Sportreport Tschechiens Skisportzentren sind gut wie nie auf den Winter vorbereitet

22-11-2006 15:24 | Lothar Martin

Auch in Tschechien steht der Winter schon wieder vor der Tür. Deshalb haben die hiesigen Skisportzentren in den zurückliegenden Monaten auch weder Kosten noch Mühe gescheut, um sich auf die nahende Wintersportsaison vorzubereiten. Über einige der von ihnen angebotenen Neuheiten und Verbesserungen, informieren wir Sie im Sportreport.

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Foto: Kristýna MakováFoto: Kristýna Maková In den zurückliegenden drei Jahren hat es in den tschechischen Gebirgen immer schon im November kräftig zu schneien begonnen. Auch in diesem Jahr hat sich Frau Holle bereits zu Monatsbeginn gezeigt. Und die Meteorologen versichern, dass dieser Trend anhalten wird. Deshalb haben die Wintersportzentren in den böhmischen und mährischen Bergen zuletzt auch ein wachsendes Vertrauen in die Perspektive ihrer Arbeit bekommen, was sich in immer größer werdenden Investitionen niederschlägt. Nach Einschätzung des Verbandes der Seilbahn- und Skiliftbetreiber haben die Zentren in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Kronen (ca. 35 Millionen Euro) in die Verbesserung ihrer Ausstattung investiert - das ist fast das Doppelte als im vergangenen Jahr. Daher können sich die Ski- und Snowboardfans in diesem Winter auf umfangreichere und komfortabler gewordene Dienste an den zahlreichen Abfahrtspisten zwischen Erzgebirge und Beskiden freuen. Insbesondere im Riesengebirgsort Janske Lazne / Johannisbad werden sie auf ihre Kosten kommen, denn dort wurde für sie die größte Investition dieses Sommers getätigt, wie Petr Hynek vom dortigen Skisportzentrum Mega Plus gegenüber Radio Prag verriet:

"Die gesamte Investition in unser Skisportareal betrug 140 Millionen Kronen, davon wurden 130 Millionen Kronen für die Errichtung einer neuen Schwebeseilbahn zum Schwarzenberg ausgegeben. Die Gondeln der Seilbahn nehmen jeweils acht Personen auf. Die moderne Seilbahn ist die nunmehr dritte ihrer Art, die Johannisbad mit dem Gipfel des Schwarzenbergs verbindet. Die erste Seilbahn wurde im Jahre 1928 und die zweite im Jahr 1980 in Betrieb genommen. Wir versprechen uns von dieser Investition, dass wir damit die Wartezeiten für die Passagiere verkürzen können. Zum einen, weil sich die Transportkapazität um mehr als das Doppelte gegenüber der alten Seilbahn erhöht hat, und zum zweiten, weil die neue Seilbahn schneller unterwegs ist. Sie erhielt nicht ohne Grund den Namen Schwarzenberg-Express, da die Fahrtdauer nur noch siebeneinhalb Minuten beträgt. In dieser Zeit überwindet sie mit einer Geschwindigkeit von sechs Meter pro Sekunde die Entfernung von 2300 Metern."

Foto: Kristýna MakováFoto: Kristýna Maková Wie wir von Petr Hynek erfuhren, betrug die Wartezeit für die Skifahrer an der alten Seilbahn zwischen 40 und 50 Minuten. Dank der neuen Seilbahn soll diese nun auf 15 bis maximal 20 Minuten verkürzt werden. Dadurch können die Skifahrer die Abfahrtspisten am Schwarzenberg in dieser Saison wesentlich öfter nutzen, so dass sich ihr Skipass nun weitaus mehr rentiert. Und das auch in der Hauptsaison, in der sich die Preise ein wenig erhöhen werden:

"Wir haben die Preise für den Skipass nur für Erwachsene in der Hauptsaison erhöht, und zwar um vier Prozent. Das bedeutet, dass eine Tageskarte für Erwachsene statt 550 Kronen wie in der letzten Saison in diesem Winter 590 Kronen kosten wird."

Ein weiteres Skisportareal, das in Tschechien immer mehr von sich reden macht, ist das am südböhmischen Lipno-Stausee gelegene Wintersportzentrum, das von der Gesellschaft Lipno Servis betrieben wird. Über dessen Vorzüge informierte uns dessen Direktor Lubos Krejza:

"Unser Skiareal orientiert sich schon seit langem auf Eltern mit Kindern, das heißt, bei uns treffen sie viele Skieleven und die etwas fortgeschrittenen Skifahrer an. In diese Ausrichtung fließen auch alle unsere Investitionen ein. So haben wir dieses Jahr in erster Linie unsere Pisten um drei Hektar erweitert. Daher können die Skifahrer jetzt bei uns eine Fläche von 25 Hektar zum Abfahren nutzen."

