Tagesecho Artur Becker: deutscher Roman-Autor aus Polen liest in Prag

16-01-2009 15:52 | Katja Holubek

„Wodka und Messer. Lied vom Ertrinken“. So lautet der Titel des neuen Buches von Artur Becker, das der Autor am vergangenen Montag im Prager Goethe-Institut vorgestellt hat. Es geht um Vergangenheitsbewältigung, Liebe und nicht zuletzt um polnische Geschichte. Für diesen Roman wird Becker im März von der Robert-Bosch-Stiftung in Deutschland ausgezeichnet.

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Artur Becker (Foto: www.arturbecker.de)Artur Becker (Foto: www.arturbecker.de) Artur Becker ist gebürtiger Pole, lebt seit 23 Jahren in Deutschland und schreibt seine Romane auf Deutsch. Im Rahmen der Aktion „West-Östlicher Divan“ wurde er nach Prag eingeladen. Was es mit dem Divan auf sich hat, erklärt Eva Vondalová, die Leiterin der Bibliothek des Goethe-Instituts:

„Der West-Östliche Divan ist eine Lesungsreihe, die seit 2002 stattfindet. Hauptsächlich lesen deutsche Autoren, aber wir laden auch Schweizer Autoren ein. Das Konzept ist so angelegt, dass wir Schriftsteller ansprechen, die ein neues Buch geschrieben haben, das auch stets ein aktuelles Thema behandelt. So versuchen wir, immer viele verschiedene Autoren und Themen vorzustellen.“

Im Prager Goethe-Institut las der charismatische Schriftsteller Becker aus seinem neusten Werk. „Wodka und Messer. Lied vom Ertrinken“ ist die Geschichte von Kuba Dernicki, der vor dem kommunistischen Regime nach Deutschland flieht und Jahrzehnte später in seinen polnischen Geburtsort zurückkehrt. In der Hoteldirektorin Justyna Star meint er seine verstorbene Jugendliebe Marta wiederzuerkennen. Als er sich in Justyna verliebt, gerät das gesamte Dorf mit all seinen eigenwilligen Bewohnern in Aufruhr. Nach der Lesung stellte sich Becker den Fragen des Publikums. Eine Besucherin, die das Buch schon besaß und zum Signieren mitgebracht hatte, schilderte mir ihre Eindrücke:

„Ich habe das Buch fast vollständig gelesen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes sehr merkwürdig, also bemerkenswert. Etwas befremdlich ist, dass es zum Schluss noch sehr viele Tote gibt. Mir persönlich sind das ein bisschen zu viele. Aber der Autor hat mich sehr beeindruckt und jetzt werde ich das Buch unter einem anderen Blickwinkel lesen.“

Der Adelbert-von-Chamisso-Preis, den Becker in zwei Monaten erhält, wird an deutschsprachige Autoren vergeben, die eine andere Muttersprache oder kulturelle Herkunft haben. Becker selbst beschreibt die internationale Begegnung eines Polen, der auf Deutsch schreibt, mit seinen tschechischen Fans wie folgt:

„Ich weiß, dass ich als Autor eine bestimmte Politik machen müsste, in dem Sinne, dass ich Deutschland und die deutsche Sprache mehr oder weniger vorstelle, darstelle und auch vertrete. Das kann ich aber leider nicht, weil ich diese Lesungen immer nur als meine Lesungen, als die Auftritte eines Schriftstellers betrachte. Insofern sind die Reaktionen des Publikums relativ ähnlich; das heißt, die Menschen hier lachen an den Stellen, wo normalerweise auch die anderen lachen, und das ist natürlich sehr schön.“

Becker beschränkt sich bislang darauf, auf Polnisch lediglich Gedichte zu verfassen. Die Begeisterung für seine Muttersprache und sein Mutterland hat er aber längst nicht verloren. Das zeigte sich auch dann, als man ihn nach seiner Meinung zu Prag befragte:

„Wir wissen doch, dass Prag eine wunderschöne Stadt ist, das muss man niemandem mehr sagen. Da ich in Polen aufgewachsen bin, erinnert mich Prag sehr an Krakau und andere polnische Städte. Das finde ich angenehm, weil es für mich auch ein Stück Kindheit ist.“

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