Tagesecho Angela Merkel zu Stippvisite in Prag
Angela Merkel besuchte am Freitag zum ersten Mal als deutsche Bundeskanzlerin die Tschechische Republik. Am frühen Abend kam sie zu einem kurzen Gespräch mit Premier Mirek Topolanek zusammen, bevor sie sich mit Staatspräsident Vaclav Klaus zum Abendessen auf der Prager Burg traf. Bei den Gesprächen ging es insbesondere um den EU-Verfassungsvertrag.
Angela Merkel (Foto: CTK)
Nur ein paar Stunden dauerte der Besuch von Angela Merkel in Prag. Die
deutsche Bundeskanzlerin war vor allem in ihrer Funktion als derzeitige
EU-Ratspräsidentin gekommen und will die Diskussion um die europäische
Verfassung wieder in Gang bringen. Da sich Merkels Besuch in Prag aber mit
dem zehnjährigen Jubiläum der Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen
Erklärung überschnitt, durfte auf der gemeinsamen Pressekonferenz von
Merkel und Topolanek eine kurze Bestandsaufnahme der tschechisch-deutschen
Beziehungen nicht fehlen:
Angela Merkel mit Mirek Topolanek (Foto: Autor)
"Wir haben darüber gesprochen, dass die bilateralen Beziehungen
zwischen unseren Ländern gut sind. Das zeigt gerade auch die
wirtschaftliche Zusammenarbeit, und ich glaube, der zehnte Jahrestag des
deutsch-tschechischen Abkommens hat deutlich gemacht, dass wir zum
Beispiel mit der Arbeit des Zukunftsfonds sehr gut vorangekommen sind
zwischen unseren beiden Ländern", sagte Merkel.
Merkel wusste vor ihrer Ankunft in Prag, dass sich die Vorbehalte Tschechiens gegen den EU-Verfassungsvertrag nicht bei einem kurzen Besuch ausräumen lassen würden. Mirek Topolanek begrüßte den Mut der deutschen Ratspräsidentschaft, zwei Jahre nach dem ins Stocken geratenen EU-Verfassungsprozess die Diskussion zu erneuern. Dies sei notwendig fügte er hinzu und sagte zum Inhalt des bisherigen Verfassungsentwurfs:
"Wir meinen, dass das Dokument lesbarer, nachvollziehbarer und transparenter für alle Bürger in Europa werden sollte. Außerdem sollte es die Kompetenzen der Europäischen Union und der Nationalstaaten genau voneinander abgrenzen", so Topolanek.
Merkel und Topolanek waren sich aber darüber einig, dass die Verfassungsdiskussion in der EU andere wichtige Themen wie die Energieversorgung oder die soziale Sicherheit nicht verdrängen dürfe. Deshalb gab Merkel einen Ausblick auf das Programm des EU-Gipfels im März:
Angela Merkel mit Mirek Topolanek (Foto: Autor)
"Was die Europäische Union und die deutsche Ratspräsidentschaft
anbelangt, habe ich deutlich gemacht, dass wir auf der Ratssitzung am
8./9. März Themen wie Wirtschaftswachstum, soziale Sicherheit,
Entbürokratisierung und Energiesicherheit auf die Tagesordnung setzen
wollen, was sicherlich die Bürgerinnen und Bürger in der Tschechischen
Republik genauso interessiert wie in anderen Mitgliedsstaaten."
Angela Merkel und Vaclav Klaus (Foto: CTK)
Merkel bezeichnete die Gespräche mit Topolanek "konstruktiv" und
zeigte sich zuversichtlich, einen gemeinsamen Weg auch in der Frage der
EU-Verfassung zu finden. Das wichtigste innerhalb der EU sei ein
gemeinsames Vorgehen:
"Erfolg können wir in der Europäischen Union nur haben, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und möglichst in die gleiche Richtung. Dafür werde ich werben."
Beim Abendessen mit Präsident Vaclav Klaus dürfte Merkel aber deutlich
geworden sein, dass ihre Positionen zur EU-Verfassung noch weit
auseinander liegen. Merkel sagte, Klaus kämpfe wie die böhmische
Hussiten-Bewegung im 15. Jahrhundert "um jeden Millimeter".
Dieser entgegnete, beim EU-Verfassungsvertrag gehe es allerdings "um
Kilometer".





