Tagesecho 67 Jahre danach: Heydrich-Attentäter haben ihr Denkmal
In Prag gibt es jetzt ein Denkmal mehr. Es ehrt die drei Attentäter, die es am 27. Mai 1942 schafften, den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich umzubringen. 67 Jahre nach der Tat haben sie nun ihr Denkmal im Prager Stadtteil Libeň erhalten, wo das Attentat stattgefunden hat. Christian Rühmkorf war bei der Enthüllung dabei.
Jan Kubiš (links) und Jozef Gabčík
Die Kobylisy-Kurve im Stadtteil Libeň. Damals eine enge Durchfahrt, heute
eine breite Straße. Eine Dudelsack-Kapelle in britischen Uniformen
spielt.
Unzählige Menschen - Kriegsveteranen, ehemalige tschechoslowakische
Legionäre, aber auch junge Leute - warten hier auf die Enthüllung eines
Denkmals. Ein rund fünf Meter hoher Sockel, noch in weißes Tuch
gehüllt;
ganz oben stehen drei Bronzefiguren in Lebensgröße. Männer, im Dreieck
angeordnet, als wollten sie jemanden stoppen oder sich gegenseitig
schützen.
Es geschieht nicht oft, dass Attentäter ein Denkmal aufgestellt bekommen.
Die beiden Fallschirmjäger Jan Kubiš und Jozef Gabčík – sie waren im
Zweiten Weltkrieg als tschechoslowakische Widerstandskämpfer im
britischen
Militär – waren aber keine gewöhnlichen Attentäter. Am
27. Mai 1942 um Punkt 10:35 Uhr verübten sie zusammen mit Jozef Valčík
einen Anschlag auf den
damaligen stellvertretenden Reichsprotektor für Böhmen und Mähren, auf
den verhassten Reinhard Heydrich. In einer dramatischen Aktion verletzten
sie Heydrich auf dem Weg zur Arbeit so schwer, dass er acht Tage später
starb. Die Attentäter entkamen, wurden aber später von einem
tschechischen Kollaborateur verraten.– Von der SS in die Enge getrieben
erschossen sie sich selbst. Nun, genau nach 67 Jahren, haben sie ihr
Denkmal erhalten. Für Verteidigungsminister Martin Barták ein wichtiger
Akt:
„Ich möchte betonen: Wer war denn Reinhard Heydrich? Heydrich war für das Dritte Reich einer der wichtigsten Köpfe und Funktionäre. Das dürfen wir nicht vergessen. Er war der Planer der so genannten Endlösung der Judenfrage. Er hat den Holocaust mitzuverantworten. Legen Sie es auf die Waage und sie müssen meiner Meinung sein: Die Tat war es wert.“
Foto: ČTK
Das Nazi-Regime antwortete nämlich mit blutiger Rache. Es löschte zwei
ganze Dörfer mit ihren Bewohnern aus und rechnete wahllos mit dem
tschechischen Volk ab.
Der 80-jährige Vladimír Prchlík war heute auch bei der Einweihung des Denkmals dabei und zwar in seiner Uniform des alten nationalen Turnvereins Sokol:
Foto: ČTK
„Die Leute heute haben andere Probleme, aber wir dürfen die
schlechteste Zeit in unserer Geschichte nicht vergessen! Und ich hoffe,
dass sich auch die junge Generation bewusst ist, dass wir ohne diese
Helden
nicht hätten leben können. Das war der totale Krieg gewesen.“
Dass das Denkmal 67 Jahre gebraucht hat, um aufgestellt zu werden, das hängt auch mit der Zeit des Kommunismus zusammen, erklärt Vladimír Prchlík:
„All diese Fallschirmjäger waren unsere Kämpfer aus dem Westen. Dort, in Großbritannien, war die tschechoslowakische Exil-Regierung mit dem Präsidenten Beneš. Sie arbeiteten für die Freiheit im Ausland. Auch diese hier Helden wurden von Großbritannien gesandt. Die Kommunisten hingegen, die konnten etwas nur gebrauchen, wenn es aus dem Osten kam.“
Dann, nach der Wende hat es noch einmal 20 Jahre gedauert bis das Denkmal
endlich stand. Lange Zeit konnten sich der Prager Magistrat und der
Stadtteil Prag 8 nicht über das Grundstück und die Finanzierung einigen.
Am Ende wurden die Kosten für das Denkmal in Höhe von umgerechnet
185.000
Euro nur vom Stadtteil selbst bezahlt - und zwar für die ganze Nation,
wie
Bürgermeister Josef Nosek hervorhob.








