Tagesecho Bäume am Straßensaum und Verkehrssicherheit – ein Widerspruch?

02-03-2009 16:16 | Maria Hammerich-Maier

9000 Bäume an Straßenrändern sollen in diesem Jahr in Tschechien unters Holzfällerbeil kommen. Diese Ankündigung der Straßenverwaltung hat bei den Umweltschützern die Alarmglocken schellen lassen. Der Behörde zufolge sollen die Bäume deswegen gefällt werden, damit der Verkehr auf den Straßen sicherer wird. 992 Menschen sind im Jahr 2008 bei Verkehrsunfällen auf tschechischen Straßen tödlich verunglückt. 18 Prozent der Verkehrstoten, also fast jedes fünfte Opfer, infolge eines Anpralls eines Fahrzeugs an einen Baum. Gehören die Bäume am Straßensaum also weg? Hören Sie mehr dazu im folgenden Beitrag von Maria Hammerich-Maier.

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Für Josef Tesařík von der Direktion der tschechischen Verkehrspolizei geht aus den Unfallstatistiken Eines unzweifelhaft hervor: Der Zusammenprall von Kraftfahrzeugen mit so genannten „festen Hindernissen“ – wozu unter Anderem die Bäume gehören – stellt für die Verkehrssicherheit auf den tschechischen Straßen ein beträchtliches Problem dar. Doch als Ursachen könne man nicht einfach die „festen Hindernisse“ dingfest machen, gibt Tesařík zu bedenken:

“Die Frage, ob ein Baum daran Schuld haben kann, dass es zu einem tödlichen Unfall kommt, ist sehr schwer eindeutig zu beantworten. Ein Baum an einer Straße bildet jedenfalls in der Regel nicht die Ursache für den Verkehrsunfall. Die Unfallursache ist stets bei einem menschlichen Faktor zu suchen.“

Bei einem menschlichen Faktor, das bedeutet Josef Tesařík zufolge im Klartext:

Foto: ČTKFoto: ČTK „Bei den Fahrzeuglenkern, oder auch beim Verwalter der Straße, zumal wenn dieser nicht imstande ist, die betreffenden Bäume so abzusichern, dass eine direkte Kollision oder ein Kontakt des Fahrzeugs mit dem Baum verhütet wird, zum Beispiel durch eine Schutzplanke oder Ähnliches.“

Eva Tylová von der Tschechischen Umweltinspektion teilt diese Ansicht:

„Für die Verkehrssicherheit ist es vor allem wichtig, dass die Straßen ordentlich instand gehalten und ausgebessert werden und dass die Lenker ihr Fahrverhalten an den Zustand der Straße anpassen. Bei den Alleen geht es vor allem um Kreis- und Gemeindestraßen. Und bei diesen Straßen passen leider viele Autofahrer das Fahrverhalten nicht daran an, wie sich die Straße durch die Landschaft schlängelt und wie die Bäume an ihren Rändern wachsen. Unserer Meinung nach liegt das Problem also nicht bei den Bäumen, sondern bei den Lenkern.“

Doch was spielt sich auf den hiesigen Landstraßen nach einem Unwetter ab? Die meisten Autofahrer wissen davon ein trauriges Lied zu singen: Ob Linden, Pappeln oder Kastanien, Apfel-, Birn- oder Pflaumenbäume. So schön sie auch anzusehen sind, viel zu viele Bäume trotzen den Stürmen nicht: abgerissene Zweige kleben auf dem Asphalt, heruntergestürzte Äste und ganze umgeknickte Bäume tauchen plötzlich vor dem Wagen auf und zwingen zu halsbrecherischen Ausweichmanövern. Viele Alleen sind überaltert, nur unzulänglich gepflegt und daher marode. Also doch gefährlich und weg damit?

Ja, schon, die kranken und an der falschen Stelle gepflanzten Bäume, aber nicht wahllos ganze Ensembles, sagt dazu das Umweltministerium. Es hat nun eine Novelle des Naturschutzgesetzes entworfen, mit der ein öffentliches Genehmigungsverfahren eingeführt werden soll, bevor die Holzfäller in den Alleen anrücken. Damit würde die Debatte, die jetzt in Gang gekommen ist, in jedem einzelnen Fall des Abholzens von Bäumen am Straßensaum fortgeführt.

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