Tagesecho Demonstrationen auch für den zweiten Tag des NATO-Gipfels angekündigt/Anarchisten-Demo am Donnerstag friedlich zu Ende gegangen

22-11-2002 | Katrin Sliva

Auch für den zweiten Tag des NATO-Gipfels haben Anarchisten Protestmärsche angekündigt. Als Versammlungsort dient, wie bereits am Vortag, der Platz "Namesti miru" in Prag 2. Die Demonstration vom Donnerstag hat sich als überraschend friedlich erwiesen. Katrin Sliva berichtet:

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Foto: CTKFoto: CTK Die Anarchisten-Demonstration, die sich gestern ihren Weg vom "Namesti miru" zur Brücke "Nuselsky most" bahnte, die direkt zum Kongresszentrum führt, ist friedlich zu Ende gegangen. Sicherlich gab es auch ein paar kritische Momente: Beispielsweise als kurz vor der Brücke, die für einen Teil des Demonstrationszuges vorläufiger Zielpunkt war, Demonstranten, die sich an der Spitze des Zuges befanden plötzlich anfingen, laut einen Countdown zu brüllen und bei Null auf die vor ihnen herlaufenden Polizisten und Journalisten losstürmten. Als klar zu erkennen war, dass sowohl in den Reihen der Ordnungshüter als auch zwischen den Reportern deutliche Unruhe ausbrach, blieb die Demonstrantengruppe aber abrupt stehen. Offenbar wollte man sich nur ein bisschen auf Kosten der "Gaffer" amüsieren. Der andere Teil der Demonstranten hatte versucht, sich dem Kongresszentrum von der anderen Seite zu nähern, vom Prager Stadtteil Nusle aus. Etwa an der Stelle, wo es im Zusammenhang mit dem IWF vor zwei Jahren zu den größten Ausschreitungen gekommen war, schienen sich die Demonstranten unschlüssig zu werden, welche Taktik nun zum Tragen kommen solle. Schließlich traten sie den Rückzug an und gegen 19 Uhr löste sich die Protestkundgebung, die am frühen Abend auf etwa 1000 Teilnehmer angewachsen war, langsam auf, nachdem am "Namesti miru" noch ein paar Schlachtrufe gegen die Nato erklungen waren: "Die Nato bombardiert..." war da zu hören. Oder auch: "George Bush we know you, your dady was a killer too" (George Bush, wir kennen dich, dein Vater war auch schon ein Mörder.) Im Gegensatz zu den massiven Ausschreitungen, die im Jahre 2000 während der IWF-Tagung in Prag von Demonstranten, aber auch - wie sich später herausstellte- von einigen Polizeibeamten in Zivil ausgingen, kam es diesmal zu keinen gewalttätigen Übergriffen. Die Polizisten wurden von Freiwilligen beobachtet, die sich einer nichtstaatlichen Organisation mit dem Namen "Liga lidskych prav" (Liga für Menschenrechte) angeschlossen haben. Die Organisation war bereits während des IWF aktiv. Worin die Arbeit dieser Menschenrechtsschützer besteht, erläutert uns ihr Vorsitzender, Jiri Kopal:

"Abgesehen davon, dass wir das ganze Jahr über Demonstrationen beobachten, die größeren, bei denen es aber seit dem IWF aber zu keinen Übergriffen gekommen ist, leisten wir auch Rechtsbeistand in Fällen, wenn andere Gruppen von Menschen zu Opfern von Polizeigewalt werden oder die betreffenden Beamten Gesetze überschreiten. Unsere Tätigkeit ist legal und wir wollen uns mit unserer Arbeit in die nichtstaatlichen Organisationen einreihen, die im Ausland in diesem Bereich agieren, also Organisationen wie die Liga für Menschenrechte in Belgien, Frankreich, Deutschland usw. Was die freiwilligen Beobachter betrifft, so hat sich gezeigt, dass, um sie efektiv koordinieren zu können, gut ist, Vierergruppen zu bilden, in der jeder eine ganz klar vorgegebene Funktion hat und von diesen Gruppen werden dann 8 - 10 eingesetzt. Darüber hinaus haben wir ein Rechtsberatungszentrum und ein Medienzentrum eingerichtet. " Die Freiwilligen, die als Beobachter eingesetzt werden, mussten im Vorfeld interne psychologische Tests durchlaufen, bei denen ihre Tauglichkeit für diese Aufgabe geprüft wurde.

Ich konnte eine der Vierergruppen bei ihrem Einsatz während der Demonstration am Donnerstag begleiten. Entsprechend ihres Statuts sind sie tatsächlich nur als Beobachter aufgetreten und haben Polizisten bei ihrer Arbeit auf Videoband festgehalten, um im Zweifelsfall Beweismaterial zu haben. Die Organisation ist grundsätzlich bereit, als Zeuge aufzutreten. Jiri Kopal sagte heute jedoch, dass es diesmal keine nennenswerte Vorfälle gegeben habe.

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