100-Jahrfeiern: Präsidentenzug reist durch Tschechien und die Slowakei

In Tschechien und der Slowakei wird das ganze Jahr über der 100. Jahrestag seit der Gründung des gemeinsamen Staates begangen. Wer dachte, dass die Feierlichkeiten zu diesem Jubiläum in der Sommerferienzeit etwas abebben könnten, der irrt. Denn seit Donnerstag können Tschechen und Slowaken zwei Monate lang die Salonzüge ihrer ehemaligen Präsidenten bestaunen.

Präsidentenzug (Foto: Ondřej Tomšů)Präsidentenzug (Foto: Ondřej Tomšů)

„Der Eisenbahnzug von Präsident Masaryk trägt seinen Namen nicht umsonst. Er ist das Symbol der (tschechoslowakischen) Staatlichkeit auf Schienen.“

Präsidentenzug (Foto: Ondřej Tomšů)Präsidentenzug (Foto: Ondřej Tomšů) So beschreibt der Publizist Václav Smolík die Bedeutung des historischen Salonzugs des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk, mit dem dieser einst durch die Lande reiste. Er trägt übrigens die technische Bezeichnung Aza 080.

Teile dieses Zuges sowie zwei weitere Salonwagen ehemaliger Präsidenten und Monarchen reisen seit Donnerstag erneut von Prag bis nach Košice / Kaschau. Der sogenannte Präsidentenzug, der sich vom Prager Masaryk-Bahnhof aus in Bewegung setzte, besteht aus neun Waggons und zwei Lokomotiven. Während der Ferienmonate Juli und August macht er an insgesamt 15 tschechischen und slowakischen Bahnhöfen Halt. Dort können die jeweiligen Stadteinwohner und ihre Gäste dann das Interieur der Waggons bestaunen, mit denen ihre einstigen Regierungschefs auf dem Schienenstrang unterwegs waren. Doch Achtung, der älteste Waggon des Präsidentenzuges stammt noch aus der Zeit der Habsburger Monarchie, also dem Vorläufer des tschechoslowakischen Staates. Michal Novotný ist beim Nationalen Technischen Museum für die Eisenbahnen zuständig:

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů „Der älteste Vertreter in der Reihe der neun Waggons ist der Salonwagen des Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este. Er wurde 1909 im Ringhoffer-Werk im Prager Stadtteil Smíchov gebaut. Es ist ein Waggon, der bedeutende Epochen der Geschichte unseres Landes in sich vereint, und zwar die Zeit des Ersten Weltkriegs sowie die Ära der Ersten tschechoslowakischen Republik. Und auch eine historische Begebenheit ist mit ihm verknüpft. Mit diesem Zug sollte Franz Ferdinand nämlich ursprünglich 1914 nach Sarajevo reisen, hat es aber dann doch nicht getan.“

In drei weiteren Waggons bekommen die Besucher historische Aufnahmen von den Reisen der führenden Staatsrepräsentanten zu sehen. Oder aber Fotografien von der Rückkehr Edvard Benešs in die Heimat im Jahr 1945. Michal Novotný zu den zwei weiteren Salonwagen:

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů „Der zweite Waggon ist der Salonwagen, der im Jahr 1930 eigens für Tomáš Garrigue Masaryk zu dessen 80. Geburtstag hergestellt wurde. Er wurde auch von den nachfolgenden Staatsoberhäuptern genutzt, und zwar bis zu Beginn der 1960er Jahre. Danach wurde er von einem in der ehemaligen DDR gebauten Salonzug abgelöst. Er wurde von Präsident Novotný beim damaligen ‚sozialistischen Brudervolk‘ bestellt und später auch noch von den Präsidenten Svoboda, Husák und Havel genutzt.“

Der Präsidentenzug schließt seine Tournee zum Ende der Sommerferien ab. Vom 28. August bis zum 2. September ist er letztmalig im Areal der ehemaligen Bahnwerke im Ostteil des Prager Masaryk-Bahnhofs zu sehen.