Tagesecho Abwasser-Streit in Dvůr Králové schädigt Umwelt und Image der Region
Die arktische Kälte, die derzeit in fast ganz Europa herrscht, setzt auch den Menschen in Tschechien mächtig zu. In verschmutzten Industriegebieten lässt der Extremfrost zudem fast keinen Luftaustausch zu. Als ob aber Smog und Dauerfrost nicht schon genug wären, sorgt die ostböhmische Kleinstadt Dvůr Králové mit einer Provinzposse besonderer Art für zusätzliche Negativ-Schlagzeilen. Weil die Stadt die Gebühren für die Abwasserentsorgung angeblich nicht in voller Höhe zahlt, lässt der Betreiber der örtlichen Kläranlage seit Montag sämtliche Abwasser der Stadt ungereinigt in die Elbe fließen.
Foto: ČT 24
Seit Montagvormittag strömen sie völlig ungefiltert, mit allen Keimen und
Schmutzpartikeln in die Elbe – die Abwässer der städtischen Haushalte
von Dvůr Králové. Sehr zum Entsetzen der ortsansässigen Einwohner, die
sich von dieser Nachricht ziemlich überrascht zeigten:
Man habe davon überhaupt nichts gewusst beziehungsweise nur am Rande gehört, versicherten zwei Frauen, die sich einig waren: Dieser Vorgang sei einfach abscheulich.
Kläranlage (Foto: ČT 24)
So wie die Einwohner von Dvůr Králové denkt auch die übergroße
Mehrheit der tschechischen Bürger, denn eine wissentlich akzeptierte
Umweltverschmutzung wegen eines Gebührenstreits könne man nicht
hinnehmen. So denkt aber nicht der Betreiber der Kläranlage, die Firma
WWTP, die ihre Arbeit am Montag vorerst eingestellt hat. Im Gegenteil, der
Direktor der Kläranlage, Aleš Morávek, versucht das Übel sogar noch
herunterzuspielen:
„In die Elbe fließen Abwasserstoffe, die von den Einwohnern der Stadt Dvůr Králové erzeugt werden. Gott sei dank ist in der Stadt keine große Industrie ansässig, die die Wasserverschmutzung noch um ein Vielfaches erhöhen würde.“
Aleš Morávek (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Doch auch so ist der Streit um die Höhe der Abwassergebühren zwischen
der Stadt und dem Kläranlagen-Betreiber höchst unangenehm und schädigt
das Image. Nur weil die Firma WWTP im Januar angeblich nur etwa die Hälfte
der geforderten rund 140.000 Euro erhalten hat, verweigert sie seit Montag
ihre Arbeitspflicht. Ein Verhalten, das ihr teuer zu stehen kommen könnte.
Die tschechische Umweltinspektion ha bereits Kontrolleure nach Dvůr
Králové geschickt, die jetzt mehrfach am Tag den Schadstoffgehalt des
Elbewassers prüfen. Die Rede ist bereits von einer Geldbuße in Höhe von
umgerechnet 60.000 Euro, die beide Streitparteien zahlen müssten.
Umweltschützer Vojtěch Kotecký von der Bewegung Regenbogen (Hnutí Duha)
hält eine solche Strafe auch für notwendig:
Vojtěch Kotecký (Foto: Archiv der Bewegung Regenbogen)
„In diesem Moment muss die tschechische Umweltinspektion ganz scharf
durchgreifen, und ich glaube, dass sie sich dieser Sache auch schon
angenommen hat.“
Die Stadt und der Kläranlagen-Betreiber wollen nun am Mittwoch versuchen, in Gesprächen eine Einigung in der Gebührenfrage zu erzielen. Möglicherweise zu spät, was die drohende Geldbuße betrifft. Auf alle Fälle aber zu spät, was das Ansehen ihrer Stadt und des ganzes Landes anbelangt – durch ihr Verhalten haben beide Streithähne ihren Mitbürgern nämlich einen großen Bärendienst erwiesen.






