Bildende Kunst „auf der Straße“ – Festival Sculpture Line in Prag und Pilsen

Die Kunst kommt zu den Menschen – so lässt sich das Festival Sculpture Line in Kürze zusammenfassen. Denn auch diesen Sommer sind wieder Plastiken anerkannter und internationaler Bildhauer in den Straßen Prags ausgestellt –aber nicht nur dort, sondern erstmals auch im westböhmischen Plzeň / Pilsen. Was steckt dahinter? Und was ist zu sehen?

Marc Moser mit seinem Werk (Foto: Archiv SMART Communication)Marc Moser mit seinem Werk (Foto: Archiv SMART Communication) Das Festival läuft gerade erst an. Am Mittwoch wurde beispielsweise vor dem Tanzenden Haus in Prag eine überdimensionierte Kneifzange installiert. Sie steht auf ihren Schneiden, streckt aber Barby-Beine in die Luft. Es ist ein Werk von Marc Moser. Der Schweizer Bildhauer hat den Standort gar nicht selbst wählen können, wie er gegenüber Radio Prag zugibt:

„Es ist aber ein sensationeller Ort für diese Skulptur. Ich finde, sie wirkt sehr gut dort und hat eine sehr starke Präsenz.“

Die Skulpturen werden erst nach und nach aufgestellt. Bis Mitte Juni sollen alle 30 an ihren Orten stehen – 21 davon in Prag und 9 in Pilsen. Jedoch ist keine der Arbeiten direkt für das Festival entstanden. Das würde auch nicht gehen, sagt Marc Moser, der in Pilsen ein weiteres Werk zeigt:

„Skulpturen in dieser Größenordnung werden nicht in dem Sinne auf Auftrag gebaut. Sondern ich mache sie sozusagen nur für mich. Ich habe 2009 begonnen mit solchen Vergrößerungen. Es sind eher plakative Arbeiten, die wirken – die Leute gehen darauf zu. Sie sind nicht in irgendeinem Kunstmuseum ausgestellt, sondern öffentlich und damit auch voll der Kritik ausgesetzt.“

Tony Cragg: Mixed Feelings (Foto: Archiv SMART Communication)Tony Cragg: Mixed Feelings (Foto: Archiv SMART Communication) Seit drei Jahren nun begegnen Prager und Prag-Besucher jeweils im Sommer bildhauerischen Werken praktisch auf der Straße. Ondřej Škarka leitet das Festival und hat es auch mitbegründet:

„Hauptgrund war, dass im Vergleich zu anderen Weltmetropolen solch eine Veranstaltung einfach gefehlt hat. Und wir haben dafür in Prag genügend Raum gefunden.“

In kurzer Zeit hat Sculpture Line an Renommee gewonnen, so dass selbst internationale Stars der Szene zusagen.

„Das größte Ereignis in diesem Jahr ist eine Skulptur von Tony Cragg, die auf dem Platz der Republik aufgebaut ist. Für uns ist das eine große Sache, nicht nur wegen der Ausmaße – es handelt sich um eine fünf Meter hohe Bronzeplastik“, so Ondřej Škarka.

Tony Cragg kommt aus Liverpool, lebt aber in Berlin. Der Brite gilt als einer der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart. Seine Skulptur nennt er „Mixed Feelings“, also gemischte Gefühle. In Prag stellen aber auch die besten vom Fach aus Tschechien aus, sagt der Festivaldirektor:

„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir mit Olbram Zoubek kooperieren dürfen. Er hat sogar zwei Installationen geschaffen – im Neustädter Rathaus und in Smíchov an der Perfect Clinic. Und froh sind wir zudem, mit der Nationalgalerie und František Skála zusammenzuarbeiten, und zwar an einem Baum-Objekt auf dem Kleinseitner Platz, das ebenfalls sehr interessant wird.“

Das sind alles zentral gelegene Orte in Prag. Mittlerweile expandiert das Festival aber auch an den Stadtrand. Und nicht nur das:

„Nach Prag wollen wir nun auch landesweit etwas aufbauen. In diesem Jahr probieren wir es mit Pilsen, was bedeutet, dass wir zwei Festivals parallel veranstalten. Aber sicher wollen wir auch noch in weitere Regionen gehen.“

 

Die Skulpturen sind noch bis 30. September ausgestellt. Mehr zum Festival auf den Webseiten www.sculptureline.cz.