Autoindustrie ist Triebkraft des tschechischen Wirtschaftsaufschwungs

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Erstmaliger Exportüberschuss, hohe Steigerungsrate der Industrieproduktion, tolles Wirtschaftswachstum. All diese Schlagzeilen trafen in den zurückliegenden Wochen wiederholt auf Tschechien zu. Welcher Wirtschaftszweig ist aber der buchstäbliche Motor für diese Entwicklung? Dieser Frage ist Lothar Martin nachgegangen.

"Die Tschechische Republik wird im Jahr 2005 tatsächlich der weltgrößte Automobilhersteller sein, was die Produktion pro Kopf der Bevölkerung betrifft. Insgesamt sollen ca. 800.000 PKW im Jahr produziert werden. Ich denke, dass dieses Jahr, in dem der Export gut anläuft und in dem auch der Absatz dieser Kleinwagen anläuft, einen wirklichen Durchbruch bedeuten kann. Denn es kann gelingen, dass wir in unserer Außenhandelsbilanz einen Exportüberschuss oder zumindest eine ausgeglichene Bilanz erzielen werden."

Minister für Industrie und Handel Milan Urban
Mit diesen Worten hat der tschechische Minister für Industrie und Handel, Milan Urban, bereits zu Jahresbeginn vorhergesagt, was im Juni tatsächlich eingetreten ist: Das tschechische Außenhandelsgeschäft konnte erstmals in der Geschichte des Landes einen Exportüberschuss erzielen, der immerhin stattliche 250 Millionen Euro betrug. Damit ist Tschechien endgültig zurück auf dem Weg zu einer europäischen Industrienation, wie sie das Land schon einmal in der Periode zwischen den beiden Weltkriegen gewesen ist. Und mächtigen Anteil daran hat zweifelsohne die Automobilherstellung, die nach dem diesjährigen Produktionseinstieg des Konsortiums Toyota Peugeot Citroen Automobile (kurz: TPCA) noch an Schubkraft gewonnen hat. In der mittelböhmischen Elbestadt Kolin, wo TPCA sich niedergelassen hat, laufen nämlich seit Anfang März die ersten Kleinwagen vom Typ Toyota Aygo, Peugeot 107 und Citroen C1 vom Band. Zurzeit läuft die hiesige Produktion noch nicht auf vollen Touren, weil strukturelle Probleme wie der sich verzögernde Wohnungsbau für die neu rekrutierten Arbeitskräfte oder der unvollendete Ausbau der Autobahn D11 der Entwicklung noch im Wege stehen. Daher fordert Masatake Enomoto, der japanische Chef des TPCA-Unternehmens, nach dem geglückten Produktionseinstieg:

"Ich kann mich nicht beschweren. Richtig aber ist, dass man stets alles verbessern kann. Ich würde es zum Beispiel begrüßen, wenn man in der hiesigen Industrie ein besseres Konkurrenzmilieu schaffen würde, oder wenn es zu einer besseren Kommunikation mit der Regierung sowie zur Vereinfachung der Legislative kommen würde."

Nicht zuletzt dank ihrer gut florierenden Automobilproduktion hat die Tschechische Republik im Juli dieses Jahres mit 5,1 Prozent ein Wirtschaftswachstum erzielt, mit dem es derzeit gemeinsam mit der Slowakei in Mitteleuropa führend ist. Und sollten die Autobauer in Kolin nach der Lösung ihrer Strukturprobleme im kommenden Jahr bereits die geplante Jahresproduktion von 300.000 Kleinwagen erreichen, dann wird sich das Wachstum nach Aussage von Experten um einen weiteren Prozentpunkt erhöhen. Skoda und TPCA stehen fürwahr an der Spitze des tschechischen Aufschwungs, der im Jahr 2010 mit der Einführung des Euro vorerst gekrönt werden soll.