Foto: Kristýna MakováFoto: Kristýna Maková Damit die Skifans diese Pisten auch unentwegt nutzen können, musste aber noch eine weitere Investition getätigt werden:

"Eine große Investition war für uns die technische Anlage zur Produktion von Kunstschnee. Wir sind daher nun in der Lage, all unsere Pisten zu 100 Prozent mit Kunstschnee aufzubereiten. Das bedeutet, auch bei fehlendem Frost kann man bei uns immer noch sehr, sehr lange Ski fahren."

Und last but not least: Auch der Komfort im Skisportareal Lipno soll nicht zu kurz kommen. Daher hat man ebenso in diesem Bereich einiges getan:

"Die letzte große Neuheit ist das moderne Multifunktionszentrum, das wir errichtet haben. Es befindet sich gleich neben der Seilbahnstation Lipno-Express. Hier finden die Skifahrer alles, was sie für ihren sportlichen Aufenthalt im Gebirge brauchen: eine Skiausleihe mit entsprechendem Service, ein Depot zur sicheren Aufbewahrung der Sportgeräte, den Sitz unserer Skischule sowie ein großes Restaurant und Unterkünfte."

Laut Aussage von Lubos Krejza gehört das Areal in Lipno zu den zehn besten Skisportzentren in Tschechien. Aufgrund der vielen Investitionen wird der Skispaß in diesem Winter zwar auch etwas teuer, aber das nur geringfügig:

"Die Preise werden im Durchschnitt um fünf Prozent angehoben. Das heißt: Der Skipass für Erwachsene, der im Vorjahr 430 Kronen kostete, wird in diesem Winter 450 Kronen kosten."

Der in Tschechien als massenhaftes Freizeitvergnügen immer populärer werdende Skisport hat jedoch auch seine Schattenseiten. So hat die Anzahl der Skiunfälle im vergangenen Winter um 13 Prozent gegenüber der Vorsaison zugenommen. Über 8000 Mal war der Rettungsdienst der tschechischen Bergwacht im letzten Winter im Einsatz, um Verletzte zu bergen, davon gleich 140 Mal mit dem Hubschrauber. Warum das so ist, dazu sagte Bergwacht-Chef Adolf Kleps in einem Gespräch für Radio Prag:

"Die Anzahl der Unfälle steigt fortwährend an. Das liegt insbesondere daran, dass sich die Skisportareale ständig erweitern und verbessern. Moderne Seilbahnen und Skilifts haben eine größere Kapazität, durch die Installierung von Flutlicht werden die Pisten auch bis in die späten Abendstunden betrieben, die Aufbereitung der Hänge mit Kunstschnee gewährleistet ohnehin eine längere und ununterbrochene Nutzung der Anlagen. All das hat dazu geführt, dass die Anzahl der Unfälle gestiegen ist."

Adolf Kleps will jedoch keineswegs den Wintersportzentren den "schwarzen Peter" für diese Entwicklung zuschieben. Er nennt vielmehr weitere Gründe, die diesen Trend untermauern:

"Da das Skiabfahren in der tschechischen Öffentlichkeit sehr populär geworden ist, kommen auch immer mehr Menschen in die Gebirge, was zwangsläufig zu mehr Kollisionen führt. Einen weiteren Grund für die zunehmende Häufigkeit von Skiunfällen muss man auch in der heutigen technischen Ausrüstung sehen. Mittlerweile gibt es die so genannten Carving-Ski, die ein noch rasanteres Abfahren ermöglichen. Diejenigen, die sie weniger gut beherrschen, prallen dann nicht selten außerhalb der Pisten an einen Baum. Bei diesen Unfällen kommt es dann oft zu Verletzungen der Wirbelsäule oder zu Brüchen der unteren Gliedmaßen. All das nimmt Einfluss auf die gewachsene Anzahl der Skiunfälle."

Wie wir von Adolf Kleps erfuhren, wird die hiesige Bergwacht zu 90 Prozent vom tschechischen Staat bezuschusst. Das sei zwar schön, aber angesichts der Entwicklung von Sport und Tourismus in den Bergen - im Sommer hat vor allem das Mountainbiking stark zugenommen - ist das nicht mehr zu deckeln. Deshalb werde man wohl über kurz oder lang auch an den Abschluss von Unfallversicherungen für Risiko-Sportarten denken müssen, so Kleps. Abschließend versicherte er uns jedoch, dass man sich in Notfällen auch heute schon auf die Leistungsstärke der tschechischen Bergwacht verlassen könne:

"Wir bemühen uns, all unsere Zentren standardgemäß auszurüsten. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die tschechische Bergwacht bezüglich ihrer Rettungstechnik und -ausrüstung sehr gut ausgestattet ist, ja man kann sagen: Wir liegen auf dem Niveau der Alpenländer. Kurzum: Wir sind so ausgestattet, wie es der internationale Standard in der ganzen Welt vorsieht."

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