Tagesecho Aufstiegshilfe mit historischem Herz: Standseilbahn auf Prager Petřín wird 120
Vor einer Woche gab es bei den Prager Verkehrsbetrieben bereits Grund zu feiern: Die elektrische Straßenbahn wurde 120 Jahre alt. An diesem Montag begeht dasselbe Jubiläum auch die Standseilbahn auf den Laurenziberg, also auf den Petřín. Am 25. Juli 1891 wurde sie in Betrieb genommen. Allerdings fuhr sie nicht durchgehend, zweimal musste der Betrieb für viele Jahre eingestellt werden.
Die Türen zu, und schon gleitet man hoch auf den Laurenziberg. Es sind nur
130 Höhenmeter, die überwunden werden. Aber die Aufstiegshilfe auf den
Aussichtsberg von Prag ist bei Einheimischen genauso beliebt wie bei
Touristen:
„Ich lasse mich im Winter gerne nach oben bringen und fahre dann den Berg mit dem Schlitten wieder hinunter“, sagt ein junger Mann.
Früher nutzten viele Prager die Seilbahn auch anstatt anderer Verkehrsmittel, um in die Stadtteile Břevnov oder Strahov zu kommen. Dabei dachte man ursprünglich vor allem an Ausflügler. Denn der Bau der Standseilbahn hängt zusammen mit der Entstehung des bekanntesten Bauwerks auf dem Laurenziberg:
„Ausgangspunkt war der tschechische Tourismus-Verein, der im Jahr 1889
eine Reise nach Paris unternahm und fasziniert war vom dortigen neuen
Eiffel-Turm. Die Vorstellung war, etwas Ähnliches in Prag zu schaffen. Der
Petřín wurde gewählt, weil es hier vielleicht den schönsten Ausblick
auf Prag und den Hradschin gibt. Als dann im Jahr 1891 die
Landesjubiläumsausstellung in Prag stattfand, war die ideale Zeit gekommen
zum Bau sowohl des Turms als auch der Seilbahn“, so Pavel Fojtík, Leiter
des Archivs der Prager Verkehrsbetriebe.
Zum kleinen Eiffelturm in Prag gelangte man allerdings nicht mithilfe elektrischer Energie. Die erste Standseilbahn funktionierte mit Wasserkraft. Beide Wagen hatten einen Wasserbehälter, der in der Bergstation aufgefüllt wurde. Mit diesem Zusatzgewicht fuhr der eine Wagen bergab und zog am Seil den anderen Wagen mit leerem Wasserbehälter nach oben. In der Talstation wurde das Wasser abgelassen. Diese Betriebsart auf der Basis einfacher physikalischer Gesetze hatte jedoch einen Nachteil. Pavel Fojtík:
„Der Wasserbetrieb war vor allem im Winter problematisch, da das Wasser teilweise gefror.“
Aber nicht nur bei klirrendem Frost, sondern auch im Sommer stand die Bahn
manchmal still – wegen Wassermangels. Nach dem Ersten Weltkrieg galt die
Technik aber als überholt und der Betrieb wurde nicht mehr aufgenommen.
Erst 1931 beschlossen die Prager Stadtväter einen grundlegenden Umbau. Die
Bahn wurde unter Leitung der heutigen Verkehrsbetriebe elektrifiziert und
die Trasse verlängert. Hintergrund war das große Treffen des
tschechischen Turnverbandes Sokol, für den unter anderem das riesige
Stadion auf dem Strahov gebaut wurde. Die Wiedereröffnung feierte man im
Juni 1932, nun lag die Bergstation nicht beim Restaurant Nebozízek,
sondern über der Hungermauer auf der Höhe des Aussichtsturms.
Ein Vierteljahrhundert lang funktionierte die Standseilbahn danach ohne
Probleme, bis es zur Erosion des Bodens am Laurenziberg kam. 1965 musste
der Betrieb eingestellt werden, später rutschte sogar ein Teil des Hanges
ab. Erst 1985 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, und das mit neuen
Wagen. Doch das Herz der Bahn blieb historisch: Angetrieben wird sie
weiterhin von einem Elektromotor der Firma ČKD aus dem Jahr 1932, eifrig
gewartet von Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe wie dem Maschinisten Luboš
Fialek:
„Wenn wir morgens auf Arbeit kommen, dann müssen wir als Erstes den Maschinenraum sowie die Wagen kontrollieren und eine Probefahrt machen.“
Die Standseilbahn auf den Laurenziberg nutzen im Übrigen jedes Jahr 1,8 Millionen Gäste.






