Außenminister verleiht Historiker Rathkolb und Autor Serke den „Gratias agit“

Insgesamt 15 Persönlichkeiten aus dem Ausland sind am Freitag vom tschechischen Außenminister Lubomír Zaorálek ausgezeichnet worden. Sie haben in Prag den „Gratias agit“ erhalten. Damit wird ihnen dafür gedankt, dass sie gute Beziehungen gefördert haben zwischen Tschechien und den Ländern, in denen sie leben.

Ausgezeichnete Persönlichkeiten mit dem tschechischen Außenminister (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Ausgezeichnete Persönlichkeiten mit dem tschechischen Außenminister (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) Sie kommen aus Kamerun oder Kanada, aber auch aus Deutschland und Österreich. Zum Teil sind sie ausländische Bürger, aber auch Tschechen. Alle haben sie sich, wie es offiziell heißt, um den guten Namen der Tschechischen Republik verdient gemacht.

So zum Beispiel Oliver Rathkolb, Professor am Institut für Zeitgeschichte an der Universität in Wien. Er arbeitet schon seit vielen Jahren mit tschechischen Fachkollegen und Institutionen zusammen, unter anderem hatte er auch einen Lehrauftrag als Gastdozent am Institut für internationale Studien der Karlsuniversität.

„Diese Auszeichnung ist mir wirklich persönlich viel wert. Denn ich bin in meiner ganzen Lebensgeschichte immer wieder auf die tschechisch-österreichischen Beziehungen gestoßen. Ich habe auch versucht, mich als Wissenschaftler damit auseinanderzusetzen und ebenso Aktivitäten anderer zu ermöglichen. Das beginnt schon mit der Herkunft meiner Mutter, die eine geborene Nový ist – sozusagen die typische Habsburger-Monarchie-Mischung.“

Lubomír Zaorálek und Oliver Rathkolb (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Lubomír Zaorálek und Oliver Rathkolb (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) Oliver Rathkolb hatte zudem in Kinder- und Jugendzeiten immer den Eisernen Vorhang vor Augen. Denn aufgewachsen ist in Gmünd. Auch das habe ihn geprägt in seinem Interesse für das Nachbarland, sagt der 61-Jährige. Aus diesem Interesse sind wissenschaftliche Publikationen entstanden, die sich mit der tschechoslowakisch-österreichischen Geschichte beschäftigen. Und Rathkolb steht auch hinter einer erfolgreichen Wanderausstellung zur Kultur beiderseits der tschechisch-österreichischen Grenze.

Jürgen Serke ist deutscher Journalist und Schriftsteller. Er hat Anfang der 1980er Jahre über die von den Kommunisten verbannten tschechoslowakischen Schriftsteller geschrieben. In einem weiteren Buch – „Böhmische Dörfer“ von 1987 – porträtiert er 50 Autoren aus Böhmen, die Deutsch geschrieben haben und von den Nationalsozialisten oder später dem sozialistischen Regime verfolgt wurden. Für Jürgen Serke ist der „Gratias agit“ unerwartet gekommen.

Jürgen Serke (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Jürgen Serke (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) „Ich bin erfreut, da es ja eigentlich ein politischer Preis ist. Dabei habe ich mein ganzes Leben nur mit Kultur zu tun gehabt. Dass ein Außenministerium gewissermaßen jetzt das Ansehen der Tschechischen Republik an Kultur festmacht – das ist eine erstaunliche Geschichte, die man in Deutschland so nicht findet.“

Das tschechische Außenministerium nennt ausdrücklich Serkes Buch „Böhmische Dörfer“. Bemerkenswert, wie der Schriftsteller sagt:

„Ich finde es wunderbar vom Außenministerium, dass es auf das Buch hinweist, das in diesem Jahr gerade 30 Jahre alt geworden ist. Es sagt damit praktisch, ich hätte die deutschsprachige Literatur der Tschechoslowakei wieder in die tschechische Geschichte eingefügt. Dass man das heute im Außenministerium, das heißt in diesem Lande hier, gut findet, zeigt auch, was sich seit 1989 bis heute alles positiv gegenüber der sogenannten deutschen Sache verändert hat.“

Wegen des Einsatzes für die tschechisch-deutschen Beziehungen wurde außer Serke auch die Schriftstellerin Alena Wagnerová ausgezeichnet. Sie ging 1969 aus privaten Gründen ins Saarland. Seitdem hat sie sich intensiv mit der gemeinsamen mitteleuropäischen Geschichte und Kultur auseinandergesetzt.

Weitere Preisträger sind in diesem Jahr etwa die Eisschnellläuferin Martina Sáblíková oder der verstorbene Dirigent Jiří Bělohlávek, der lange Jahre das BBC-Symphonie-Orchester geleitet hat.