Tagesecho 11.November 11.11 Uhr: Heiliger Martin bringt junge Weine und Schnee

12-11-2007 17:04 | Martina Schneibergová

Der St. Martinstag ist in den mährischen Weinregionen schon seit dem Mittelalter mit der Tradition verbunden, den jungen Wein des Jahres erstmals zu verkosten. Dieser Brauch wurde in den letzten Jahren in Tschechien wieder belebt. Wir waren am Martinstag zu Besuch in Uherske Hradiste, dem Zentrum der Mährischen Slowakei.

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Der heilige Martin auf einem Schimmel (Foto: Autorin)Der heilige Martin auf einem Schimmel (Foto: Autorin) Hoch zu Ross ist der heilige Martin gekommen, natürlich auf einem Schimmel. Nach Jahren hat er sich damit wieder an die in den böhmischen Ländern verbreitete Bauernregel gehalten, dass der heilige Mann mit dem weißen Pferd auch Schnee mitbringt. Auf dem verschneiten Marktplatz von Uherske Hradiste wurde der Heilige mit seiner Begleitung von einigen hundert Weinliebhabern erwartet.

„Es ist der 11.11., 11.11 Uhr 2007. Wir sind hier alle zusammengekommen, um mit dem jungen St. Martinswein anzustoßen. Wir wollen kosten, was die Winzer aus der Mährischen Slowakei für uns bereitet haben.“ Mit diesen Worten eröffnete der Moderator das Fest auf dem Marktplatz. Auf das Podium wurde zuerst Pfarrer Petr Dujka gebeten, um den neuen Wein zu segnen:

P. Petr Dujka (Foto: Autorin)P. Petr Dujka (Foto: Autorin)„Segne uns auf die Fürbitte des heiligen Martin, dass wir diesen Wein als ein Geschenk ansehen, das wir dank Gottes Liebe erhalten.“

So die Segensworte des Pfarrers. Danach wandte sich der Bürgermeister von Uherske Hradiste, Libor Karasek, an die geduldig im Schnee wartenden Zuschauer:

„Ich hebe das Glas, stoße damit an, dass die Weine des Jahrgangs 2007 frisch und harmonisch werden und dass sie uns allen schmecken. Zum Wohl!“

Es ist kein Zufall, dass junge Weine gerade mit dem Martinstag verbunden sind. Die Verwalter der Weinberge haben an diesem Tag immer neue Mägde und Knechte in den Dienst aufgenommen. Die Besitzer der Weinberge haben sich außerdem mit dem Winzer, der sich um die Weinberge kümmerte, über seine weitere Tätigkeit beraten. Dabei wurde eben neuer Wein gekostet. Pfarrer Dujka erinnerte an eine historische Erwähnung der St. Martinstradition.

„Bereits in der Cosmas-Chronik kann man darüber lesen, dass im November Martinsgänse gebraten wurden, und dass dabei Rotwein – also St. Martinswein getrunken wurde. Die Tradition ist also alt und gut.“

Unter der Marke St. Martinswein dürfen in Tschechien nur junge Weine verkauft werden, die von einer Expertenkommission beurteilt wurden und den vorgeschriebenen Qualitätskriterien entsprechen. Und nicht jede Rebsorte darf in die Flasche: Müller Thurgau, Frühroter Veltliner, Blauer Portugiese und St. Laurent sind die Rebsorten, aus denen in diesem Jahr die insgesamt 600.000 Flaschen St. Martinswein produziert wurden. Auf den Markt sind sie im ganzen Land am 11. 11. um 11.11 Uhr gebracht worden.

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