Tagesecho Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – 2011 kommt das Zentralabitur
Es ist beschlossene Sache: Das Zentralabitur wartet schon auf den kommenden Jahrgang von Abiturienten. Im Herbst soll noch eine Generalprobe durchgeführt werden, 2011 wird es ernst. Damit geht eine 15 Jahre andauernde Phase von Vorbereitungen, Verschiebungen und Protesten zu Ende.
20 von einem Lehrer vorbereitete Fragen in einem Säckchen, eine davon
herausfischen, 15 Minuten vorbereiten und sich dann der mündlichen
Prüfung unterziehen – so sah bisher ein Teil des tschechischen Abiturs
aus. Schon in diesem Schuljahr soll es abgeschafft und durch ein
Zentralabitur ersetzt werden: Einheitliche Aufgaben und einheitlicher
Termin republikweit. So hat es die Mitte-Rechts-Koalition am Mittwoch nach
jahrelangem Tauziehen beschlossen.
Petr Nečas (Foto: ČTK)
„Das Zentralabitur ist notwendig, um die Qualität unserer Schulen
aufrecht zu erhalten und einen einheitlichen Vergleichsmaßstab für die
Leistungen zu haben“, sagte Premier Nečas etwas zögerlich auf der
Pressekonferenz.
Seine ODS-Parteikollegen haben sich bei der Abstimmung in der Regierung enthalten. Top 09 und die Partei der Öffentlichen Angelegenheiten brachten die Stimmen für das Zentralabitur 2011 aber allein zusammen.
Über 100.000 Schüler werden im kommenden Schuljahr das Zentralabitur absolvieren müssen, zunächst jedoch nur in zwei Fächern: in Tschechisch und je nach Wahl in einer Fremdsprache oder in Mathematik. Im Profilteil folgen zwei bis drei Prüfungen, welche die Schule in Eigenregie vorbereitet. Ab 2012 wird die Prüfung in einer Fremdsprache auch zur Pflicht, die Wahl für das dritte Prüfungsfach hat der Schüler dann zwischen Mathematik, Informatik und einem gesellschaftswissenschaftlichen Fach.
Gut 15 Jahre hat die Vorbreitung des Zentralabiturs gedauert. Nach dem
Gesetz hätte es schon 2008 eingeführt werden sollen. Das Abgeordnetenhaus
und Zigtausende von demonstrierenden Schülern hatten immer wieder einen
Strich durch die Zeitrechnung gemacht. Auch Lehrer kritisierten, es gebe zu
viele offene Fragen um die neue Prüfungsform; viele sahen sich nicht
ausreichend vorbereitet. Nach Ansicht von Karel Lippmann, Lehrer am
Bischöflichen Gymnasium in Budweis, vernachlässigt das neue Abitur mit
seinen Multiple-Choice-Fragen wichtige Lernformen:
„Das größte Manko ist, dass die Testmethode auf das gesamte Abitur angewendet wird. Damit werden die Möglichkeiten eingeschränkt, mit den Schülern das Argumentieren und den Dialog zu üben.“
Weitere Schülerproteste sind nach diesem Regierungsbeschluss sicher zu erwarten. Jiří Kuhn von der Vereinigung der Gymnasialleiter ist aber, was die Vorbereitung der Schüler betrifft, optimistisch:
Josef Dobeš (Foto: ČTK)
„Wir fangen tatsächlich erst jetzt im September an, die Schüler auf
das neue Abitur vorzubereiten. Wir sind aber sicher, dass das vollkommen
ausreicht.“
In vier Jahren soll dann auch der logistische Aufwand für das Zentralabitur verringert werden, kündigte Bildungsminister Josef Dobeš an: „Im Jahr 2014 muss dann das Zentralabitur in elektronischer Form durchgeführt werden.“








