Tagesecho 15 Jahre Heilsarmee in Tschechien: Vom Suppekochen zu spezialisierten Förderprojekten für sozial Benachteiligte
Im Bewusstsein der tschechischen Öffentlichkeit ist sie vor allem mit der Hilfe für Obdachlose verbunden. Als sie 1990 in der ehemaligen Tschechoslowakei wieder zu wirken begann, stellte sie vor allem für die jüngere Generation etwas dar, was sie bislang nur aus der Lektüre beziehungsweise aus dem Film kannten. Die Rede ist von der Heilsarmee, die in Tschechien inzwischen zu einer respektierten Hilfsorganisation geworden ist. Am vergangenen Wochenende beging die Heilsarmee den 15. Jahrestag der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit in der Tschechoslowakei beziehungsweise in Tschechien. Martina Schneibergova fasst zusammen.
Pieter Dijkstra (Foto: Autorin)
Auch wenn die Heilsarmee in der ehemaligen Tschechoslowakei bereits vor dem
Zweiten Weltkrieg tätig war, so waren die Anfänge nach dem Zusammenbruch
des kommunistischen Regimes recht bescheiden. Denn seit 1950 war die
Tätigkeit der Heilsarmee vom kommunistischen Regime verboten und mehrere
ihrer führenden Vertreter wurden ins Gefängnis gesteckt. Wie sich der
heutige Leiter der Heilsarmee in Tschechien, Pieter Dijkstra, erinnert,
gab es 1990 in der Tschechoslowakei immer noch einige ehemalige Angehörige
dieser Organisation, die die Uniformen der Heilsarmee fünfzig Jahre lang im
Schrank aufgehoben hatten.
Foto: CTK
"Sie wandten sich an die Heilsarmee in den Niederlanden und baten
sie, ihre Vertreter nach Tschechien zu entsenden, um dort wieder tätig zu
sein. Wir waren von der harten Arbeit der Tschechen tief beeindruckt, die
sich für unsere Rückkehr in die Tschechische Republik eingesetzt
haben."
Die Heilsarmee begann vor 15 Jahren in einer Prager Wohnung Suppe für Obdachlose zu kochen. Inzwischen verwaltet sie 29 Sozialzentren in neun tschechischen Städten. Die etwa 350 Angestellten und zahlreichen Freiwilligen verwirklichen hier zwölf große Projekte, bei denen es bei weitem nicht nur um die Hilfe für Obdachlose, sondern auch um die Förderung von Minderheiten bei ihrer Integration in die Gesellschaft, um Programme für Jugendliche, Senioren oder für Mütter mit Kindern geht. Den Bedürftigen bietet die Heilsarmee entweder nur eine Übernachtung oder aber die Unterkunft in einem Asylhaus bzw. in einer der so genannten "Wohnungen auf dem halben Wege" an. Insgesamt verfügt die Heilsarmee momentan über 800 Betten. Auf zwei von der Heilsarmee eingerichteten Farmen können Verurteilte alternative Strafen abbüßen.
Foto: CTK
Über mangelndes Interesse an ihrer Arbeit können sich die Mitglieder der
Heilsarmee nicht beklagen. Pieter Dijkstra zufolge werden sie von den
jeweiligen Städten um verschiedene Formen der Hilfe gebeten:
"Sie bitten uns beispielsweise, ihnen mit dem Ausbau einer Obdachloseneinrichtung zu helfen. Es passierte auch schon, dass wir damit beauftragt wurden, ein ´Mutter-Kind-Haus´ zu übernehmen. Zu unseren Mitarbeitern zählen wir Spezialisten verschiedenster Berufsgruppen. Die Städte respektieren uns, da sie inzwischen die Resultate der Arbeit sehen können. Bei der Auswahl der Projekte müssen wir abwägen, welche davon verwirklicht werden können und welche für unsere Klienten am nützlichsten sind."





