Tagesecho Besorgniserregender Trend: Syphilis breitet sich unter Prostituierten aus
Prostitution ist in Tschechien weder erlaubt noch ausdrücklich verboten. Ein großes Problem sind in jedem Fall die Begleiterscheinungen: soziales Abseits, Gewalt, Drogensucht. Ein weiterer besorgniserregender Trend zeigt sich in diesem Jahr: Geschlechtskrankheiten breiten sich wieder mehr aus. Immer mehr Prostituierte infizieren sich insbesondere mit Syphilis.
Treponema pallidum der Erreger der Geschlechtskrankheit Syphilis
Etwa 10.000 Prostituierte gibt es laut Expertenschätzungen in Tschechien.
Meist stammen sie aus ärmeren Gesellschaftsschichten, haben nur geringe
Bildung und oft auch erschütternde persönliche Schicksale. Um sie
kümmert sich seit 18 Jahren die Hilfsorganisation „Rozkoš bez rizika“
(auf Deutsch „Lust ohne Risiko“). In ihrer Kartei sind etwa 7.300
Prostituierte registriert. Über 2.000 Tests auf sexuell übertragbare
Krankheiten führt die Organisation im Jahr durch – anonym und kostenlos.
Nun schlägt sie Alarm: 39 Neuansteckungen mit Syphilis wurden in diesem
Jahr bereits registriert, über die Hälfte alleine in Prag.
Hana Malinová
„Diese Zahl ist wirklich nicht gering. Normalerweise haben wir etwa 30
Fälle im ganzen Jahr. Und die jetzigen Zahlen stammen erst aus dem
Oktober. Syphilis schien eine Sache der Drogenszene zu sein, in Prag zum
Beispiel auch auf dem Straßenstrich, aber nun gibt es auch Fälle in
Sexklubs. Und keine der Frauen kann die Quelle der Infektion genau
bestimmen“, so Hana Malinová, die Leiterin von „Rozkoš bez rizika“.
Die Organisation hat außerdem für 2010 bisher zwei Neuansteckungen mit
HIV festgestellt, eine in Prag und eine in Brno / Brünn. Das hört sich
wenig an. In der Vergangenheit aber wurden oft erschreckende Zusammenhänge
zwischen Syphilis und HIV verzeichnet. So folgte auf eine Welle von
Syphilis-Neuerkrankungen immer eine verstärkte Ausbreitung von HIV. In
Afrika hat die Kombination beider Infektionen zu verheerenden
Aids-Epidemien geführt. Die Ausbreitung von Syphilis in Tschechien sei
daher eine nicht zu unterschätzende Bedrohung, sagt Malinová:
„Jede Reizung der Schleimhäute und jede Störung des Immunsystems bei Syphiliserkrankungen erhöhen das Risiko einer HIV-Infektion um das 500fache.“
Dabei wissen die Infizierten selbst oft monatelang nicht, dass sie an
Syphilis leiden. Die Krankheit beginnt mit Geschwüren am Gebärmutterhals,
die jedoch schmerzlos sein können. Syphilis und andere Infektionen galten
früher in Tschechien als Krankheiten ausländischer Prostituierter. Das
ändert sich, berichtet Malinová:
„Mit dem Aufkommen der Wirtschaftskrise tauchten immer mehr tschechische Frauen in der Prostituiertenszene auf. Sie drängen die – ich sage mal klassischen – Rivalinnen aus dem Geschäft, nämlich die aus der Ukraine und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion.“
Der Konkurrenzkampf in der Szene verleite immer mehr Frauen dazu, sich auf
riskante Praktiken oder Sex ohne Kondom einzulassen. Potentielle Kunden
warnt Hana Malinová daher:
„Prosím Vás: bezpečně!“ – „Ich bitte Sie: sicher!“ … käuflicher Sex nur mit Kondom.








