Tagesecho Ärztekammer entschuldigt sich für Schikanierung jüdischer Ärzte in den Jahren 1938-39
Demokratische Tschechoslowakei zusammen. Mit dem Münchner Abkommen wurde die Tschechoslowakei zur Abtretung der Sudetengebiete an Deutschland gezwungen. In der Folge radikalisierte sich während der so genannten „Zweiten Republik“ die tschechoslowakische Gesellschaft – also noch vor dem Einmarsch Hitlers in Böhmen und Mähren Mitte März 1939. Auch der Antisemitismus wurde stärker, der zuvor hierzulande kaum spürbar gewesen war. Die damaligen Berufskammern fingen an, die jüdischen Kollegen zu diskriminieren. Nun, 72 Jahre später, hat sich die tschechische Ärztekammer für die Schikanierung jüdischer Ärzte offiziell entschuldigt.
„Ein jüdischer Arzt ist lebensgefährlich“ – so lautete eine der
Losungen, die in der Tschechoslowakei schon einige Monate vor der
Nazi-Okkupation zu lesen waren. Die Diskriminierung jüdischer Ärzte
begann unmittelbar nach dem Münchner Abkommen. Am 14. Oktober 1938
unterzeichnete die Führung der Ärztekammer sowie der Berufskammern der
Anwälte, der Notare und der Ingenieure ein Memorandum. Darin schlugen sie
dem Regierungskabinett vor, die Zahl der Juden in den Berufskammern
einzuschränken. Letztlich zielte das Memorandum aber darauf, die Juden aus
den Kammern auszuschließen.
Der Kardiologe Aleš Herman hat nun einen Text für eine offizielle Entschuldigung der Ärztekammer vorgeschlagen:
„Für diese schändliche Tat müssen wir uns auch nach der langen Zeit entschuldigen, um die Ehre der Ärztekammer wiederherzustellen. Dieses Schandmal darf die Kammer nicht mehr tragen.“
Aleš Herman
In der Entschuldigung heißt es unter anderem, das Memorandum vom Oktober
1938 sei ein antisemitisches und diskriminierendes Dokument. Und weiter:
„Wir fühlen die Pflicht, uns zu entschuldigen. Dies tun wir, ohne die Beweggründe unserer Vorgänge im Abstand von 72 Jahren zu bewerten. Sehr geehrte Mitglieder der Ärztekammer, Kollegen, Ärzte jüdischer Abstammung, nehmen Sie unsere Entschuldigung für die Tat unserer Vorgänger an.“
So die Erklärung der Ärztekammer vom Donnerstag. Der Pressesprecher der Ärztekammer, Michal Sojka, bemerkte dazu:
„Es ist nicht ganz klar, was für Folgen das Memorandum damals hatte, ob es nur eine Proklamation war oder ob es zu konkreten Schritten führte. Dies möchte die Ärztekammer noch herausfinden.“
Der Vorsitzende der Prager jüdischen Gemeinde, František Banyai, begrüßte die Entschuldigung der Ärztekammer:
„Wir halten es für positiv, dass an diese Zeit auf diese Weise erinnert wird. Es wird klar, dass damals etwas Grausames passiert ist.“
Die Anwaltskammer hat sich für das unrühmliche Memorandum von 1938 bereits im vergangenen Jahr entschuldigt. Die Ingenieurkammer ist gerade dabei, eine Entschuldigung auszuarbeiten.








