Tagesecho Bildungsminister übergeht Akkreditierungskommission: Studenten zufrieden, Experten bereiten Klage vor
Die Pilsener Juristische Fakultät steht schon lange in der Kritik. Vorwürfe waren laut geworden, Studenten hätten sich einen Titel kaufen oder zumindest ihre Studiendauer deutlich verkürzen können. Die Akkreditierungskommission des Landes, zuständig für die Bewertung und Zulassung von Studiengängen, entzog daraufhin der Fakultät die Erlaubnis, einen Doktorstudiengang anzubieten. Anfang März kündigte sie dann an, auch den Magisterstudiengang einzustellen. Am vergangenen Donnerstag verlängerte Bildungsminister Josef Dobeš jedoch die Akkreditierung des Studiengangs bis 2016. Nun droht ihm ein Rechtstreit.
Pilsner Jurastudenten feiern (Foto: ČTK)
Dass Studenten ihn feiern und sich bei ihm bedanken, das erlebt
Bildungsminister Josef Dobeš dieser Tage sicherlich nicht häufig.
Schließlich steht der Minister aufgrund seiner Hochschulreformpläne bei
den Studenten nicht hoch im Kurs. Seine Entscheidung vom Donnerstag aber,
die Akkreditierung des Magisterstudiengangs Jura an der Westböhmischen
Universität Plzeň / Pilsen bis zum Jahr 2016 zu verlängern, löste
zumindest bei den 1800 Studenten, die es betrifft, Begeisterung aus. Der
stellvertretende Bildungsminister Ivan Wilhelm begründete die Entscheidung
seines Ministers dann auch mit den Interessen der Studenten:
Josef Dobeš (Foto: ČTK)
„Es sind nicht wenig Studenten – nach meinen Informationen sind es um
die 1800 – und die Kapazitäten der anderen Juristischen Fakultäten in
Tschechien sind nicht so groß, dass man sie alle übernehmen könnte. Die
Entscheidung ist auch dadurch motiviert, dass die Studienprogramme nicht an
allen Fakultäten identisch sind mit den Inhalten der Pilsener Fakultät.
Das sind alles Gründe, die auch die soziale und gesellschaftliche Seite
der Studenten betreffen.“
Vladimíra Dvořáková
Die Vorsitzende der Akkreditierungskommission, Vladimíra Dvořáková,
hatte aber bereits vor der Entscheidung des Ministers gewarnt, die
Kommission zu übergehen:
„So, wie ich und auch die Rechtsexperten es interpretieren, ist es nicht möglich, ohne die Zustimmung der Akkreditierungskommission einen Studiengang zuzulassen. Aber die Bemühungen, einen anderen Weg zu finden, um die Zulassung zu erreichen, sind gefährlich. Letztendlich könnten nun die Gerichte darüber entscheiden.“
Jene Studenten, die nun einen Abschluss an einer Fakultät machen, die offiziell nicht akkreditiert sei, würden dann Gefahr laufen, einen ungültigen Titel zu erwerben. Dies könne im Berufsleben zu massiven Problemen für die Beteiligten führen, ergänzte Dvořáková.
Gebäude der Juristischen Fakultät in Pilsen (Foto: ČTK)
Das Ministerium betont indes, dass es sich an die Empfehlung der
Akkreditierungskommission halte. Schließlich habe sie die Zulassung des
Studiengangs bis zum 31. Oktober verlängert. Diesen Zeitraum betrachte das
Ministerium aber als zu kurz, daher habe es diese Frist nun im Sinne der
Studenten bis 2016 verlängert. Ob es sich nun aber um einen Rechtsbruch
oder einen Kompetenzstreit handelt, werden wohl tatsächlich die Gerichte
entscheiden müssen. Die Kommission hat nun angekündigt, Klage
einzureichen. Und auch der Rechtsausschuss des Parlaments hat sich zu Wort
gemeldet und zweifelt die Entscheidung des Ministers an. Leidtragende
dieser Auseinandersetzungen werden wohl stets die Studenten sein.






