Tagesecho Barock pur: Myslivečeks Erstlingsopus im Schlosstheater in Krumau
Das südböhmische Český Krumlov / Krumau kann nicht über einen Mangel an Besuchern klagen. Touristen schlendern genauso durch die malerischen Gässchen im Zentrum der Weltkulturerbestadt, wie auch durch das geräumige Schlossareal. Nicht allen gelingt es aber, auch das einzigartige Schlosstheater zu besichtigen. Denn das Interesse für das besterhaltene Barocktheater der Welt übersteigt die Kapazitäten der historischen Räumlichkeiten. Eine einzigartige Gelegenheit, eine Opernvorstellung auf dieser Bühne zu erleben, bietet sich an diesem Wochenende. Mit einer Barocknacht im Schloss wird das internationale Kammermusikfestival in Krumau eröffnet.
Capella Regia (Foto: www.capellaregia.com)
Rund 300 Jahre zurück in der Geschichte werden die Besucher der
Barocknacht im Krumauer Schloss am Freitag- und Samstagabend versetzt. Das
Publikum wird mit Fanfaren auf dem Schlosshof begrüßt, weiter geht es in
den Maskensaal, wo ein Barockball stattfindet. Der Höhepunkt des Abends
ist dann eine Opernvorstellung im Schlosstheater. In einer neuzeitigen
Premiere wird dort Dirigent Robert Hugo mit seinem Ensemble „Capella
Regia“ ein Werk des tschechischen Komponisten Josef Mysliveček
aufführen. Die Oper „Il Parnaso confuso“ – zu deutsch etwa „Das
Chaos auf dem Parnass“ – hat eine interessante Geschichte. Robert Hugo
schildert sie in einem kleinen Interview:
Josef Mysliveček
„Das Libretto stammt von Pietro Metastasio. Er schrieb es ursprünglich
für Christoph Willibald Gluck, und zwar für eine Aufführung in Wien. Die
Schwester von Josef II., die Sängerin war, wollte das Libretto für eine
Vorstellung während ihrer Hochzeit in Parma benutzen. Sie bat Mysliveček,
die Musik neu zu komponieren.“
Über die Gründe für die jetzige Aufführung des Werks in Krumau sagte Hugo:
„Ich wollte eine Oper aufführen, die mit der Zeit der Entstehung nahe dem Krumauer Theater liegt. Das Theater wurde 1767 oder 1768 eröffnet, und Myslivečeks Version von ´Il Paradiso confuso´, die in Parma aufgeführt wurde, entstand 1765. Das war für mich ausschlaggebend. Es ist Myslivečeks erste Oper. Er ist 1763 nach Italien gegangen. Kurz lebte er in Venedig, dann in Neapel und für Parma komponierte er diese Oper.“
Robert Hugo (Foto: www.capellaregia.com)
In Krumau handele es sich fast um die Premiere der Oper, so Hugo:
„Das Libretto sowie die ganze Oper wurden immer für die jeweilige Gelegenheit ein wenig modifiziert. Wir haben auch das Libretto der Barocknacht in Krumau angepasst.“
Robert Hugo studierte die Oper mit seinem Orchester „Capella Regia“ aus Prag ein.
„Solisten sind: Sopranistin Irena Troupová, die in Deutschland bekannt ist, weil sie lange in Berlin gelebt hat, Eva Müllerová, Markéta Cukrová – Mezzosopran und Tenor Ondřej Šmíd. Er singt Apollo und die drei Damen sind Musen.“
Radim Hladík (Foto: www.divadlozatec.cz)
Für die Gäste ist nach der Opernvorstellung noch ein Gartenfest mit
Feuerwerk, Theater und einem barocken Gastmahl vorbereitet.
Auf dem Programm des Festivals stehen des Weiteren Gitarren-, Orgel- sowie Violinkonzerte. Auf ihre Kosten kommen auch die Fans guter alter tschechischer Rockmusik: Am Dienstag spielt auf der Terrasse des Hotels Růže der Gitarrist Radim Hladík mit seiner Band Blue Effect. Das Kammermusikfestival in Krumau dauert bis zum 4. Juli.










