Tagesecho Brno-Turany steigt dank neuen Terminals zum internationalen Flughafen auf
Nach dem EU-Beitritt im Mai 2004 hat sich die Tschechischen Republik auf internationalem Terrain noch zwei große Ziele gestellt: den Beitritt zur Europäischen Währungsunion und den Beitritt zum Schengen-Raum. Letzteres hat mit der von Brüssel aus verkündeten Verschiebung zwar einen kleinen Dämpfer bekommen, doch nichtsdestotrotz laufen die tschechischen Vorbereitungen auf Hochtouren. Das auf dem Flughafen in Brno / Brünn eröffnete neue Terminal ist dafür das beste Beispiel.
Alexandr Vondra (links, Foto: CTK)
Die EU-Pläne zur Verschiebung des Beitritts mehrerer Länder zum
Schengen-Abkommen sind in Tschechien auf wenig Gegenliebe gestoßen. Als
der neue tschechische Außenminister Alexandr Vondra jüngst zu einem
Auslandsbesuch in Deutschland weilte, machte er diesbezüglich darauf
aufmerksam, dass tschechische Institutionen gerade in letzter Zeit sehr
viele Anstrengungen und Mittel in die Vorbereitungen auf diesen Beitritt
investiert hätten.
"Jetzt dürfen wir eigentlich festhalten, dass diese Investitionen überflüssig waren und man dieses Geld hätte anderweitig nutzen können", sagte Vondra.
Auch wenn der Ärger über die Verschiebung des Schengen-Beitritts
verständlich ist, viele der damit verbundenen Investitionen kommen den
Tschechen und ihren Gästen auch so zu Gute. Zum Beispiel die am Montag auf
dem Brünner Flughafen Turany eröffnete neue Abfertigungshalle. Dank ihr
wird der zweitgrößte Start- und Landeplatz in Tschechien ab dem 1. Januar
nächsten Jahres in das Verzeichnis der internationalen Flughäfen der
Europäischen Union aufgenommen. Jaroslav Pospisil, der Landrat für Verkehr
des Südmährischen Kreises, verweist auf weitere Vorteile des neuen
Terminals:
Neue Terminal (Foto: CTK)
"Das Terminal ermöglicht, die europäischen Bürger so abzufertigen, wie sie es für den Schengen-Raum gewohnt sind. Auch wenn wir jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und sich das Datum unseres Beitritts auf einen noch unbestimmtem Termin verschiebt, war es doch wichtig, sich schon vorher darauf vorzubereiten. Schon deshalb, damit der Flughafen Brno-Turany kein Nadelöhr wird für den Zugang zum Südmährischen Landkreis."
Präsident Vaclav Klaus (Foto: CTK)
In der Tat: In diesem Jahr rechnet der Brünner Flughafen mit knapp 400.000
Passagieren, die über ihn befördert werden. Das sind rund drei Mal so viele
wie noch vor zwei Jahren. Einem solchen Aufkommen war das alte, unmoderne
Terminal nicht mehr gewachsen. "Mit der Errichtung des Terminals
haben wir de facto die größte Investition seit Bestehen des Landkreises
realisiert", verkündete Landrat Pospisil stolz. Er vergaß aber nicht
hinzuzufügen, dass man sich davon auch einen wesentlichen Schub für die
Entwicklung der Region, sowohl auf wirtschaftlichem als auch auf
touristischem Gebiet verspreche. Und deshalb sei der Landkreis auch gern
bereit gewesen, die Summe von 237 Millionen Kronen (ca. 8,3 Millionen
Euro) in den Bau der Abfertigungshalle zu investieren, ergänzte Pospisil.
Weitere 1,8 Millionen Euro sind aus dem Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung geflossen.
Diese Ausgaben haben sich aber offensichtlich gelohnt. Staatspräsident
Vaclav Klaus jedenfalls war bei der feierlichen Einweihung des Terminals
von dem Neubau, der die Form einer großen Blase hat, sehr angetan.
Begeistert verlautbarte er, in Brünn nun einen ernsthaften Kandidaten für
die Ausrichtung des Präsidententreffens der mitteleuropäischen Initiative
zu sehen, das im kommenden Jahr in Tschechien stattfinden wird. Bis dahin
wird Brünn vermutlich auch schon auf mehr als die drei Fluglinien
verweisen, mit denen man derzeit von hier aus direkt nach Prag, München
und London gelangen kann.






