Tagesecho Bäume am Straßensaum und Verkehrssicherheit – ein Widerspruch?
9000 Bäume an Straßenrändern sollen in diesem Jahr in Tschechien unters Holzfällerbeil kommen. Diese Ankündigung der Straßenverwaltung hat bei den Umweltschützern die Alarmglocken schellen lassen. Der Behörde zufolge sollen die Bäume deswegen gefällt werden, damit der Verkehr auf den Straßen sicherer wird. 992 Menschen sind im Jahr 2008 bei Verkehrsunfällen auf tschechischen Straßen tödlich verunglückt. 18 Prozent der Verkehrstoten, also fast jedes fünfte Opfer, infolge eines Anpralls eines Fahrzeugs an einen Baum. Gehören die Bäume am Straßensaum also weg? Hören Sie mehr dazu im folgenden Beitrag von Maria Hammerich-Maier.
Für Josef Tesařík von der Direktion der tschechischen Verkehrspolizei
geht aus den Unfallstatistiken Eines unzweifelhaft hervor: Der
Zusammenprall von Kraftfahrzeugen mit so genannten „festen
Hindernissen“ – wozu unter Anderem die Bäume gehören – stellt für
die Verkehrssicherheit auf den tschechischen Straßen ein beträchtliches
Problem dar. Doch als Ursachen könne man nicht einfach die „festen
Hindernisse“ dingfest machen, gibt Tesařík zu bedenken:
“Die Frage, ob ein Baum daran Schuld haben kann, dass es zu einem tödlichen Unfall kommt, ist sehr schwer eindeutig zu beantworten. Ein Baum an einer Straße bildet jedenfalls in der Regel nicht die Ursache für den Verkehrsunfall. Die Unfallursache ist stets bei einem menschlichen Faktor zu suchen.“
Bei einem menschlichen Faktor, das bedeutet Josef Tesařík zufolge im Klartext:
Foto: ČTK
„Bei den Fahrzeuglenkern, oder auch beim Verwalter der Straße, zumal
wenn dieser nicht imstande ist, die betreffenden Bäume so abzusichern,
dass eine direkte Kollision oder ein Kontakt des Fahrzeugs mit dem Baum
verhütet wird, zum Beispiel durch eine Schutzplanke oder Ähnliches.“
Eva Tylová von der Tschechischen Umweltinspektion teilt diese Ansicht:
„Für die Verkehrssicherheit ist es vor allem wichtig, dass die Straßen ordentlich instand gehalten und ausgebessert werden und dass die Lenker ihr Fahrverhalten an den Zustand der Straße anpassen. Bei den Alleen geht es vor allem um Kreis- und Gemeindestraßen. Und bei diesen Straßen passen leider viele Autofahrer das Fahrverhalten nicht daran an, wie sich die Straße durch die Landschaft schlängelt und wie die Bäume an ihren Rändern wachsen. Unserer Meinung nach liegt das Problem also nicht bei den Bäumen, sondern bei den Lenkern.“
Doch was spielt sich auf den hiesigen Landstraßen nach einem Unwetter ab?
Die meisten Autofahrer wissen davon ein trauriges Lied zu singen: Ob
Linden, Pappeln oder Kastanien, Apfel-, Birn- oder Pflaumenbäume. So
schön sie auch anzusehen sind, viel zu viele Bäume trotzen den Stürmen
nicht: abgerissene Zweige kleben auf dem Asphalt, heruntergestürzte Äste
und ganze umgeknickte Bäume tauchen plötzlich vor dem Wagen auf und
zwingen zu halsbrecherischen Ausweichmanövern. Viele Alleen sind
überaltert, nur unzulänglich gepflegt und daher marode. Also doch
gefährlich und weg damit?
Ja, schon, die kranken und an der falschen Stelle gepflanzten Bäume, aber
nicht wahllos ganze Ensembles, sagt dazu das Umweltministerium. Es hat nun
eine Novelle des Naturschutzgesetzes entworfen, mit der ein öffentliches
Genehmigungsverfahren eingeführt werden soll, bevor die Holzfäller in den
Alleen anrücken. Damit würde die Debatte, die jetzt in Gang gekommen ist,
in jedem einzelnen Fall des Abholzens von Bäumen am Straßensaum
fortgeführt.







