Aus Bayreuth nach Prag: Constantin Trinks dirigiert Lohengrin-Remake im Nationaltheater

Richard Wagners Kultoper Lohengrin wird in Prag aufgeführt – und zwar in derselben Inszenierung wie vor 50 Jahren bei der Premiere bei den Bayreuther Festspielen. Regie des Remakes hat die Urenkelin des Komponisten Katharina Wagner. Mit Solisten aus Tschechien sowie aus dem Ausland studierte der deutsche Dirigent Constantin Trinks die Oper ein. Kurz vor der Premiere sprach der Dirigent auf einer Pressekonferenz über seine Arbeit am Prager Nationaltheater.

Generalprobe Lohengrin (Foto: ČTK)Generalprobe Lohengrin (Foto: ČTK) Richard Wagner habe in seinem Leben eine große Rolle gespielt, erklärte Constantin Trinks. Eigentlich sei der Komponist daran schuld, dass er Dirigent geworden sei:

„Denn mit elf Jahren kam ich mit Wagners Musik in Berührung, und insbesondere die Musik von Lohengrin hat in mir die Initialzündung ausgelöst. Seitdem beschäftigt mich Wagner, erstmals natürlich als Zuhörer. Als Kind habe schon das eine oder andere versucht, am Klavier zu spielen. Das Werk hat mich fasziniert, ich habe mich damit Jahrzehnte lang beschäftigt. Ich bin sehr froh, dass Wagner zusammen mit Mozart und Strauss ein Zentrum in meiner Arbeit darstellt.“

Constantin Trinks konzentriert sich nicht ausschließlich auf Wagner oder Mozart, sondern hat auch Erfahrungen mit Werken von tschechischen Komponisten. 2012 feierte er Erfolge mit einer tschechischen Oper, die hierzulande heute kaum mehr gespielt wird: Jaromír Weinbergers „Švanda dudák“ (Schwanda, der Dudelsackpfeifer):

Constantin Trinks (Foto: Martina Schneibergová)Constantin Trinks (Foto: Martina Schneibergová) „Ich habe mit großer Freude Jaromír Weinbergers ,Švanda dudák‘ in Dresden dirigiert. Es gibt eine, wie ich finde, sehr gelungene CD-Aufnahme davon. Das Stück hat mich begeistert, und es wundert mich, dass es in Prag lange nicht mehr aufgeführt wurde. Natürlich habe ich auch schon Smetanas ,Verkaufte Braut‘ und Janáčeks ,Das schlaue Füchslein‘ dirigiert. Ich würde gern viel mehr slawisches Repertoire dirigieren, weil ich eine starke Affinität zu Janáček habe. Aber ich warte damit noch ein bisschen, denn heute bin ich sozusagen ein Dirigent fürs deutsche Repertoire. So sieht man mich jedenfalls. Ich beschwere mich darüber nicht, aber manchmal denke ich daran, mich mehr mit slawischen Werken zu beschäftigen.“

Die rekonstruierte Lohengrin-Inszenierung hat Constantin Trinks mit international anerkannten Solisten einstudiert, mit den Chören des Nationaltheaters und der Prager Staatsoper sowie dem Orchester des Nationaltheaters ein. Diese Zusammenarbeit lobt der Dirigent:

„Mir macht die Arbeit hier großen Spaß. Sie war sehr intensiv. Wir haben sehr viele Proben gehabt, weil wir zwei Sängerbesetzungen haben. Es ist tatsächlich zu spüren, dass Wagner hier im Repertoire nicht so verwurzelt ist. Deswegen habe ich an gewissen grundsätzlichen Dingen gearbeitet, die auch gewisse Zeit gebraucht haben. Es handelt sich um einen bestimmten Stil, den man ,Wagner-Stil‘ nennen kann. Worüber ich sehr glücklich bin: dass sowohl der Chor als auch das Orchester von sich aus einen sehr schönen Klang haben, der sehr gut zum deutschen romantischen Repertoire passt. Ich versuche, diesen Stil zu übermitteln, binnen ein paar Wochen ist das jedoch sehr schwierig. Aber ich bin mir sicher, dass sich der Stil weiterentwickeln wird. Das Publikum denkt meist, die Premiere müsste die beste Aufführung sein. Dies ist aber nie der Fall, auch nicht in Bayreuth. Meist sind die letzten Aufführungen die besten. So ist es überall auf der Welt. Die Premiere wird sicher sehr gut sein, aber nicht die beste Vorstellung, die wir hier erleben werden. Es lohnt sich, mehrmals die Oper zu sehen.“

Generalprobe Lohengrin (Foto: ČTK)Generalprobe Lohengrin (Foto: ČTK) Die Premiere der rekonstruierten Bayreuther Inszenierung von Richard Wagners Lohengrin von 1967 findet jetzt am Donnerstag, 8. Juni, im Prager Nationaltheater statt. Weitere Vorstellungen gibt es am 10., 14. und 17. Juni. In der neuen Saison wird Lohengrin noch am 2., 10. und 23. September sowie im kommenden Jahr am 9. und 18. Februar und am 11. März aufgeführt.