Tschechische O2-Extraliga startet in ihre 15. Saison / Briza: Wir zahlten hohen Preis für den Erfolg

Die Tradition, die große Popularität und der lange Terminplan machen es nämlich erforderlich, dass bereits am Freitag die höchste tschechische Eishockey-Spielklasse - die O2-Extraliga - in ihre 15. Punktspielsaison startet. Oder, um noch präziser zu sein: Slavia Prag und Mountfield Budweis eröffnen die neue Spielzeit schon am Mittwoch, wenn sie in einem vorgezogenen Match der 1. Runde in der Prager Sazka Arena aufeinander treffen.

Petr Briza (Foto: CTK)Petr Briza (Foto: CTK) Auch diesmal werden in der Extraliga 14 Mannschaften den Punktekampf aufnehmen. Doch viel hätte nicht gefehlt, und es wären derer 15 gewesen. Als die Ligenleitung, die Assoziation der Profi-Klubs (APK), vor Jahresfrist beschloss, die Liga zu schließen und nur noch sportlich wie finanziell spitzenmäßig ausgestattete Vereine aufrücken zu lassen, da war der Assoziation anscheinend nicht bewusst, damit gegen die Regeln des Wettbewerbs zu verstoßen. Als das tschechische Kartellamt aber gerade das monierte, machte die APK einen Rückzieher und ersetzte die vorherige Relegation durch den nunmehr möglichen Direktaufstieg des Zweitliga-Meisters. Das waren in diesem Fall die Cracks des HC Slovan Ustecti Lvi, oder um es für deutsche Fans verständlicher auszudrücken - es sind die Aussiger Löwen. Dafür aber wurde letztlich ein anderer Verein ausgeschlossen, weil er die Lizenzauflagen zum wiederholten Male nicht erfüllte und seinen Schuldenberg quasi immer weiter vor sich auftürmte - der sechsfache Meister HC Vsetin. Am 6. Juni entzog ihm daher die Assoziation per Mehrheitsbeschluss die Lizenz. Vsetin ging zwar in die Berufung, doch auch dieses Verfahren wurde durch die Schiedskommission des Tschechischen Eishockeyverbandes (CSLH) zuungunsten der Mähren abgeschmettert. Seitdem suchen die Grün-Gelben eine neue Spielklasse und erhoffen sich, zumindest in der (zweitklassigen) 1. Liga mitmischen zu dürfen. Nach dem mehrheitlich vom Vorstand des Clubs gefassten Beschluss, sich dieser Liga anschließen zu wollen, erklärte der stellvertretende Bürgermeister von Vsetin, Lubomir Gajdusek:

"Das ist weder eine resignierende Haltung noch ein Eingeständnis. Die mehrheitsfähige Meinung des Vorstandes respektiert die vorliegende Situation und auch aus finanzieller Sicht ist dieser Weg gangbar. Meine persönliche Meinung war etwas radikaler."

Neuesten Meldungen zufolge hatte Vsetin sogar Probleme damit, seine finanzielle Glaubwürdigkeit für den Spielbetrieb der 1. Liga nachzuweisen. Für Petr Briza, den Generalmanager von Meister Sparta Prag, ein erneuter Beleg dafür, mit weiteren APK-Gesellschaftern die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Auch wenn Briza zunächst bemängelt, dass diese Entscheidung nicht schon wesentlich früher getroffen wurde:

"Ich bin auch der Meinung, dass wir das eigentlich typisch tschechisch solange nicht gelöst haben, bis die ´Sache Vsetin´ auf einmal zu einem riesigen Problem wurde. In Deutschland, und ich denke auch in Prag, ist man gewohnt, dass man, wenn man finanzielle Probleme hat und nicht halten kann, was man vertraglich vereinbart hat, grundsätzlich absteigen muss. Im ´Fall Vsetin´ wurde das Problem in ganz schlechter Richtung diskutiert, denn man hat daraus dummerweise die Angelegenheit Prag gegen Mähren bzw. die Großen gegen einen Schwachen gemacht. Aber das hat damit nichts zu tun. Wir müssen nach wie vor ein waches Auge darauf haben, dass die Liga finanziell gesund bleibt. Daran haben wir den ganzen Sommer über hart gearbeitet. Und viel diskutiert darüber haben wir mit Herrn Gernot Tripcke aus der DEL, der uns sehr geholfen hat. Herr Tripcke hat einen großen Anteil daran, dass die DEL heutzutage eine funktionierende Gesellschaft ist, die auf stabilen Füßen steht und somit auch viel Geld umsetzen kann. Ich denke, das ist auch der Weg, den wir hier im tschechischen Clubeishockey gehen müssen. Denn man kann nicht ständig sagen: Wir werden das Problem irgendwann irgendwie am grünen Tisch lösen. Gibt es aber keine klaren Regeln, kann man nur schwer entscheiden. Ich hoffe sehr, dass wir jetzt ein verbessertes Regelwerk in der Liga einführen, schon damit es nicht mehr zu einem ´Fall Vsetin´ kommt. Einem Fall also, bei dem wir noch immer einen bitteren Nachgeschmack haben, weil es sich bei ihm schon ein bisschen anders verhalten hat, als es oft dargestellt wurde."

