Tagesecho Böhmen liegt am Meer – tschechische Kulturtage in Bremen

10-06-2009 17:33 | Christian Rühmkorf

Böhmen am Meer, diese Vorstellung war in Literatur und Kunst immer wieder Projektionsfläche eines utopischen Idealzustands. Für ein paar Tage zumindest ist es vorbei mit der Utopie. Sie ist Wirklichkeit geworden in Bremen. Dort finden in den kommenden Wochen die Tschechischen Kulturtage statt. Knödel an der Küste? – werden Sie vielleicht fragen. Längst nicht nur das.

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Foto: AutorFoto: Autor Den Auftakt der tschechischen Kulturtage in Bremen machte am Dienstag das Prager Ensemble Martinu. Die vier Musiker füllten das altehrwürdige Rathaus der Hansestadt Bremen mit Klängen ihres Namensgebers, des Komponisten Bohuslav Martinu. Auch der tschechische Botschafter Rudolf Jindrák gab dem Festival-Start die Ehre:

Rudolf JindrákRudolf Jindrák „Ich bin gerade aus Berlin gekommen, weil der tschechische Ministerpräsident war heute zu Besuch in Berlin bei der Frau Bundeskanzlerin. Da hatte ich zwei große Erlebnisse an dem heutigen Tag: Politik und dann Kultur.“

Und was hat an diesem Tag gesiegt, die Kultur oder die Politik?

„Eindeutig die Kultur. Ich befasse mich mit Politik jeden Tag, aber mit Kultur ist das leider Gottes nicht so oft. Aber das war wirklich für mich heute ein besonderes Erlebnis.“

Weit weg von Böhmen, ganz im Nordwesten Deutschlands weht also in den kommenden zwei bis drei Wochen eine tschechische Brise Richtung Meer. Die Idee ging vom Tschechischen Zentrum Berlin aus. Zunächst war Hamburg als Veranstaltungsort ins Blickfeld gerückt, erzählt Martin Krafl, der Leiter des Tschechischen Zentrums. Aber in Hamburg gab man sich hanseatisch zurückhaltend:

„Und dann wurde ich nach Bremen eingeladen und vom ersten Tag an habe ich gesehen: Da gibt es einen fruchtbaren Boden für die tschechische Kultur. Für uns im Tschechischen Zentrum Berlin ist das bisher das größte Festival der tschechischen Kultur, das wir in Deutschland veranstaltet haben.“

Bremen: Rathaus, Dom und BürgerschaftBremen: Rathaus, Dom und Bürgerschaft Puppentheater und Lesungen, Klassik und Rock, Politik und Wirtschaft, Knödel und Schweinebraten. In Bremen gibt es in diesen Tagen einen tschechischen Kultureintopf vom Feinsten. Und der erste Abend war ein Erfolg:

„Es hat mich sehr gefreut, dass so viele Leute gekommen sind. Ich habe so ungefähr mit zehn Leuten gerechnet, es sind, glaube ich, 400 gekommen.“

Sagt Mitorganisatorin Libuše Černá vom Verein „Porta Bohemica Bremen“. Das Ensemble Martinu dankte es den Bremern und reichte musikalisch die Hand zur kulturellen Vermählung zwischen Böhmen und Bremen.

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