Tagesecho BIS: Tschechien drohten Terroranschläge
Die organisierte Kriminalität probiert verstärkt, in Justizkreise einzudringen. Die Hälfte der russischen Diplomaten im Land arbeitet für russische Geheimdienste. Nordkoreanische Spione interessieren sich in Tschechien für Waffengeschäfte. Dies sind, kurz gefasst, die wichtigsten Erkenntnisse, die der tschechische Sicherheits- und Informationsdienst (BIS) im Jahr 2005 gewonnen haben will und in seinem Jahresbericht nennt, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Mehr von Martina Schneibergova.
Der tschechische Geheimdienst hat in seinem neuesten Jahresbericht zum
ersten Mal zugegeben, dass sich mehrere Personen im Land aufgehalten
haben, die Angriffe auf Ziele in der Tschechischen Republik planten. Der
erste Fall, von dem bislang aber nicht gesprochen wurde, spielte sich im
August 2005 ab. Drei Ägypter versuchten damals während des Flugs aus Oslo
nach Prag, in die Pilotenkabine einer CSA-Maschine einzudringen. Dem
Flugpersonal gelang es, sie daran zu hindern. Nach der Landung des
Flugzeugs in Prag wurden die Männer nach Ägypten eskortiert. Dem
Geheimdienst zufolge wollten die Ägypter die Sicherheitsmaßnahmen der
CSA-Maschinen testen. Wegen des Verdachts, einen Terroranschlag in
Tschechien geplant zu haben, wurde voriges Jahr zudem ein Algerier des
Landes verwiesen.
Justizminister Jiri Pospisil
Ein weiteres Kapitel im Jahresbericht stellen die möglichen Verbindungen
dar, die es zwischen der Justiz und der organisierten Kriminalität gibt.
Verbrechern gelingt es wohl vermehrt, Richter auf Kreisebene zu bestechen
und dadurch mildere Urteile zu erwirken. Es gebe, so der BIS, einige
Vorgehensweisen, wie Staatsanwälte während des Strafverfahrens
diskreditiert, kompromittiert oder eingeschüchtert würden. Gefährlich
seien, so der Geheimdienst, die miteinander verbundenen Personenkreise aus
Staatsverwaltung, Anwaltskanzleien sowie dem Schulwesen. Diese Leute haben
dem Jahresbericht zufolge juristische Bildung und auch Einfluss auf den
Gesetzgebungsprozess. Nach Worten von Justizminister Jiri Pospisil sollte
aber gerade der Bereich der Entstehung von Gesetzen transparent sein:
"In den letzten Jahren sind wir Zeugen dessen geworden, dass
grundlegende Gesetze verabschiedet werden, die sich in bedeutendem Maße
auf die Gesellschaft auswirken. Die Gesetze wurden unter teils chaotischen
Umständen gebilligt, nachdem Hunderte von verändernden und ergänzenden
Vorschlägen aus den Reihen der Abgeordneten berücksichtigt worden waren.
Im Endergebnis ist dann legislative Ausschussware entstanden."
Der BIS-Bericht spricht des Weiteren darüber, dass die Hälfte der in
Tschechien tätigen russischen Diplomaten Agenten der Geheimdienste sein
sollen. Und Leute aus den Kreisen der russischen Geheimdienste sollen
wiederum Kontakte zur russischen Mafia haben. In Tschechien seien, so der
BIS, außerdem Spione aus Nordkorea aktiv. Diese hätten sich bemüht,
Informationen über Waffengeschäfte zu sammeln.






