Tagesecho Barockschloss Koloděje wird Sohn des früheren Besitzers zurückgegeben
Das Barockschloss Koloděje am östlichen Prager Stadtrand muss an den Sohn seines früheren Besitzers zurückgegeben werden. Das entschied nun ein Berufungsgericht in Prag. Seit dem Jahr 1948 befand sich das Schloss im Besitz der tschechoslowakischen beziehungsweise der tschechischen Regierung, die sich oft in Koloděje zu Verhandlungen traf.
Barockschloss Koloděje
Als die Kommunisten 1948 die Macht übernahmen, da übernahmen sie auch
gleich zahlreiche Schlösser im Land. Eines davon war Schloss Koloděje.
Dem damaligen Besitzer Antonín Kumpera wurde es auf der Grundlage der
Beneš-Dekrete weggenommen. Man beschuldigte ihn der Kollaboration mit den
Nazis. Antonín Kumpera hatte allerdings bereits 1945 eine Bescheinigung
über seine „nationale Zuverlässigkeit“ erhalten, wie es damals
offiziell hieß. Den Kommunisten war der Industrielle aber ein Dorn im
Auge. Sie nahmen ihm sein Schloss und zwangen ihn zum Gang ins Exil.
Kumpera starb in Brasilien. Sein Sohn Vítězlav Kumpera hat seit 1991 vor
tschechischen Gerichten auf Restitution des ehemaligen Familienbesitzes
geklagt. Das Prager Stadtgericht hat ihm nach langem hin und her zwischen
diversen Gerichten nun Recht gegeben.
„Das Berufungsgericht hat in letzter Konsequenz entschieden, dass ein Missbrauch der Beneš-Dekrete vorliegt und Antonín Kumpera zu Unrecht verfolgt wurde.“ so der Sprecher des Gerichts, Petr Kulawiak.
Vítězslav Kumpera, foto: Jan Schejbal (www.vlada.cz)
Das Urteil ist damit rechtskräftig. Entsprechend zufrieden zeigte sich
der Anwalt des Klägers, Tomáš Chlost. Nach dem 17 Jahre dauernden
Rechtsstreit mit dem tschechischen Staat, werde es nun endlich
Gerechtigkeit geben, so Chlost. Die Regierung muss also Schloss Koloděje
räumen. Bisher hatten sich dort oft die tschechischen Politiker ihre
Sitzungen angenehmer gemacht. Entsprechend wehmütig reagierte Džamila
Stehliková, Ministerin für Menschenrechte, auf das Gerichtsurteil:
„Das Schloss wird mir fehlen. Es ist ein wirklich zauberhafter Ort. Dort gab es die schönsten Regierungsverhandlungen. Dreimal so schön wie sonst.“
Von Stehlikovás Kabinettskollegen war aber bereits zu hören, dass man auf Koloděje auch verzichten könne. Der Regierung blieben in Prag noch genügend repräsentative Gebäude für Empfänge und Tagungen, hieß es. Zum Beispiel das Lichtenstein Palais nahe der Prager Burg.
Koloděje ist nicht die erste Staats-Immobilie, die an die ehemaligen Eigentümer oder deren Nachkommen zurückgeht. In den neunziger Jahren geschah das gleiche schon mit dem westböhmischen Schloss Lnáře. Über die zukünftige Nutzung von Schloss Koloděje hat sein neuer Eigentümer Vítězlav Kumpera aber noch nicht entschieden. In Frage komme die Einrichtung eines Familienmuseums. Und auch der Keller des Schlosses könnte eine Ausstellung beherbergen. Dort befand sich in den fünfziger Jahren nämlich ein Gefängnis des kommunistischen Sicherheitsdienstes. Eins kommt für Kumpera aber nicht in Frage. Und das ist eine Vermietung an die tschechische Regierung.







