Tagesecho „Angriff auf Werte, die Tschechien teilt“ – Reaktionen auf die Attentate von Brüssel

23-03-2016 15:22 | Till Janzer

Die Anschläge von Brüssel haben auch die Menschen in Tschechien erschüttert. Nicht zuletzt war es eine Attacke auf Europas Hauptstadt – und das an viel frequentierten Orten, dem Flughafen und der U-Bahn-Station Maelbeek. Laut den neuesten Informationen wurden dabei 31 Menschen getötet und 260 verletzt. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat sich zu den Attacken bekannt. In Tschechien gilt allerdings nur eine leicht erhöhte Terrorwarnstufe.

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Foto: ČTKFoto: ČTK Die Anschläge trafen Brüssel am Dienstagmorgen. Am Flughafen Zaventem kam es den bisherigen Informationen nach gegen acht Uhr zu zwei Detonationen in einer Abflughalle. Lukáš Pachta arbeitet bei der tschechischen Europaparlamentarierin Michaela Šojdrová (Christdemokraten). Er zeigte sich am Dienstag erschüttert:

„Die Anschläge auf dem Flughafen am Dienstagmorgen waren praktisch zu jener Zeit, zu der die Europaabgeordneten normalerweis in Brüssel ankommen. Denn dann beginnen die Sitzungen in den Ausschüssen. Ganz offensichtlich haben es die Attentäter genau auf jene Leute abgesehen, die hierher zur Arbeit kommen.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Noch klarer wird dies beim Anschlag auf die U-Bahn-Station Maelbeek. Sie liegt in der Nähe vieler europäischer Behörden. Und gegen neun Uhr beginnt dort der Arbeitstag.

Tschechische Politiker haben die Terrorattentate verurteilt. Premier Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten):

„Der Angriff, zu dem es gekommen ist, war auf die Werte gerichtet, die auch die Tschechische Republik teilt. Und der Kampf gegen den Terrorismus ist unser gemeinsamer Kampf.“

Bohuslav Sobotka (Foto: ČTK)Bohuslav Sobotka (Foto: ČTK) Am Dienstagabend äußerte sich der Regierungschef auch im Fernsehen:

„Uns liegen momentan keine Informationen über einen möglichen Anschlag in der Tschechischen Republik vor. Deswegen haben wir die Terrorwarnstufe eins ausgerufen. Dies geschieht, wenn es zum Beispiel in einem anderen Land der Europäischen Union zu einem Attentat gekommen ist. Das heißt, es besteht zwar eine allgemeine Gefahr eines Terroranschlags, aber es gibt keine Informationen, die Tschechien direkt betreffen.“

Milan Chovanec (Foto: Archiv von Milan Chovanec)Milan Chovanec (Foto: Archiv von Milan Chovanec) Die Terrorwarnstufe eins wurde mittlerweile auch vom Regierungskabinett bei einer Sondersitzung bestätigt. Die Minister beschlossen zudem, dass die Armee in den nächsten Tagen beim Schutz öffentlicher Räume helfen soll. Am Mittwochmorgen wurden dafür 550 Soldaten abgestellt. Sie sollen zusammen mit den Polizisten auf Streife gehen. Innenminister Milan Chovanec (Sozialdemokraten) erläuterte bei einer Pressekonferenz die Einsatzorte:

„Das betrifft alle internationalen Flughäfen hierzulande, ausgewählte Bauten wie Botschaften und Konsulate bestimmter Länder, es betrifft die Metro und weitere Orte, an denen sich verstärkt Menschen aufhalten. Diese Maßnahmen lassen sich noch ausweiten. Wir sind zum Beispiel auch bereit zu verstärkten Kontrollen an den Grenzen zwischen uns und den benachbarten Schengen-Ländern.“

Martin Stropnický (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Martin Stropnický (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Laut Verteidigungsminister Martin Stropnický (Partei Ano) werden 350 der Soldaten in Prag eingesetzt, die restlichen in Brno / Brünn und Ostrava / Ostrau.

Außenminister Lubomír Zaorálek (Sozialdemokraten) rief die tschechischen Bürger dazu auf, alle Reisen nach Brüssel erst einmal zu verschieben, bis sich dort die Lage beruhigt habe. Und jenen, die in der belgischen Hauptstadt sind, empfahl er, den öffentlichen Raum möglichst zu meiden. Als die Bombe in der U-Bahn-Station Maelbeek hochging, saßen rund 20 tschechische Journalistik-Studenten in einem nahen Restaurant. Ihnen ist glücklicherweise nichts passiert.

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