Arzt aus Tschechien leitet Forschung zu Multiple-Sklerose-Medikament

Multiple Sklerose ist eine Nervenkrankheit, die vor allem junge Erwachsene trifft. Heilung gibt es bisher keine. Doch ein Team von Ärzten aus mehreren Ländern, darunter auch Tschechien, soll nun bei der Behandlung der Symptome einen Durchbruch erzielt haben. Darüber haben mehrere Medien hierzulande berichtet.

Illustrationsfoto: U.S. Navy, Public DomainIllustrationsfoto: U.S. Navy, Public Domain Es geht um das Medikament Alemtuzumab. Bisher wurde es als eines der Präparate eingesetzt, um Leukämie zu behandeln. Doch ein Team um den tschechisch-slowakischen Neurologen Tomáš Kalinčík hat herausgefunden, dass Alemtuzumab auch bei Patienten sehr wirksam ist, die an einer hochaktiven, schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose leiden. Die Mediziner haben das neue Präparat mit dem bisher meist verwendeten Medikament Natalizumab verglichen.

„Für die Patienten mit hochaktiver, schubförmig remittierender Multipler Sklerose ist wichtig, dass es nun mehrere Möglichkeiten gibt, wenn leichtere Medikamente versagt haben. Das heißt, neben Natalizumab lässt sich eben auch Alemtuzumab einsetzen“, so Tomáš Kalinčík.

Die Erkenntnisse haben Kalinčík und seine Mitstreiter nun in der renommierten Fachzeitschrift „Lancet Neurology“ veröffentlicht. Tomáš Kalinčík hat die Forschungen von Melbourne aus geleitet, er ist wechselweise in Australien und am Universitätsklinikum im Prager Stadtteil Vinohrady tätig.

Und auch in der tschechischen Hauptstadt ist die Wirkung des Medikaments geprüft worden. Eva Havrdová leitet das MS-Zentrum an der Prager Uniklinik:

„Das Medikament haben wir in den klinischen Studien getestet, die zu seiner Zulassung geführt haben. Die Zulassung erfolgte 2013. Die Tests haben gezeigt, dass das Mittel nach nur wenigen Infusionen etwa 70 Prozent der Patienten für mehrere Jahre helfen kann.“

Eva Havrdová (Foto: Tschechisches Fernsehen)Eva Havrdová (Foto: Tschechisches Fernsehen) Bei den bisherigen, älteren vergleichbaren Medikamenten liegt die Erfolgsquote nur bei rund 50 Prozent. Allerdings müssten Patienten bei dem Einsatz von Alemtuzumab – wie bei vergleichbaren Produkten – mit teils starken Nebenwirkungen rechnen, gesteht Doktor Havrdová.

In Tschechien leiden rund 17.000 Menschen unter Multipler Sklerose. Für sie ist eine Behandlung mit Alemtuzumab nur dann möglich, wenn ältere Präparate nicht angeschlagen haben. Denn das neue Medikament ist sehr teuer, insgesamt 1,5 Millionen Kronen (55.000 Euro) kostet die Therapie. Und die Ärzte in Tschechien hätten nicht dieselben Entscheidungsbefugnisse wie ihre Kollegen in westlichen Staaten, beklagt Eva Havrdová:

„Im westlichen Ausland kann der Arzt selbst entscheiden, welche Medikamente für einen Patienten geeignet sind. Bei uns stehen dem die Erstattungsvorschriften der Krankenkassen entgegen.“

Doch es bestehen auch Bedenken gegen Alemtuzumab. So haben Ärzte aus Bochum im Januar ihre Erkenntnisse ebenfalls in der Fachzeitschrift „Lancet Neurology“ veröffentlicht. Demnach haben sie nach dem Einsatz des Präparats bei zwei Patienten beobachtet, dass sich die Symptome verschlimmert hätten.