Tagesecho Bürgerinitiative „Junge Ärzte“: Protest gegen neue Regelung zur Fortbildung

15-03-2010 14:44 | Jitka Mládková

„Junge Ärzte“ – so nennt sich eine neue Bürgerinitiative, die am Samstag in Prag gegründet wurde. Mit dieser Organisation wollen die medizinischen Berufsanfänger einiges an ihrer jetzigen Position, mit der sie nicht zufrieden sind, ändern. Vor allem das chaotische System der Facharztausbildung und die unzulängliche Entlohnung der jungen Ärzte sind die Hauptgründe ihrer Kritik. Zu ihrem konstituierenden Treffen hat die Bürgerinitiative die Gesundheitsministerin Dana Jurásková eingeladen.

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Gesundheitsministerin Dana Jurásková mit Tomáš Kocourek von der Bürgerinitiative „Junge Ärzte“ (Foto: ČTK)Gesundheitsministerin Dana Jurásková mit Tomáš Kocourek von der Bürgerinitiative „Junge Ärzte“ (Foto: ČTK) Etwa 1.000 von rund 5.000 Ärzten, die sich derzeit auf ihre Facharztprüfung vorbereiten, sind bereits der neu gegründeten Bürgerinitiative beigetreten. Und die Mitgliederzahl steigt kontinuierlich. Die Hauptforderung der Bürgerinitiative ist die Aufhebung der seit Juli 2009 gültigen Regelung zur Fortbildung der frischgebackenen Medizin-Absolventen. Sie sind aufgrund der neuen Regelung verpflichtet, im Rahmen der fünfjährigen Facharztausbildung zunächst eine zweijährige Anlernphase zu absolvieren. Der junge Arzt soll sich für ein Wahlfach entscheiden. Dafür stehen ihm aber nur zehn Fachbereiche zur Auswahl. Einige andere wie zum Beispiel Neurologie oder Augenheilkunde sind aus diesem Auswahlkreis ausgeschlossen. Tomáš Kocourek von der Bürgerinitiative „Junge Ärzte“:

„Ein junger Arzt, der sich der Augenmedizin widmen will, ist im Rahmen des neuen Systems verpflichtet, zwei praktische Jahre in einem der medizinischen Bereiche zu absolvieren, die mit seinem Wahlfach absolut nichts gemeinsam haben. Erst nach zwei Jahren, wenn er zwar zum Beispiel einen gebrochenen Arm behandeln kann, gleichzeitig aber schon 80 Prozent seiner künftigen Spezialisierung zu beherrschen hat, kommt er dazu, zum ersten Mal die Augen eines Patienten zu untersuchen“.

Gesundheitsministerin Dana Jurásková (Foto: ČTK)Gesundheitsministerin Dana Jurásková (Foto: ČTK) So etwas gefällt auch der Tschechischen Ärztekammer nicht. Zdeněk Mrozek, Vizevorsitzender der Ärztekammer:

„Einige medizinische Fächer werden durch dieses System benachteiligt und ausgegrenzt. Es besteht die Gefahr, dass in bestimmten Fachbereichen zwei Jahre lang keine neuen Ärzte ausgebildet werden.“

Noch vehementer kritisiert die Initiative „Junge Ärzte“ dass viele Krankenhäuser von den Berufsanfängern verlangen, einen ungünstigen Arbeitsvertrag abzuschließen. Einen auf Teilzeitarbeit nämlich, sagt Tomáš Kocourek:

„Unserer Meinung nach handelt es sich um die neuzeitliche Form eines Sklavenvertrags. So ein Arzt der zum Beispiel 10 Prozent Teilzeit arbeitet, verbringt nicht die vertraglich fixierten vier Stunden pro Woche im Krankenhaus, sondern in Wirklichkeit 40 Stunden.“

Bezahlt wird der Arzt allerdings nur entsprechend dem Vertrag, für die Teilzeitarbeit also, und das ist bitter wenig. Das Treffen mit der Gesundheitsministerin hat keinen Durchbruch gebracht. Ministerin Jurásková hat sich aber bereit erklärt, sich für die Aufhebung der kontroversen Regelung zur Fortbildung der jungen Mediziner einzusetzen. Unter einer Bedingung jedoch:

„Ich bin bereit, mit Experten über diese Themen weiter zu verhandeln. Einen mehrheitlich akzeptierten Projektvorschlag, auf dem eine neue Regelung aufbauen sollte, habe ich aber leider bisher von niemandem erhalten“.

Gleichzeitig appellierte Jurásková an alle medizinischen Einrichtungen, die jungen Mediziner im Einklang mit dem Arbeitsgesetzbuch anzustellen und korrekt zu entlohnen.

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