Tagesecho Bahninspektion: Zu viele Menschen sterben an unbeschrankten Bahnübergängen

14-04-2010 14:34 | Christian Rühmkorf

Laut Bahninspektion (DI) gibt es Handlungsbedarf: Mehr beschrankte Bahnübergänge müssen her. Die Zahl der tödlichen Unfälle ist nämlich sprunghaft angestiegen. Wer Schuld daran hat und wo die Probleme liegen, darüber sprach Christian Rühmkorf mit Martin Drápal von der Tschechischen Bahninspektion.

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Herr Drápal, die Tschechische Bahninspektion registriert in den letzten Jahren eine starke Zunahme vor allem der Unfälle an Bahnübergängen. Im vergangenen Jahr kamen an oder auf den Gleisen 68 Menschen ums Leben. Auch das erste Quartal 2010 hat einen traurigen Rekord zu verzeichnen. Wodurch kommt das – liegt der Fehler bei der Tschechischen Bahn oder bei den Autofahrern?

„Was die Unfälle an den Bahnübergängen betrifft, sind in diesem Jahr schon 15 Menschen ums Leben gekommen. Aber in keinem dieser Fälle – vom jüngsten abgesehen – handelt es sich um ein Verschulden der Bahn. Immer waren Unaufmerksamkeit oder risikoreiches Verhalten seitens der Auto- und Radfahrer oder Fußgänger die Ursache.“

Heißt das, dass die Bahnübergänge in Tschechien ausreichend gesichert sind?

„Die Bahnübergänge sind in Tschechien so gesichert, wie das Gesetz es vorschreibt. Aber unsere Statistiken über die vergangenen Jahre hinweg zeigen, dass Schranken die sicherste Variante sind. Wenn Schranken vorhanden sind, enden nur sieben Prozent der Unfälle tödlich. Die Bahninspektion bemüht sich deshalb darum, dass so viele Bahnübergänge wie möglich nicht nur mit Lichtsignalen, sondern auch mit Schranken gesichert werden.“

An wie vielen Bahnübergängen in Tschechien fehlen denn die Schranken?

Werbung 'Kinder, passt auf die Gleise auf!'Werbung 'Kinder, passt auf die Gleise auf!' „Man kann nicht sagen, dass die Schranken fehlen. Schranken sind nur eine Ergänzung, eine optische Abgrenzung des Bahnübergangs, die aber laut Gesetz nicht vorgeschrieben ist. Rund ein Viertel der Übergänge ist mit Lichtsignalen ausgestattet, die Hälfte nur mit dem Andreaskreuz, und ungefähr nur 10 bis 15 Prozent sind mit Schranken versehen.“

Wie kommt es, dass nur so wenige Bahnübergänge mit Schranken ausgestattet sind? Ist das ein politisches Problem?

„Es handelt sich meistens um ein Finanzierungsproblem, denn in Tschechien gibt es über 9.000 Bahnübergänge, und die Ausstattung mit Schranken ist wesentlich teurer als nur mit Lichtsignalen. Das Geld dafür sollte in diesem Falle vom Verkehrsministerium kommen.“

Die Bahninspektion hat einen Kurzfilm herausgegeben. „Der Autofahrer – Schrecken der Bahnübergänge“ heißt er. Damit soll auf die Risiken an Bahnübergängen aufmerksam gemacht werden. Wo ist der Film zu sehen?

„Diesen Film haben wir schon vor zwei Jahren herausgegeben. Er kann auf Tschechisch und Slowakisch von unseren Seiten heruntergeladen werden. Es gibt auch eine Version für Gehörlose. Gleichzeitig wurde der Film an alle Fahrschulen verschickt.“

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