponiert hat.






