Tagesecho Am Rande des Prager NATO-Gipfels diskutierten Studenten mit hochrangigen Politikern über die Allianz

22-11-2002 | Silja Schultheis

Neben dem streng bewachten Prager Kongresszentrum, wo die Hauptverhandlungen der Staats- und Regierungschefs geführt wurden, hatte der NATO-Gipfel eine Reihe an Nebenschauplätzen, an denen er auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich war. Einer davon war der Studenten-Summit im Gebäude des Rundfunksenders "Radio Freies Europa", wo sich am Donnerstag ein Reihe bedeutender Staatsmännern den Fragen von Studenten stellte. Dorthin hat sich auch meine Kollegin Silja Schultheis begeben.

Download: RealAudio

Studenten-Summit, Foto: CTKStudenten-Summit, Foto: CTK Es kam fast einer kleinen Feierstunde gleich - die Begrüßung des rumänischen Außenministers Mircea Dan Geoana, dessen Land erst wenige Stunden zuvor offiziell in die NATO eingeladen worden war. Die Freude darüber konnte der Minister selbst kaum verhehlen:

"Natürlich sind wir froh, und wir sollten auch froh sein."

Gleichzeitig, so Geoana weiter, dürften die jetzt in die Allianz eingeladenen Mitglieder aber nicht nur an sich denken, sondern müssten sich auch ihrer Verpflichtung gegenüber denjenigen Ländern bewusst sein, die nicht so glücklich seien wie Rumänien heute. Die NATO dürfe keine Trennlinie zwischen dem reichen Westen und etwa dem Nahen Osten und Zentralasien ziehen. In diese Richtung ging auch der Appell des rumänischen Außenministers an die anwesenden Studenten:

"Seid nicht egoistisch. Macht nicht dieselben Fehler, die vorher in Europa gemacht worden. Wir haben die Verpflichtung, uns weltweit für Freiheit einzusetzen. Das sollte eure Botschaft, euer Ideal sein."

Auch der ehemalige Dissident Bronislaw Geremek, eines der Gründungsmitglieder der oppositionellen polnischen Gewerkschaft "Solidarität", und erster frei gewählter Außenminister nach dem Sturz des kommunistischen Regimes, appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Studenten. An den NATO-Beitritt seines eigenen Landes im April 1999 erinnerte er sich wie an die Erfüllung eines Traumes:

"Das war der glücklichste Tag meines Lebens."

Die Erweiterung der NATO um sieben neue Staaten bezeichnete Geremek - ähnlich wie der tschechische Präsident Vaclav Havel - als bedeutend für die ganze Welt. Denn, so Geremek:

"Dies ist ein Akt der Gerechtigkeit" Auch Geremek betonte, dass die NATO für weitere Länder offen bleiben müsse. Die Diskussion mit den Studenten eröffnete er mit folgender Botschaft an die Teilnehmer:

"Die Zukunft der NATO liegt in Ihrer Hand."

In der anschließenden Diskussion wollte beispielsweise ein bulgarischer Student wissen, ob die NATO eine geeignete Organisation für den Kampf gegen den Terrorismus sei. Darauf antwortete der rumänische Außenminister eindeutig:

"Die Antwort ist nein."

Allerdings, so räumte der rumänische Minister ein, lasse sich die Frage, ob die NATO sich in die richtige Richtung bewege, positiv beantworten.

Eine polnische Studentin wandte sich an Bronislaw Geremek mit der Frage, was Polen weiteren NATO-Verbündeten wie Georgien oder der Ukraine aufgrund seiner bisherigen Erfahrung mit der NATO empfehlen könnte zu tun, um ebenfalls NATO-Mitglieder zu werden.

"Diese Länder sollten sich das rumänische Beispiel zum Vorbild nehmen. Rumänien hat ein enormes Stück Arbeit geleistet und ist bereits vor seiner Einladung in die NATO von der Allianz als Partner betrachtet worden."

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