Tagesecho Bundespräsident Köhler verleiht dem Versöhner Tomáš Kosta das Große Verdienstkreuz
Der tschechische Verleger und Publizist Tomáš Kosta ist am Mittwoch in Prag mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Christian Rühmkorf über einen Mann, der nicht nur Politik macht, sondern selber gelebte Versöhnung ist.
Johannes Haindl (Foto: Autor)
Aus den Händen des deutschen Botschafters in Prag, Johannes Haindl, nahm
der 84-jährige Tomáš Kosta am Mittwoch das „Große Verdienstkreuz“
des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland entgegen. Verliehen
hatte es Bundespräsident Köhler. Kosta ist seit 1996 bereits Träger des
Bundesverdienstkreuzes am Bande. Seine „fortdauernden Bemühungen um die
deutsch-tschechische Versöhnung bewogen jedoch den Bundespräsidenten, die
bereits verliehene Auszeichnung höher zu stufen“, hieß es in der
Pressemeldung der deutschen Botschaft.
Den Ausschlag gegeben hatte vor allem Kostas Initiative und intensive Mitarbeit an der Versöhnungsgeste der tschechischen Regierung an die deutschen Antifaschisten aus dem Zweiten Weltkrieg. Damals, im August 2005, war Kosta Berater von Premier Jiří Paroubek gewesen.
„Man darf nicht vergessen, aber man muss verzeihen und in die Zukunft sehen. Aber ohne die Bewältigung der Vergangenheit hat eine Nation keine Zukunft. Das hat sich in Deutschland gezeigt, und das hat sich hier in Tschechien gezeigt. Zu glauben, man kann das unter den Teppich kehren, ist ein großer Irrtum.“
Tomáš Kosta (Foto: ČTK)
Mit der Versöhnungsgeste hatte Tschechien erstmals offiziell anerkannt,
dass es unter der deutschen Bevölkerung im Lande auch Antifaschisten gab,
die als tschechoslowakische Bürger ihr Leben für den Kampf gegen
Nazi-Deutschland riskiert haben. Nach dem Krieg wurden jedoch auch sie
Opfer einer proklamierten Kollektivschuld, von Gewalt und Vertreibung. Mit
ihrer Versöhnungsgeste hatte die tschechische Regierung – angestoßen
durch Tomas Kosta – die Betroffenen ermittelt und ein Projekt zur
Erforschung dieses Kapitels der tschechischen Geschichte auf den Weg
gebracht.
Tomas Kosta selbst verkörpert mit seiner persönlichen Geschichte gelebte Versöhnung. 1925 in einen säkularisierten jüdischen Haushalt in Prag geboren, war es Hitler, der ihn zu einem Juden machte, erzählt Kosta heute. Er selbst entkam wie durch ein Wunder der Tötungsmaschinerie in Auschwitz. Die meisten seiner Freunde und seiner Familienangehörigen überlebten nicht. Nach dem Krieg ein glühender Kommunist, belehrten ihn die stalinistischen Säuberungen in der Tschechoslowakei nur langsam eines Besseren. Mit der Niederwalzung des Prager Frühlings ging der Verleger und Publizist Kosta ins Exil. Zunächst in die Schweiz, dann ins Land der früheren Täter, in die Bundesrepublik Deutschland. Heute lebt er in Deutschland und Tschechien, beide Länder sieht er als seine Heimat an und arbeitet an der Aussöhnung.
Ein Beispiel für sein Verständnis von Verzeihen und für den Blick in
die Zukunft gab Tomáš Kosta abermals vor einem Jahr. Im westböhmischen
Cheb fanden an die 5000 deutsche Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg ihre
endgültige Ruhestätte. Die Soldaten in den Särgen waren damals Kostas
Altergenossen - und seine Feinde. Tomáš Kosta stand als Abgesandter des
tschechischen Außenministeriums an den langen Reihen des Massengrabs:
„Ich wünsche den Männern in den Särgen, dass sie ewige Ruhe auf diesem Friedhof finden. Und dass die Freundschaft der jungen Generationen alles vergessen lässt, was zwischen uns war.“









