Tagesecho „Audabiac“ hilft seit zehn Jahren Kindern ohne Familie
Audabiac ist sowohl der Name eines Dorfes in der Provence, als auch der eines Bürgervereins in Tschechien. Dieser widmet sich seit zehn Jahren der Arbeit mit Heimkindern. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Kunst.
Foto: Archiv des Vereins Audabiac
Der Verein Audabiac organisiert Aktivitäten für Kinder ohne Familie, und
zwar vor allem Sommerlager mit verschiedenen Kunstworkshops. Heutzutage
fahren die Kinder dazu ins Isergebirge. Die ersten Aufenthalte fanden aber
eben im südfranzösischen Dorf Audabiac statt, das Pate für den Namen
des
Vereins wurde. Alles begann nach den katastrophalen Überschwemmungen in
Tschechien im Jahr 1997, erzählt der Vereinsgründer Jiří Wald. Er
hatte
damals Lufttrockner für überflutete Kinderheime gespendet, und somit den
ersten Kontakt geknüpft. Fünf Jahre später fuhren die ersten Kinder in
die Provence.
Foto: Archiv des Vereins Audabiac
„Bei der Übergabe der Trockner an die Heime haben wir mit den
Kindern
gesprochen und festgestellt, dass ihr Problem nicht in der materiellen
Ausstattung der Unterkünfte liegt. Die war auf einem hohen Niveau. Wir
haben uns gefragt, was den Kindern eigentlich fehlt, warum sie so große
Probleme haben, nachdem sie im Alter von 18 Jahren das Heim verlassen. Und
wir haben festgestellt, dass die Erziehung in einer kollektiven Anstalt
schuld daran ist. Ich bin überzeugt, dass unsere Bemühung, bei diesen
Kindern Kreativität, also kreative Phantasie zu entwickeln, einer der
Wege
ist, die Kinder vor den Fallen des Erwachsenenlebens zu schützen, mit
denen sie während ihrer Jugend im Heim nicht in Kontakt kommen
können.“
Aneta Marková
Aneta Marková, die Leiterin des Projekts, beschreibt das Prinzip näher.
Ihr zufolge fehle es den Kindern in Heimen vor allem an
Wahlmöglichkeiten,
an Möglichkeiten, selbst etwas zu entscheiden:
„Es gibt Künstler und freiwillige Mitarbeiter, die sich an der Entwicklung der Kreativität und der Freiheit der Kinder beteiligen. Sie bieten Workshops an, und die Kinder können sich selbst entscheiden, wo sie sich einschreiben – sei es Schmiedekunst, bildende Kunst, Musik oder anderes. Diese Möglichkeit, sich selbst zu entscheiden, erleichtert es ihnen auch in Situationen, die ihr Leben beeinflussen, eine gute Wahl zu treffen.“
Petr Nikl
Mit dem Verein Audabiac arbeitet auch der Maler und multimediale Künstler
Petr Nikl zusammen. Er erzählt von seiner Arbeit mit den Kindern in der
Provence:
„Es war ein fantastisches Erlebnis. Die Arbeit in einem unglaublich inspirierenden Milieu, in dem die absolute Stille herrscht und das von der Zivilisation abgeschnitten ist. Das Dorf Audabiac ist ganz aus Stein gebaut und die Aufenthalte fanden in der dortigen Festung statt. Ich habe Marionetten dorthin mitgebracht und wir haben Theater gespielt. Und auf einem Feld bei Audabiac habe ich ein sonderbares Musikinstrument, ein präpariertes Klavier installiert, das ich Flip nenne. Es war ein tolles Erlebnis, seinen Klang mit dem Klingeln der Kuhglocken, dem Kreischen der Zikaden und dem Schreien der Raubvögel in der Nacht zu verbinden.“
Ausstellung „Durch die Kunst zur Freiheit“ (Foto: Archiv des Vereins Audabiac)
Und wie war die Reaktion der Kinder?
„Spontan, wie immer. Es war eher so, dass ich auf ihre Reaktionen reagiert habe.“
Noch bis Ende Mai dokumentiert die Ausstellung „Durch die Kunst zur Freiheit“ im Haus zur steinernen Glocke auf dem Altstädter Ring in Prag die zehnjährige Geschichte des Vereins Audabiac und zeigt Kunstwerke und Erzeugnisse der Kinder. Eben jene Kinder haben sich auch als Kuratoren an der Vorbereitung beteiligt und selbst das Konzept der Ausstellung entworfen.







