Tagesecho Archäologen nicht enttäuscht: Jüdische Grabmäler bei Národní třída gefunden

28-08-2009 16:56 | Martina Schneibergová

Im Stadtzentrum von Prag gibt es nur wenige unbebaute Flächen: Eine davon ist der freie Platz, den es immer noch in der Straße Spálená bei der U-Bahn-Station „Národní třída“ gibt. Doch auch sind bereits die Bagger aufgefahren. Zunächst gehört die Baustelle jedoch den Archäologen. Vor wenigen Wochen haben Sie mit ihren Ausgrabungen begonnen. Und die bisherigen Funde haben die Experten nicht enttäuscht.

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Foto: ČTKFoto: ČTK Es seien die wichtigsten archäologischen Forschungen der letzten Jahre im historischen Stadtkern von Prag, sagen die Experten vom tschechischen Denkmalschutzamt. 60 Wissenschafter arbeiten vor Ort. Im 12. Jahrhundert führte hier ein Weg, der die Prager Burg mit dem Vyšehrad verband. Im 14. Jahrhundert wurde das Gebiet Bestandteil der von Karl IV. gegründeten Prager Neustadt. Bislang habe man beispielsweise mittelalterliche Keramik, mittelalterliche Kellerräume sowie Sandsteinsockel für Barockplastiken gefunden, sagt Tomasz Cymbalak vom Prager Denkmalschutzamt.

„Zu den wertvollsten Funden gehören zweifelsohne Fragmente von Grabmälern vom verschwundenen jüdischen Friedhof.“

Der jüdische Friedhof soll südlich von dem erforschten Ort gelegen haben. Die Grabmäler seien im Mauerwerk der später erbauten Häuser gefunden worden, sagt der Archäologe. Seinen Worten zufolge gibt es nun Beweise dafür, dass das Gebiet an der Grenze zwischen der Prager Altstadt und Neustadt bereits im 12. Jahrhundert besiedelt war.

Foto: ČTKFoto: ČTK „Neben verschiedenen Bruchstücken von Architektur haben wir inzwischen Tausende von Fragmenten von Keramik, Tierknochen, Glas sowie Buntmetall gefunden. Unter den Funden sind beispielsweise Spinnwirbel, mittelalterlicher Schmuck und sehr viele Münzen.“

Die jetzige Fundstätte wurde in den 1970er und 80er Jahren bei der Errichtung der Metro sowie beim Bau des damaligen Kaufhauses „Máj“ stark beschädigt. Dem U-Bahn-Bau ist damals auch das Haus mit der legendären Prager Weinstube „U Ježíška“ (zu Deutsch „Zum Jesulein“) zu Opfer gefallen, die ein beliebter Treffpunkt der Prager Literaten war.

Die Archäologen werden bis zum Ende dieses Jahres vor Ort arbeiten. Dann soll dort das multifunktionelle „Copa-Zentrum“ mit Geschäften, Büros und Wohnungen entstehen. Die U-Bahn-Station „Národní třída“ wird während der Bauarbeiten monatelang gesperrt sein.

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