Bigband Workshop in einer alten Mühle

Ein ungewöhnliches Jazz-Orchester hat sich Anfang September im Prager Klub Akropolis vorgestellt. Seine Mitglieder haben sich erst kurz vor dem Konzert kennen gelernt und zusammen eine Woche in einer alten Mühle auf dem Lande gelebt und gespielt. Mehr erfahren Sie von Markéta Maurová.

Recht viele kleine Jazz-Gruppen spielen hierzulande in allen möglichen Klubs, Konzertsälen und Gaststätten. Eine Bigband, d.h. ein großes Jazzorchester zu unterhalten, ist jedoch wesentlich schwieriger. Diese Tatsache veranlasste einige Menschen von der Bürgervereinigung Prostor pro mladé umení (Raum für die junge Kunst) und der Musikvereinigung New Orchestra of Dreams, einen Jazz-Workshop zu veranstalten, an dem Musik-Studenten und weitere Interessenten unter der Leitung von hervorragenden Jazz-Lektoren das Spielen in einem Jazz-Orchester kennen lernen konnten. Einer der Initiatoren war der Schlagzeuger Stepán Smetácek:

"In meiner musikalischen Tätigkeit gab es bereits einen Versuch mit einer größeren Bigband. In den heutigen Bedingungen ist es aber unmöglich, ein solches Orchester zu halten. Dieser Workshop war also eine Möglichkeit, wie viele Leute zusammenkommen und diese Arbeit im großen Orchester ausprobieren können."

In einer alten Mühle im mittelböhmischen Dorf Horni Hbity kamen ganz verschiedene Musiker zusammen: Leute, die zusammen in Kapellen spielen, Leute, die sich vorher nur beiläufig kannten, aber auch solche, die sich noch nie getroffen haben. Unter den 14 Musikern war auch Ludek Havel, ein Student des Jaroslav-Jezek-Konservatoriums in Prag, also einer Schule, die sich eben auf die Jazzmusik spezialisiert. Er hat auch schon gewisse Erfahrungen mit dem Spiel im Schulorchester und kann die Arbeit der beiden Ensembles vergleichen:

"Sie unterscheidet sich sicher durch das kreative Milieu. Bei uns in der Schulbigband gelten feste Regeln - was geschrieben steht, das wird strikt eingehalten. Und hier hat uns der Kapellmeister Stepan Smetacek einen Raum gegeben, damit wir auch unsere Seele in die Musik bringen können."

Wie der Tag in der Mühle aussah, beschrieb uns Petra Simbartlová, die gleichzeitig Organisatorin und Musikerin war:

"Wir haben ungefähr acht Stunden wirklich ernsthaft gearbeitet. Das Zentrum war natürlich die Bigband, aber es gab auch Konsultationen mit den Lektoren. Die weniger Erfahrenen haben gerne die mehr Erfahrenen angesprochen, gefragt, nachgespielt usw."

Ein Ergebnis der Woche ist das Programm von etwa 14 Kompositionen, das die Jazzband bisher in zwei Konzerten in Prag vortrug. Da aber alle Musiker Lust haben weiter zu machen, handelte es sich sicher nicht um die letzten Konzerte dieser Bigband.