Befürchtungen vor dem Rauchverbot: Ist die klassische Kneipe bedroht?

In gut sechs Wochen tritt in Tschechien ein umfassendes Rauchverbot in Kraft. Was aber halten die Menschen hierzulande von der künftigen Regelung? Das hat der Tschechische Rundfunk in einer Umfrage nun feststellen lassen.

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio PragFoto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag Mehr als zwei Millionen Tschechen rauchen. Sie werden sich ab dem 31. Mai einschränken müssen. Denn ab dann gilt das geplante Rauchverbot. Es verbannt den Tabak aus allen Gastbetrieben und Veranstaltungsräumen. Diese junge Frau hält die künftigen Regeln für gut:

„Für mich als Nichtraucherin ist es unangenehm, wenn ich mit Freunden in einer Kneipe zusammensitzen will, es dort verraucht ist, bei uns am Tisch aber nicht geraucht wird.“

Doch viele Menschen trauern jetzt schon der typischen tschechischen Kneipe nach, mit ihrem besonderen Duft nach Bratfett und eben Zigarettenrauch. Der 18-jährige Nikola glaubt sogar, dass eine Mehrheit der Menschen hierzulande dies genauso sieht wie er:

„Ich bin gegen das Rauchverbot und wollte deswegen sogar eine Online-Petition starten. Hätte ich das gemacht, hätten wir wohl gewonnen. Es macht keinen Spaß, mit Freunden in die Kneipe zu gehen und sich keine anzünden zu können.“

Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio PragFoto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag Tatsächlich sind beide Lager derzeit aber gleich stark, wie eine neue Umfrage zeigt. Der Tschechische Rundfunk hatte dafür das Meinungsforschungsinstitut Median beauftragt. In den Jahren zuvor war die Zustimmung zu einem Rauchverbot in Gaststätten auch schon höher gewesen, im Jahr 2013 lag sie sogar bei 78 Prozent. Die jetzigen Zahlen zeigen allerdings auch, dass die Kneipenkultur nicht bedroht sein dürfte. Eine Frage lautete nämlich: Werden Sie ab dem Inkrafttreten des Rauchverbots seltener oder häufiger in Kneipen und Restaurants gehen?

„Der Anteil der Menschen, die sagen, sie würden dann weniger häufig in Gaststätten gehen, ist genauso hoch wie jener, die ankündigen, in Zukunft häufiger zu gehen. Es sind jeweils rund zehn Prozent der Befragten“, so Daniel Prokop von Median.

Auch beim Gaststättenverband herrscht keine Angst, dass nun viele Kneipen und Restaurants dicht machen müssten. Zumindest nicht in den Städten und größeren Gemeinden, wie Verbandspräsident Václav Starek bestätigt. Er schickt jedoch ein großes „Aber“ hinterher:

Václav Stárek (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Václav Stárek (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Wir haben von Anfang an gesagt, dass das Gesetz vor allem die Kneipen auf dem Land beeinträchtigen wird. Restaurants als solche werden davon kaum betroffen sein, wohl aber die kleinen Gastbetriebe.“

Ob Starek in seiner Einschätzung Recht hat, das wird sich wohl erst im Laufe des Jahres herausstellen. Ärzte halten jedoch ein striktes Rauchverbot für alternativlos. Und sie haben die Zahlen auf ihrer Seite. Adam Kulhánek ist Facharzt für Suchtmedizin am Prager Universitätsklinikum:

„Bei manchen besonders aggressiv wirkenden Substanzen wie den Nitrosaminen spielt es keine Rolle, wie viel man davon einatmet, aber wie häufig. In jenen Ländern, in denen das Rauchen in Restaurants verboten wurde, ist die Zahl akuter Herzinfarkte um 20 Prozent gesunken.“