Tagesecho Biene Maja, Musicals und goldene Schallplatten: zum Tod von Karel Svoboda

29-01-2007 16:49 | Till Janzer

Für Nicht-Tschechen dürfte der Name Karel Svoboda kein Begriff sein. Doch auf die Früchte seines Schaffens wird wohl der eine oder andere getroffen sein. Wie wäre es beispielsweise mit dem Kultfilm "Drei Nüsse für Aschenbrödel". Die Musik dazu stammt von Svoboda. Film- und Fernsehmelodien, Musicals und Schlager schuf der Komponist. Die kommerziell erfolgreichste Verbindung ging er aber mit der "Goldenen Stimme aus Prag" ein, dem Sänger Karel Gott. Am Sonntag hat sich Karel Svoboda im Garten seines Hauses in Jevany bei Prag laut Informationen der Polizei selbst erschossen - ein kleiner Nachruf.

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Karel Svoboda (Foto: CTK)Karel Svoboda (Foto: CTK) Das Lied "Biene Maja" brachte dem Komponisten im Jahr 1975 Weltruhm. Mit dem Sänger der Maja, Karel Gott, arbeitete Svoboda mehrere Jahrzehnte lang erfolgreich zusammen. Beide verband aber auch eine Freundschaft, weswegen Karel Gott in einer ersten Reaktion auf den Tod seines Freundes nur schwer Worte fand:

"Diesen Schock werde ich erst irgendwann anders verarbeiten können. Ich kann dazu wirklich nichts anderes sagen."

Vor allem wegen der Biene Maja erhielt Karel Svoboda, der in der kommunistischen Tschechoslowakei lebte, nun regelmäßig Aufträge aus der westlichen Welt. Es waren meistens Angebote im Bereich der Filmmusik. Zu hören waren in der Folge Svobodas Melodien unter anderem in den Fernsehserien "Big Man" mit dem Haudrauf Bud Spencer oder "Flash - der Fotoreporter" mit Claudia Cardinale. Aber auch für ernstere Werke komponierte Karel Svoboda, etwa für die Literaturverfilmung "Und keiner weint mir nach" des deutschen Regisseurs Joseph Vilsmaier.

Über die Filmmusik kam Svoboda bereits zu Beginn der 70er Jahre zum Musical. Das erste, das er dann schuf, war "Noc na Karlstejne", auf Deutsch "Nacht auf Karlstein", und hatte großen Erfolg in der damaligen Tschechoslowakei. Auch das letzte Werk, an dem er vor seinem Tod arbeitete, gehört in diese Kategorie: Das Musical "Der Golem" hatte vor kurzem Premiere im Prager Theater Hybernia. Im Theater ist man geschockt über die Nachricht vom Selbstmord des Komponisten, wie Pavel Marek, der künstlerische Leiter des Musicals, gegenüber Radio Prag sagte. Svoboda habe zwar längere Zeit gewisse gesundheitliche Probleme gehabt. Doch wie schwer der 68-jährige Svoboda wohl gelitten haben muss, war niemandem klar:

"Wir vom künstlerischen Team des Golem standen alle in sehr engem Kontakt mit ihm. Uns wäre aber im Leben nicht eingefallen, dass das solch ein Ende nehmen würde."

Mit Karel Svoboda hat das tschechische Musikbusiness einen seiner erfolgreichsten Künstler verloren. Er war ein zuverlässiger Hitlieferant. Gezeigt hat sich das an den Auszeichnungen, die er Zeit seines Lebens allein in Tschechien und der Tschechoslowakei erhielt. So wurden ihm die diamantene Schallplatte für insgesamt mehr als zehn Millionen verkaufte Musikträger im Land sowie drei Preise der Akademie der tschechischen Popmusik verliehen. Aber auch in Deutschland war er erfolgreich. Davon zeugen fünf goldene Schallplatten, die ihm das deutsche Musiklabel Polydor überreichte.

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