Tagesecho „Alt möcht ich werden wie ein alter Baum“ – 100. Geburtstag von Louis Fürnberg

05-06-2009 17:29 | Eva Schermutzki

„Die Partei hat immer Recht“ – diese Zeile aus der früheren SED-Hymne kennt fast jeder. Wenigen bekannt ist, aus wessen Feder sie stammt. 100 Jahre alt wäre Louis Fürnberg am 24. Mai geworden. Der deutschsprachige Schriftsteller aus Mähren ist zugleich Verfasser unzähliger Gedichte und Erzählungen. Um den Lyriker Fürnberg wieder ans Licht zu holen und ihm zu gedenken, hat das Prager Literaturhaus eine Veranstaltung in der Galerie Smečky organisiert.

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Louis FürnbergLouis Fürnberg „Als ich ein ganz kleines Mädchen war, spielte er mit mir immer Figaros Hochzeit. Wir haben zusammen gesungen und er saß am Klavier. Ich war ganz begeistert und habe immer umgeblättert. Und einmal habe ich aus Eifer eine Seite zerrissen.“

Alena Fürnberg war erst neun Jahre alt, als ihr Vater Louis Fürnberg starb. Die Erinnerungen, die sie noch an ihn hat, sind die eines kleinen Mädchens. Zum 100. Geburtstag ihres Vaters hat sie zusammen mit dem Prager Literaturhaus eine kleine Veranstaltung organisiert. Es soll erinnert werden, aber der Schriftsteller soll auch ein bisschen neu entdeckt werden:

„Das Problem meines Vaters ist ja, dass er ein deutscher tschechischer Dichter war, in einer Zeit, als es die Deutschen in Böhmen nicht mehr gab. Und in Deutschland ist er eigentlich gar nicht richtig angekommen. Deshalb haben wir ja jetzt ein kleines Gedichtbuch herausgegeben, in der Hoffnung, dass man den Lyriker, den Dichter wiederentdeckt.“

„Meine Verse sind meine Waffen“, hat Louis Fürnberg einmal geschrieben. Einige dieser Waffen, aber auch liebevolle Reime, werden an diesem Abend vorgetragen.

Louis Fürnberg – ein in sich widersprüchlicher Poet. Er fühlte sich nie als Jude, war kommunistisch gesinnt. Als 1939 die Nationalsozialisten in Prag einmarschierten, floh er. Er wurde inhaftiert und gelangte mit seiner Frau auf abenteuerlichen Wegen nach Palästina. Fürnbergs übrige Familie überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht. 1946 kehrte Fürnberg nach Prag zurück. Doch die politischen Prozesse Anfang der 50er Jahre gefährdeten auch hier sein Leben. Einige seiner Freunde wurden im Zuge dieser Prozesse zum Tode verurteilt. Er zog mit seiner Familie nach Weimar, wo er 1957 an einem Herzinfarkt starb. Seiner Tochter geht es heute darum, dass ihr Vater nicht mehr nur auf das Lied in dem die Partei immer Recht hat reduziert wird.

„Es ist in einer Zeit entstanden, in der es ihm sehr sehr schlecht ging. Er hat sich damit sozusagen selbst zur Räson gerufen. Dieses Lied oder dieses Gedicht, dass er dann vertonte, ist sehr missbraucht und instrumentalisiert worden. Das ist wirklich traurig.“

Manche sagen, Fürnberg starb an gebrochenem Herzen. Sein Glaube an den Kommunismus war erschüttert und die Ermordung seiner Familie hatte ihm sehr zugesetzt. Seine jetzt veröffentlichten Gedichte zeigen erstmals auch diese weiche, zweifelnde Seite des Dichters.

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