Tagesecho Apotheker und private Ärzte rufen Warnstreik aus
In den vergangenen Tagen und Wochen hat esn wieder vermehrt Unmutsäußerungen aus den Reihen tschechischer Ärzte gegeben. Für den 6. Oktober wurde jetzt ein Warnstreik ausgerufen, um die anhaltende Finanzierungskrise im Gesundheitswesen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.
Foto: CTK
In keinem anderen Ressort hat es in den vergangenen zwei Jahren so häufig
Ministerwechsel gegeben wie im Gesundheitsressort, allein im vergangenen
Jahr versuchten drei verschiedene Minister und Ministerinnen, die
zunehmende Verschuldung zu stoppen. Ein Grund für die hohen Schulden ist
die extrem niedrige Selbstbeteiligung der Patienten, die in Tschechien bei
9% liegt - und damit weit unter dem EU-Durchschnitt von 25%. Als
Leidtragende dieser Situation sehen sich private Ärzte und Apotheker, die
von den Krankenkassen mit immer größerer Verzögerung bezahlt werden. Für
den 6. Oktober haben sie jetzt einen Warnstreik ausgerufen, ohne dabei
allerdings die Patienten zu gefährden; notwendige Behandlungen werden von
den Ärzten in den staatlichen Krankenhäusern vorgenommen.
Einen anderen Ausweg als Streiks sehe man nicht mehr, so der
Vizevorsitzende der Vereinigung privater Ärzte, Jan Jelinek:
"Wir mussten zu dieser extremen Maßnahme greifen, weil wir seit Jahren auf Fehler bei der Finanzierung des Gesundheitswesens hingewiesen haben und niemand hat sich dafür interessiert. Der Regierung liegen seit langem Analysen vor, die genau den Zustand voraussagen, der jetzt eingetreten ist. Wir sind in die Enge getrieben, denn wir müssen uns für den Betrieb unser Praxen verschulden und wissen, dass diese Verschuldung immer höher wird. Und natürlich gehen unsere Reserven zu Ende."
In einer ähnlichen Situation sehen sich die Apotheker. Auch ihnen zahlen
die Krankenversicherungen mit immer größerer Verzögerung. Lubomir Chudoba,
Präsident der Tschechischen Apothekerkammer:
"Wir sind gegenwärtig mit 4 Milliarden Kronen, etwa 133 Millionen Euro verschuldet und bereit, uns den Protesten der privaten Ärzte anzuschließen. Ich persönlich erwarte, dass endlich jemand beginnt, sich ernsthaft mit dem Problem auseinanderzusetzen."
Mit dem Protest wollen die Ärzte und Apotheker die Abberufung von Gesundheitsministerin Milada Emmerova erreichen, die mit ihrer Politik nach Meinung der Ärzte verantwortlich für die entstandenen Probleme zeichnet. Die oppositionelle Demokratische Bürgerpartei (ODS) unterstützt die Forderungen. Ministerpräsident Jiri Paroubek sagte, er sei bereit mit den Ärzten über Problemen, nicht jedoch über personelle Fragen in seinem Ministerium zu sprechen. Die Ärzte hoffen, dass sie der Ministerpräsident noch vor den geplanten Warnstreiks zu Verhandlungen einlädt.







