Tagesecho Aktion "Bahnhof Europa"

12-08-2002 | Jakub Šiška

Eine ganz besondere Aktion haben sich junge Leute aus Polen, Tschechien und Deutschland ausgedacht. Innerhalb von 10 Tagen wollen sie an 8 verschiedenen Bahnhöfen der Grenzregion ein Programm aus Kunst, Theater und Musik aufführen - ihre ganz persönliche Vision eines Miteinanders, über die Grenzen der Länder, der Sprache und des Alters hinweg. Jakub Liska stellt Ihnen die Aktion "Bahnhof Europa" vor:

Noch läuft alles seinen gewohnten Gang am Prager Masaryk Bahnhof. Die weiträumige Eingangshalle von Prags ältestem Bahnhof ist nur mäßig gefüllt. Einige Leute warten auf ihre Züge, trinken Bier oder rauchen eine Zigarette. Doch mit der beschaulichen Ruhe wird es hier bald vorbei sein, wenn am Donnerstag nächster Woche um Punkt 12 Uhr der internationale Kunstzug in den Bahnhof einrollt. Etwa 60 junge tschechische, polnische und deutsche Musiker, Theater- und Filmemacher, Fotografen und Journalisten werden den Bahnhof dann für einen Tag zu ihrer Spielwiese umfunktionieren. Petra Sochova organisiert die Ankunft des Zuges in Prag:

"Während des ganzen Nachmittags wird es ein buntes Programm geben, das wir gemeinsam mit den Leuten aus den jeweiligen Städten vorbereitet haben. Es wird Theater geben, es werden Bands spielen, es wird Autorenlesungen geben und um 20 Uhr wird unsere Multimediashow anfangen."

Petra Sochova arbeitet für den Verein Euroregionales Zentrum im tschechischen Lemberk. Zusammen mit einem polnischen und einem deutschen Verein haben sie die Aktion auf die Beine gestellt. Seit Jahren schon organisieren sie grenzübergreifende Werkstätten:

"Wir arbeiten mit Jugendlichen aus der Euroregion Neisse, mit deutschen, tschechischen und polnischen Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren in Form von Werkstätten. Wir haben Filmwerkstätten gemacht, wir haben Fotos gemacht, es gab eine Musikwerkstatt und vor zwei Jahren gab es die Idee, alle Werkstätten zu verbinden und auf die Tour zu schicken mit einem Sonderzug auf die Bahnhöfe."

Und nach Monaten harter Arbeit und Vorbereitungen geht es an diesem Freitag endlich im tschechischen Liberec/Reichenberg los. Der Kunstzug beginnt seine Reise durchs Dreiländereck. Nach eintägigen Aufenthalten unter anderem in Görlitz in Deutschland und im polnischen Breslau, rollt der Zug dann am Donnerstag, den 22. August um Punkt 12 Uhr in Prag ein. Die Bahnhofsverwaltung am Masaryk Bahnhof unterstützt die Aktion:

"Wir werden die Züge ein wenig umleiten, damit der Zug auf Gleis 1 einfahren kann,"

sagte uns Pavel Mikysek, der stellvertretende Bahnhofsleiter. Später am Abend will man dann auch die Lautsprecheransagen leiser durchgeben, damit die Aufführungen nicht gestört werden. Ob die Veranstaltung ein Erfolg wird, hängt aber vor allem von der Zahl der Zuschauer ab. Petra Sochova ist zuversichtlich:

"Wir rechnen mit den Reisenden, die vielleicht einfach für ein paar Minuten stehen bleiben. Aber wir haben auch ziemlich große Werbung gemacht und wir rechnen auch damit, dass die Leute extra zu dieser Veranstaltung herkommen."

Dass man Bahnhöfe als Veranstaltungsort gewählt hat, ist natürlich kein Zufall. Bahnhöfe sind Begegnungszentren. Lebendig, fremd, freundlich, ängstlich, offen, hektisch - Bahnhöfe sind Schnittstellen für Kulturen und Generationen. Mit der Aktion "Bahnhof Europa" wollen die jungen Leute aus Polen, Tschechien und Deutschland ein wenig beitragen zum besseren Verständnis untereinander und gleichzeitig die Geschichte der Grenzregion und deren Besonderheiten zu Wort kommen lassen.

Wer dabei sein will bei der Ankunft des Kunst- und Kulturzuges in Prag, sollte sich den 22. August freihalten. Mehr über die Aktion und die beteiligten Städte kann man auch unter www.xborder.org im Internet erfahren.

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