Tagesecho Bibliotheken und Archive drei Jahre nach dem Hochwasser

07-09-2005 15:40 | Thomas Kirschner

Vor drei Jahren, im August 2002, wurde Tschechien von der größten Hochwasserkatastrophe in der Geschichte des Landes heimgesucht. Betroffen waren damals auch zahlreiche Bibliotheken und Archive. Noch immer wird an der Restaurierung der Dokumente gearbeitet. Ein Rückblick von Thomas Kirschner.

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Foto: www.ntm.czFoto: www.ntm.cz "Das Hochwasser ist hier fast bis zur Tür des Archivs gekommen - an der nahe gelegenen Straßenbahntrasse stand es bereits einen Meter hoch! Das war etwas Unglaubliches!"

So erinnert sich der Historiker Jaroslav Cechura, damaliger Leiter des Archivs des Tschechischen Nationalmuseums, an die dramatischen Stunden vor drei Jahren. Dass das Wasser auch nur in die Nähe des Archivgebäudes im nördlichen Prager Stadtteil Holesovice kommen könnte, hatte zuvor niemand für möglich gehalten. Immerhin: die einzigen Schäden entstanden dem Archiv in einem Depositar in Terezin / Theresienstadt. Weniger Glück hatten das Militärische Zentralarchiv und das Archiv des Technischen Museums in Prag - der Moldaupegel stieg gut drei Meter über die Wassersperren, die sich am historischen Hochwasser von 1890 orientiert hatten. Mit einer derartigen Flutwelle hatte niemand gerechnet, betont Cechura:

"Wir müssen auch daran denken, dass das Wasser seit der Zeit Maria Theresias niemals so hoch gestanden hat - und das sind fast 250 Jahre!"

Mehrere Regalkilometer Dokumente und Archivalien aus tschechischen Archiven waren durchnässt, außerdem rund 800.000 Bücher aus den Bibliotheken. In einem Großeinsatz wurden Sie gereinigt und dann eingefroren, um Schimmelbildung zu verhindern. Nochmals Jaroslav Cechura:

Jaroslav CechuraJaroslav Cechura "Ein, wie ich finde, positives Kapitel ist die Trocknung und Restaurierung der beschädigten Archivalien. Interessant ist, dass gerade hier in Tschechien eine neue Methode entwickelt wurde, die mit relativ geringem Aufwand die Wasserschäden bei Büchern, Manuskripten im Stande ist, zu trockenen."

Die Rede ist von einem speziellen Mikrowellen-Ofen, der am Technischen Nationalmuseum konstruiert worden ist. Die Nationalbibliothek behalf sich demgegenüber mit einer umgebauten Holztrockenanlage. Für die letzten etwa 5.000 besonders empfindlichen Bände wurde vor kurzem ein Vakuum-Trockner in Betrieb genommen, erläutert Jiri Polisensky von der Nationalbibliothek.

"Der Vorzug dieser Methode des Auftauens besteht vor allem darin, dass das Eis nicht schmilzt - es tritt also kein Wasser im flüssigen Zustand auf, so dass etwa Farbpigmente, Tinte, Stempel und ähnliches nicht weiter beschädigt werden. Das ist ein großes Plus!"

Die Bilanz nach drei Jahren: Vieles konnte gerettet werden, aber es ist auch Unersetzliches verloren gegangen. Nicht aber die wichtigsten Stücke, so Jaroslav Cechura:

"Ich meine, dass die wichtigsten Dokumente von dem Hochwasser nicht beschädigt wurden, zum Beispiel also die mittelalterlichen Pergamente und ähnliches. Die wurden überhaupt nicht beschädigt."

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