Tagesecho Anthropologen untersuchen brisanten Knochenfund aus Dobronín: bisher mehr Fragen als Antworten

25-08-2010 15:13 | Till Janzer, Vilém Faltýnek

Seit gut zehn Tagen berichten die Medien in ganz Tschechien darüber, auch wir bei Radio Prag hatten es in unseren Sendungen: die Nachforschungen der tschechischen Polizei am mutmaßlichen Grab deutscher Zivilisten in der Nähe von Dobronín / Dobrenz. Es könnte sich um die Opfer eines Massakers handeln, das Revolutionsgarden unmittelbar nach dem Krieg unter inhaftierten Deutschen angerichtet haben sollen. In der vergangenen Woche hoben Archäologen das Grab aus. Die Gebeine und weitere Fundstücke sollen nun Klarheit bringen, ob es sich um die Opfer des Massakers handelt. Mit den Forschungen dazu beschäftigen sich Anthropologen aus Brno / Brünn.

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Foto: ČTKFoto: ČTK Es sollen 11 bis 15 Deutsche gewesen sein, die in Dobronín, nördlich der Stadt Jihlava / Iglau, im Mai 1945 umgebracht wurden. Betrunkene Revolutionsgardisten hätten inhaftierte deutsche Männer, die aus den umliegenden Dörfern stammten, auf ein Feld geführt. Dort seien die Männer gezwungen worden, ihre Gräber selbst auszuheben. Dann sollen die Gardisten mit Spaten, Schaufeln und Hacken brutal gemordet haben. So lautet kurz gefasst die Version, die sich aus der Befragung von Angehörigen der Opfer ergeben hat.

In der vergangenen Woche wurden am vermeintlichen Ort des Massakers die Überreste von Menschen gefunden. Anthropologen der Brünner Masaryk-Universität untersuchen die Fundstücke derzeit. Petra Urbanová gehört zum Anthropologen-Team. Gegenüber Radio Prag sagte sie:

Petra UrbanováPetra Urbanová „Es wurden Knochenreste von mindestens sechs Menschen gefunden, das ist eine vorläufige Schätzung. Die genaue Zahl wird erst nach Abschluss der anthropologischen Untersuchung feststehen. Zudem wurden persönliche Gegenstände der dort Vergrabenen gefunden, das heißt Kleidungsreste, eine Mütze, ein Kamm, ein Spiegel, eine Zahnprothese und ähnliche Sachen.“

Insgesamt handelt es sich um 100 Knochenstücke, die die Archäologen bei ihren Grabungen sichergestellt haben. Das Problem dabei: Am Ort des Massengrabs wurde Landwirtschaft betrieben. Deswegen sind die Knochenstücke durcheinandergeraten. Das heißt: Prinzipiell könnten auch mehr als sechs Tote an dem Ort vergraben worden sein. Theoretisch wären sogar 100 Tote denkbar- doch das sei unwahrscheinlich, so Urbanová.

Allerdings ist das nicht die einzige Unsicherheit, mit der die Anthropologen derzeit noch konfrontiert sind. Auch lassen sich bisher weder das Alter der Knochenstücke schätzen, noch die Todesursache der Menschen, von denen sie stammen:

„Insgesamt ist der Zustand des Fundes vergleichsweise schlecht. Zu sagen, welche Beschädigung der Knochen später entstanden sind und welche von einer Verletzung herrührt, ist daher verfrüht“, sagt Petra Urbanová.

Foto: ČTKFoto: ČTK Über die Todesumstände können also erst die Untersuchungen am Anthropologischen Institut in Brünn Auskunft geben. Letztlich soll die DNA der Knochenfunde mit der DNA der Hinterbliebenen verglichen werden. Erst dann kann geklärt werden, ob es sich bei den Toten um ermordete deutsche Zivilisten handelt. Insgesamt sollen die anthropologischen Untersuchungen noch ein bis zwei Monate dauern.

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