Tagesecho Außenministerium spart: Tschechien muss Botschaften schließen
Die neue Regierung hat einen harten Sparkurs eingeschlagen. Jedes Ministerium muss zehn Prozent an Ausgaben zum kommenden Jahr streichen. So auch das Außenministerium. Nun gab das Regierungskabinett grünes Licht, um die Botschaften in fünf Ländern zu schließen: in der Demokratischen Republik Kongo, in Kenia, im Jemen, in Costa Rica und in Venezuela. Dazu wird noch das Konsulat im indischen Bombay aufgelöst. Doch Fachleute und die Opposition üben Kritik.
Die Botschaften in der Demokratischen Republik Kongo (Foto: www.mzv.cz)
Bereits seit einigen Wochen war darüber geredet worden. Am Mittwoch
beschloss die Regierung nun die Schließung der Botschaften. Auf den ersten
Blick mögen die betroffenen Länder in Lateinamerika und Afrika sowie der
Jemen keine besondere strategische Bedeutung haben. Doch Fachleute halten
die Wahl für übereilt. Petr Drulák leitet das Institut für
internationale Beziehungen in Prag. Gegenüber den Inlandssendungen des
Tschechischen Rundfunks sagte er, dass Tschechien als kleines Land nicht
wie eine Großmacht überall auf der Welt präsent sein müsse. Gegen die
Schließung von Botschaften sei angesichts des Sparkurses deswegen auch
nichts einzuwenden. Allerdings sei die Art und Weise nicht glücklich.
Petr Drulák
„Denn das Kabinett hat noch kein neues Konzept der Außenpolitik
vorgelegt. Die Schließungen scheinen mir eher wie ein Schnellschuss. Das
gilt vor allem für den Jemen, der bis vor kurzem noch zu den Zielgebieten
unserer Entwicklungshilfe gehört hat. Die Ergebnisse dieser Hilfe zeigen
sich aber erst nach Jahren oder Jahrzehnten“, so Drulák.
Aus dem Außenministerium jedoch heißt es, dass eben der Jemen gerade nicht mehr eine Priorität der Außenpolitik sei. Und allgemein habe großer Zeitdruck bei der Entscheidung bestanden, wie Jiří Schneider erläuterte, der an Stelle des urlaubenden Außenministers Schwarzenberg die Auswahl getroffen hat:
Jiří Schneider
„Es war nötig, eine schnelle Entscheidung zu treffen. Zum einen um zu
wissen, von welchem Niveau aus wir weitere Sparmaßnahmen vornehmen. Denn
dies sind ja nicht die Haupteinsparungen. Zum anderen sind die
Schließungen ein schwieriges logistisches Unterfangen, weil die
Botschaften ja am anderen Ende der Welt liegen.“
Den Spareffekt bezweifeln indes die Kritiker. Und zu denen gehören nicht nur Politiker der Opposition, sondern auch der bürgerdemokratische Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im Abgeordnetenhaus, David Vodrážka. Er befürchtet, dass die Wirtschaftsbeziehungen in die betroffenen Regionen unter den Schließungen leiden – und dies käme Tschechien im Endeffekt teurer, als an Sparpotenzial gewonnen werde. Die Afrikanistin und ehemalige Chargé d´affaires in Simbabwe, Marie Imbrová, rechnete dies am Beispiel Afrika vor:
Marie Imbrová
„Der Betrieb der drei Botschaften im Kongo, in Kenia und in Simbabwe zum
Beispiel kostet im Jahr zusammen nicht mehr als 20 Millionen Kronen. Ich
habe das verglichen, diese Summe reicht nicht einmal, um fünf
Plattenbauten in Prag zu sanieren. Ich finde, die Botschaften sind kein
Luxus, da wird mit einem Minimum an Geld sehr effektive Arbeit
geleistet.“
Tschechien würde mit den Schließungen den ganzen ost- und
zentralafrikanischen Raum verlassen, so Imbrová.









