Tagesecho Alarmierendes Kontrollergebnis: Bahnübergänge weisen gravierende Mängel auf
Ein Großteil der Unfälle im tschechischen Schienennetz sind Zusammenstöße an Bahnübergängen. Die Crashs von Zügen mit Straßenfahrzeugen enden leider oft tödlich. Der hiesigen Bahninspektion (DI) zufolge sind die Übergänge ausreichend gesichert, die Polizei jedoch hat dort erhebliche Missstände aufgedeckt. Zwei Jahre hat die Polizei Kontrollen durchgeführt und an rund 3600 Übergängen fast ebenso so viele Mängel festgestellt.
In Tschechien ist das Warnsignal der Züge ziemlich oft zu hören. Der
Grund dafür ist simpel und alarmierend zugleich: Auf dem knapp 9600
Kilometer langen Schienennetz gibt es nicht weniger als 8161
Bahnübergänge. Auf jeden Kilometer Strecke kommt also fast ein Übergang
– damit ist Tschechien das Land in Europa mit der größten Dichte an
Verkehrskreuzungen zwischen Bahn und Straße. Das allein aber ist nicht das
Problem, sondern die Tatsache, dass viele dieser Bahnübergänge schlecht
einsehbar sind. Das bestätigt auch Lokführer Karel Anděl, der Triebwagen
auf der Strecke zwischen Prag und Mladá Boleslav / Jungbunzlau bedient:
„Hier verkehren wir im Schnitt mit 80 Stundenkilometern, die Vegetation
aber verdeckt die hiesigen Bahnübergänge ziemlich stark.“
Diese und andere Mängel hat auch die Polizei bei den Kontrollen festgestellt, die sie innerhalb von zwei Jahren an rund 3600 Bahnübergängen durchgeführt hat:
„Unsere Mängelliste reicht von sehr schlecht einsehbaren Bahnübergängen bis hin zu Übergängen, die mit Verkehrsschildern nur mäßig oder ungenügend gekennzeichnet sind“, sagt die Sprecherin des Polizeipräsidiums, Veronika Hodačová.
Veronika Hodačová
Aber nicht nur das:
„Die Unzulänglichkeiten, die wir festgestellt haben, gibt es in jedem Kreis zuhauf. Am schlechtesten aber sind die Kontrollen im Kreis Ústí nad Labem und im Südböhmischen Kreis ausgefallen.“
Mit jeweils über 500 Mängeln sind beide Kreise die klaren Spitzenreiter auf der „schwarzen Liste“. Trotz der ziemlich hohen Zahl an Unfällen, die ständig auf tschechischen Bahnübergängen passieren, wollten leitende Mitarbeiter der Eisenbahn hingegen lange Zeit nicht so schwarz sehen:
„Die Autofahrer müssen ihren Fahrstil der Lage anpassen und halt langsamer fahren, wenn sie einen Bahnübergang nicht einsehen können“, reagierte der Sprecher der Schienennetz-Verwaltung (SŽDC), Pavel Halla.
Jindřich Hlas
Inzwischen aber räumen die Bahninspektion und führende Eisenbahner ein,
dass die Ansprüche an die Sicherheit und Ausschilderung von
Bahnübergängen erhöht werden müssen. Jindřich Hlas, der Präsident der
Lokführer-Union, wiederum fordert konkrete Vorgaben:
„Bei unübersichtlichen Übergängen hat der Lokführer keine Chance. An diesen Stellen muss er wirklich sehr weit vorausschauen können, wenigstens auf die Länge, die der Bremsweg seines Zuges hat.“
Auf der anderen Seite muss sicher auch das unfallträchtige Verhalten an
Bahnübergängen bestraft werden. Dazu gehören härtere Strafen gegen
rücksichtslose Auto- und Busfahrer, die heruntergelassene Schranken
umfahren oder die Warnblinkanlage nicht respektieren. Dann wird es auch
nicht mehr so oft nötig sein, dass ein Zug sein Herannahen lautstark
ankündigen muss.






