Alles klar? Deutschsprachige Bühnen in Prag

Das Theaterfestival lädt zu Inszenierungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg ein. Direktorin Jitka Jílková im Gespräch.

Jitka Jílková (Foto: Archiv des Theaterfestivals)Jitka Jílková (Foto: Archiv des Theaterfestivals) Frau Jílková, das 22. Prager Theaterfestival deutscher Sprache findet unter dem Motto „Alles klar?“ statt. Was wollten Sie mit dieser Frage als Motto zum Ausdruck bringen?

„Das Fragezeichen ist sehr wichtig. Wir wollen uns nämlich die Frage stellen, ob uns wirklich alles so klar ist, wie wir einst gedacht haben. Ich glaube, dass die Unvorhersehbarkeit des Weltgeschehens unterstrichen werden muss. Und durch die Aufführungen, die wir dieses Jahr zeigen, wird das auch gemacht.“

Wie wird diese Frage in den Aufführungen gestellt? Welche Themen werden in den Stücken behandelt?

„Alle möglichen, die trotzdem die Unvorhersehbarkeit des Weltgeschehens betonen. Wir werden zum Beispiel die Migrantenfrage aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Christoph Marthaler wird dies sicher ganz anders tun als Milo Rau in der Aufführung ‚Mitleid‘ der Schaubühne Berlin. Ursina Lardi wird darin die ganze humanitäre Situation so präsentieren, dass uns nur noch Staunen bleibt. Während Christoph Marthaler diese Problematik sehr schweizerisch auffasst. Wir werden auch über die Mode nachdenken, und zwar bei ‚Das Licht im Kasten‘ von Elfride Jelinek. Wir werden auch fragen, wie man im Alter zur Mode steht und wie die Bekleidungsindustrie zur Umweltverschmutzung beiträgt. Und es wäre keine Elfride Jelinek, wenn sie keine philosophischen Fragen stellen würde. Diese kommen von Immanuel Kant und auch von Heidegger.“

Haben Sie die Theateraufführungen mit Rücksicht darauf ausgewählt, wie sie die tschechischen Zuschauer ansprechen könnten? Oder haben Sie einfach das Beste gewählt, was Sie auf den Bühnen Deutschlands gesehen haben?

„Ich glaube, dass nach 21 Jahren Festival nicht zwischen den beiden Kriterien unterschieden werden muss. Das Prager Publikum ist schon längst daran gewöhnt, beim Festival das Beste von den deutschsprachigen Produktionen zu sehen. Ich muss sagen, ich freue mich wahnsinnig über die Offenheit unseres Publikums.“

Sie haben erwähnt, dass das sehr schwierig war, das Programm zusammenzustellen. Aus welchem Grund?

Aufführung ‚Mitleid‘ der Schaubühne Berlin (Foto: YouTube Kanal der Schaubühne Berlin)Aufführung ‚Mitleid‘ der Schaubühne Berlin (Foto: YouTube Kanal der Schaubühne Berlin) „Es ist so, dass wir natürlich bemüht sind, ganz berühmte Ensembles aus dem deutschsprachigen Raum nach Prag einzuladen. Und wenn diese Ensembles so berühmt und erfolgreich sind, dann sind sie auch sehr oft auf Gastspielen. Daher fällt es ihnen schwer, einen Termin für einen Auftritt in Prag zu finden, der wiederum uns passt. Und auch die Prager Bühnen planen immer länger im Voraus. Das heißt, es ist schwierig, die Termine zu koordinieren. Schon jetzt zum Beispiel verhandeln mit der Leitung des Prager Nationaltheaters darüber, wann wir im Jahre 2019 spielen können.“

Gibt es unter den Bühnen, die sich in Prag präsentieren, einige, die hier bisher noch nicht vorgestellt wurden? Oder kommen nur alte bekannte Theaterhäuser hierher?

Aufführung ‚Hotel Europa‘ (Foto: Archiv des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache)Aufführung ‚Hotel Europa‘ (Foto: Archiv des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache) „Es geht nicht anders, als relativ oft alte Bekannte einzuladen. All die Bühnen, die wir eingeladen haben, waren mindestens einmal schon da. Nur das Theater Dortmund kommt das erste Mal. Wir freuen uns sehr, dass gerade dieses Theater das Festival eröffnen wird.“

Das Prager Theaterfestival deutscher Sprache wird kommenden Sonntag mit dem Stück „Hell. Ein Augenblick“ feierlich eröffnet. Abgeschlossen wird es mit der Inszenierung Hotel Europa oder Der Antichrist des Wiener Burgtheaters am 1. Dezember.