Brückenbauer gefeiert: Gunther-Fest in Dobrá Voda

Beim Sankt-Gunther-Fest in Dobrá Voda wurde der Diplomat, Brückenbauer und Einsiedler Vintíř gefeiert.

Patrozinum-Gottesdienst in Dobrá Voda (Foto: Martina Schneibergová)Patrozinum-Gottesdienst in Dobrá Voda (Foto: Martina Schneibergová) Der heilige Gunther wird als Patron des Böhmerwaldes geehrt. Graf Gunther war aber auch ein geschickter Diplomat des Frühmittelalters. Im Böhmerwaldort Dobrá Voda / Gutwasser wurde am vergangenen Sonntag ein Fest zu seinen Ehren begangen.

Deutsch und tschechisch wurde das Kirchenlied über den heiligen Gunther gesungen. In Dobrá Voda steht die einzige Kirche auf tschechischem Boden, die dem heiligen Eremiten geweiht ist. Die einleitenden Worte des tschechischen Pfarrers wurden ins Deutsche übersetzt:

„Brüder und Schwestern, ich begrüße Sie beim heutigen Patrozinum-Gottesdienst. Sie sind aus Nah und Fern gekommen, um den St.-Gunther-Festtag zu feiern. Ich heiße auch alle Mitbrüder im priesterlichen Dienst, die Ministranten, die Organisten, Sängerinnen und Sänger und alle, die den Gottesdienst vorbereitet haben, willkommen.“

Petr Kubín (Foto: Martina Bílá)Petr Kubín (Foto: Martina Bílá) Die Messe wurde abwechselnd in Tschechisch und Deutsch gelesen. Denn neben Pilgern aus der Umgebung von Dobrá Voda waren auch viele Gläubige aus Bayern gekommen. Nach dem Gottesdienst trafen zahlreiche Pilger im Sankt-Gunther-Haus zusammen. Das Begegnungszentrum wurde vor 15 Jahren im Gebäude des früheren Pfarramtes eingerichtet. Am Treffen nahm auch Petr Kubín teil. Er ist Historiker an der Prager Karlsuniversität und hat ein Buch über den Heiligen Gunther verfasst.

„Gunther war eine wichtige Persönlichkeit in der Zeit vor etwa 1000 Jahren. Er war ein Adeliger thüringischer Herkunft, später trat er dem Benediktinerorden im Kloster Niederalteich bei. Er gründete zudem ein neues Kloster in Richnach im Bayerischen Wald. Zuletzt lebte er als Einsiedler in Gutwasser im Böhmerwald. Gunther war auch ein bedeutender Diplomat und Kolonisator im Dienste der deutschen Kaiser und Könige.“

St. Gunther (Foto: Martina Schneibergová)St. Gunther (Foto: Martina Schneibergová) Im Vergleich mit anderen Persönlichkeiten der damaligen Zeit weiß man über Gunther relativ viel. Es sei bekannt, dass der Mönch die Gegend um Richnach kolonisiert habe, so der Historiker.

„Man weiß, dass er im Dienste der deutschen Kaisers viel auf Reisen war. Als Diplomat war er beim ungarischen König. Vermutlich wirkte er als Missionar bei den Liutizen im heutigen Norddeutschland.“

Im Jahr 1040 ließ sich Gunther in Gutwasser nieder. Kubín zufolge wählte er diesen Ort, weil durch ihn ein wichtiger Handelsweg führte, der Böhmen mit Bayern verband. Im Kirchenlied wird Gunther als Brückenbauer besungen. Dies stimme auch insbesondere heutzutage, erklärt Petr Kubín.

„Wir sitzen jetzt in einem Haus, das nach Gunther benannt wurde. Es wird hier deutsch und tschechisch geredet. Nach der Wende ist der heilige Gunther wirklich erneut zum Brückenbauer geworden.“

Josef Dengler ist aus Rinchnach nach Gutwasser gekommen. Er nimmt fast regelmäßig am Gunther-Fest teil.

Josef Dengler (ganz links) und Thomas Naidu (3. von links). Foto: Martina SchneibergováJosef Dengler (ganz links) und Thomas Naidu (3. von links). Foto: Martina Schneibergová „Dieses Fest bietet die Gelegenheit, sich grenzüberschreitend zu treffen - auch bei den Vorbereitungen auf die Gottesdienste. Ich bin ein Rinchnacher. Rinchnach wurde von St. Gunther gegründet. Schon als Schulkind hatte ich eine Beziehung zu dieser Persönlichkeit. Ich stamme aus dem Dorf Gehmannsberg, in der Nähe steht ein Gunther-Kirchlein. Das ist die Stelle, wo Gunther den ersten Winter im Rinchnach-Tal verbracht hatte.“

Der indische Priester Thomas Naidu lebt seit zehn Monaten im bayerischen Neukirchen. Auch er nahm am Fest in Gutwasser teil.

„Ich bin hier zum ersten Mal und habe mit Freude den Gottesdienst gefeiert. Es war für mich sehr interessant, dass er in den beiden Sprachen zelebriert wurde. Denn ich komme aus Indien, wo so viele Sprachen gesprochen werden. Ich mag es, wenn auch beim Gottesdienst in verschiedenen Sprachen geredet wird.“