Arbeit ohne Lohn – Ausbeutung hunderter Ausländer im tschechischen Staatswald

Der Frühling hat begonnen. In den Staatswäldern ist es wieder Zeit, Bäume zu pflanzen. Und es ist wieder Zeit, Arbeitskräfte zu rekrutieren, die diese Aufgabe möglichst kostengünstig erledigen. Am meisten Geld sparen die Waldbewirtschafter, wenn sie den Arbeitern überhaupt nichts zahlen. Aber das ist ja nicht möglich, denken Sie, erst recht nicht in den staatlichen Forsten. Lassen Sei sich eines Besseren belehren.

Foto: ČT24Foto: ČT24 „Für den ersten Monat habe ich ein bisschen Geld bekommen, dann haben sie mir bis zu 15.000 Kronen pro Monat versprochen. Aber die habe ich nie bekommen.“

Nghia ist 41 Jahre alt. Seinen echten Namen will er lieber nicht sagen. Nghia kam vor Zwei Jahren aus Vietnam nach Tschechien. Er wollte Geld verdienen, erhoffte sich ein besseres Leben. Nach zwei Monaten stieß er in Prag auf ein Inserat: Arbeit in den tschechischen Staatsforsten wurde darin angeboten.

„Alle Informationen bekam ich von einem Dolmetscher, aber was genau ich machen werde und wie viel ich verdienen werde, wusste ich vorher nicht.“

Nghia hatte keine Alternativen und unterschrieb einen Vertrag, dessen Inhalt er nicht kannte. Von März bis Juni pflanzte er Bäume in den staatlichen Wäldern, von morgens um sieben bis es abends dunkel wurde. Angestellt war er aber nicht direkt bei Lesy ČR, dem Staatsbetrieb, der für die Bewirtschaftung der tschechischen Waldgebiete zuständig ist. Denn der Staatsbetrieb hat die Bewirtschaftung teilweise ausgelagert. Zum Beispiel an die Gesellschaft Less a Forest. Diese wiederum kooperiert mit Unterfirmen wie Affumicata, von der auch Nghia angeworben aber nie bezahlt wurde. Und damit ist er nicht der Einzige.

„Es handelt sich um einige hundert Ausländer, die während der Wirtschaftskrise von tschechischen Firmen ausgenutzt wurden, weil sie es sich nicht leisten konnten, ein Arbeitsangebot abzulehnen“, so Do Duy Hoang von der Initiative „Za práva migrantů“. In der Initiative kämpfen Ehrenamtliche für die Rechte der Opfer, die vor allem aus Vietnam, Rumänien, der Slowakei und der Mongolei stammen. Zum Frühlingsanfang, da die neue Saison beginnt und wieder Arbeiter gebraucht werden, haben sie die „Woche der Waldarbeiter“ ausgerufen. So sollen Öffentlichkeit und Politik auf das Thema aufmerksam gemacht und potentielle Opfer gewarnt werden. Was eine Kompensation für die Betrogenen angeht, die in den letzten beiden Jahren ausgebeutet wurden, ist Hoang pessimistisch:

Zbyněk Boublík (Foto: ČT24)Zbyněk Boublík (Foto: ČT24) „Ich persönlich glaube nicht, dass die Drahtzieher belangt werden können. Aber ich glaube daran, dass wir etwas bewegen können, damit das nicht noch einmal passiert.“

Zwar habe sich die Initiative an verschiedene Behörden gewandt, so Hoang. Nirgends aber fühle man sich für den Fall zuständig. Auch der Staatsbetrieb Lesy ČR weist jedwede Verantwortung von sich.

„Das Gesetz über die Vergabe von Aufträgen ermöglicht es nicht, uns in die Personalangelegenheiten unserer Vertragspartner einzumischen“, erklärte der Sprecher von Lesy ČR, Zbyněk Boublík, schriftlich gegenüber Radio Prag. Die Vertragspartner seien in einer ordnungsgemäßen Ausschreibung ausgewählt worden, so Boublík weiter. Solange sie sich an die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Lesy ČR hielten, könne der Staatsbetrieb die Zusammenarbeit nicht aufkündigen. Auch habe Lesy ČR keine Möglichkeit, solche Praktiken in Zukunft zu verhindern. Nghia hat seine Konsequenzen gezogen: Auch in dieser Saison will er wieder im Wald arbeiten. Aber diesmal nicht in den Staatsforsten, sondern bei einem Freund. Da weiß er, dass er nicht betrogen wird.