Tagesecho Akw-Ausbau: UVP-Dokumentation für Temelín steht in der Kritik

03-09-2010 15:04 | Christian Rühmkorf

Umweltorganisationen protestieren gegen den Ausbau des südböhmischen Atomkraftwerks Temelín. Sie kritisieren vor allem die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) des Betreibers ČEZ. Darin werden die Auswirkungen des Ausbaus um zwei weitere Reaktoren bewertet. Das staatliche Amt für Reaktorsicherheit kann die Kritik nicht verstehen.

Anhören RealAudio: 16kbps 32kbps
Download: MP3

Edvard Sequens (in der Mitte). Foto: ČTKEdvard Sequens (in der Mitte). Foto: ČTK Insgesamt 14 Umweltorganisationen sind der Ansicht, die Umweltverträglichkeitsprüfung zum Ausbau des Atomkraftwerkes Temelín sei nicht ausreichend. Das tschechische Umweltministerium solle die Dokumentation an den AKW-Betreiber ČEZ zurückschicken. Es gebe viele Vorbehalte gegen diese UVP, sagte Edvard Sequens von der Umweltschutzvereinigung Calla gegenüber dem Tschechischen Rundfunk:

„Die Umweltverträglichkeitsprüfung bewertet nur die Auswirkungen bei beiden neuen Reaktoren. Die Atommülllager und der Uranabbau werden einfach ausgeklammert. Die Dokumentation konstruiert ein virtuelles Kraftwerk aus den technischen Parametern der Anbieter-Firmen. So aber kann die Umweltverträglichkeit nicht beurteilt werden, denn am Ende sind es Reaktoren unterschiedlicher Generationen mit unterschiedlichen Auswirkungen.“

Dana DrábováDana Drábová Besonders kritisch sehen Sequens und die anderen Umweltorganisationen, dass der Betreiber ČEZ die so genannte Nullvariante nicht ausreichend geprüft hat, also ein alternatives Energiekonzept ohne Temelín-Ausbau. Dabei gebe es eine ganze Reihe Szenarien von renommierten ausländischen Firmen, so Sequenz.

Die Nullvariante kommt für das staatliche Amt für Reaktorsicherheit hingegen nicht infrage. Die Kernenergie und ihr Ausbau seien Teil des politisch beschlossenen Energiemixes. Und mit der Umweltverträglichkeitsprüfung ist das Amt „mehr als zufrieden“ und sieht keinen Grund, das Papier zur Nachbearbeitung wieder an ČEZ zurückzuverweisen. Mögliche Risiken für die Umwelt seien genauestens geprüft, sagte Leiterin Dana Drábová gegenüber dem Tschechischen Rundfunk:

Marek SvitákMarek Sviták „Die UVP-Dokumentation geht von der schlimmsten Kombination aller Auswirkungen auf die Umwelt aus, von den schlimmstmöglichen Parametern. Der konkrete Reaktortyp, der ausgesucht wird, wird also mindestens genauso, eher aber besser sein.“

Auch der Sprecher des Akw Temelín, Marek Sviták, betont, die Prüfung sei vorschriftsmäßig erfolgt:

„Unser Unternehmen hat die UVP-Dokumentation dem Umweltministerium übergeben. Das hat die Prüfung angenommen und für das Anmerkungsverfahren freigegeben. Auch daran ist ersichtlich, dass die UVP gemäß der tschechischen Gesetzeslage erstellt wurde.“

Atomkraftwerk TemelínAtomkraftwerk Temelín Gerade in der Gesetzeslage steckt aber das Problem. Denn im Falle Temelíns ist die Umweltverträglichkeitsprüfung noch nach dem alten tschechischen UVP-Gesetz durchgeführt worden, nicht nach der Novelle. Eine Tatsache, die den Kritikern in die Hände spielt.

Stellungsnahmen zur UVP-Dokumentation können beim tschechischen Umweltministerium noch bis zum 30. September eingereicht werden. Das gilt auch für die Nachbarländer wie Österreich und Deutschland.

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Historienspiel zur böhmischen Geschichte: Kaiserhochzeit 1310 in Speyer und Zeiskam

Till Janzer

Johann von Luxemburg Anfang des 14. Jahrhunderts geht in Böhmen die Dynastie der Přemysliden zu Ende. Als am 1. September 1310 Eliška Přemyslovna (Elisabeth...mehr...

Neu in Prag und Umgebung: deutsche Nachrichten von Radio Prag auf UKW

Gerald Schubert, Daniel Kortschak

Seit fast 75 Jahren sendet Radio Prag auf Kurzwelle. Seit vielen Jahren ist das englische Programm in Prag und Umgebung auf UKW über...mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Themenarchiv: Wirtschaft

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch

Mehr von Radio Prag