In der vergangenen Saison ging es in der Extraliga von Anfang an sehr eng und spannend zu. Bis zum letzten Spieltag der Punkterunde wurde intensiv um die zehn Play-off-Plätze gekämpft, wobei nach den Top Ten der HC Vitkovice als Elfter und der HC Chemopetrol Litvinov als Zwölfter einkamen und dieses Ziel nur denkbar knapp verfehlten. Und auch diesmal wird es nicht minder dramatisch werden, ist sich Petr Briza sicher:

"In der Liga wird es hundertprozentig wieder sehr eng zugehen, auf alle Fälle bis zu Weihnachten. Zwei gewonnene Spiele katapultieren jede Mannschaft nach oben, zwei verlorene Spiele aber können dich auf einmal bis auf Platz 12 oder 13 in den Tabellenkeller abrutschen lassen. Mann muss wirklich von Spiel zu Spiel denken und agieren. Im Moment, so schätze ich, gibt es sechs bis sieben sehr, sehr ausgeglichen besetzte Mannschaften, die ganz oben mitspielen werden. Und der Rest, der das breite Mittelfeld bildet, ist ebenfalls sehr ausgeglichen in seiner Spielstärke. Wir werden demnach erst nach einigen Spielen sehen, wo wir stehen."

Zu den sechs bis sieben Spitzenteams der Liga zählt der Manager des Meisters natürlich auch den eigenen Club. Auf der anderen Seite weiß Briza aber nur zu gut, dass der Titelverteidiger immer der Gejagte ist und dass Sparta ebenso einen großen Aderlass zu verkraften hat. Daher stellt er für den Saisonbeginn erst einmal ein ganz anderes Ziel in den Vordergrund:

"Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich unsere Ziele wie folgt präzisieren: Das Wichtigste ist zunächst einmal die Konsolidierung der Mannschaft. Wir haben nämlich für unseren Erfolg einen ziemlich hohen Preis bezahlt. Im Sommer sind vier Spieler abgewandert, drei davon in die NHL. Dieser Tatsache liegen die Vereinbarungen zwischen IIHF und NHL zugrunde, gegen die der Club nichts machen kann. Für uns ist es aber schwierig, gerade diese Cracks zu ersetzen. Denn es waren allesamt Schlüsselspieler, und zwar nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine. Kurz: Es waren vier Persönlichkeiten und Bausteine der Mannschaft, die auch viel zur guten Chemie im Team beigetragen haben. Zur Konsolidierung der Mannschaft zähle ich also auch die Verhältnisse in der Kabine und die Fähigkeit der Mannschaft, dann die großen Spiele zu gewinnen. Dazu braucht man Zeit und Geduld."

Die Topcracks, die Sparta Prag nach dem zweiten Meistertitel in Folge verlassen haben, waren selbstredend allesamt Nationalspieler. Sie sollen nun durch nicht minder klangvolle Namen möglichst schnell und gut ersetzt werden:

"Wir haben Petr Nedved geholt, der der zweitbeste tschechische Scorer aller Zeiten in der NHL nach Jaromir Jagr ist. Nedved hat immerhin schon 982 NHL-Einsätze vorzuweisen. Er ist eine sehr große Persönlichkeit und daher natürlich auch unser Führungsspieler Nummer eins. Zudem haben wir zwei sehr gute slowakische Spieler geholt: Lubomir Vaic und Tibor Melicharek. Letzterer hat in der vorigen Saison über 60 Scorerpunkte in der slowakischen Extraliga gesammelt. Das ist ein phantastisches Ergebnis. Bis jetzt hat sich Melicharek bei uns auch genau in diesem Stil präsentiert. Wir wollen diese Spieler sowie den Letten Aleksandrs Jerofejevs in die Kabine integrieren und wir sind auch sicher, dass wir den Kader von der Quantität her schon aufgefüllt haben. Wir erwarten von unseren Neuzugängen, dass sie die Abgewanderten ersetzen, und wir erwarten von unseren jungen Spielern, dass sie weiter zulegen und (noch) besser werden."

Neben Sparta Prag aber gibt es mit dem HC Moeller Pardubice, den Weißen Tigern aus Liberec und dem HC Mountfield Budweis noch mindestens drei Vertretungen, die ganz oben mitspielen wollen. Und es gibt auch Mannschaften, die sich wieder stärker als zuletzt in Szene setzen und gern die Rolle des Hechts im Karpfenteich spielen wollen. Ein solches Team ist der HC Vitkovice. Ivo Prorok, einer der interessanten Neuzugänge dieser Mannschaft, ist jedenfalls von der Stärke seiner Truppe überzeugt:

"Vitkovice hat sich das Ziel gestellt, oben mitzuspielen. Dazu hat der Club auch einen entsprechenden Kader: Zwei ausgezeichnete Torhüter sowie vier gute und ausgeglichene Fünferblöcke. Auch die Motivation im Team ist riesig. Aber ich sage: Jetzt geht es erst einmal los in der Liga, in der es viele ausgeglichene und umkämpfte Spiele geben wird. Wir wollen am Ende so weit wie möglich vorn dabei sein."

Das wollen gleich mehrere Mannschaften, und so darf sich der Eishockeyfan bereits jetzt auf ein zünftiges und abwechslungsreiches Spielprogramm freuen.