Sportreport Trotz Schneemangels feierte Skimarathon im Isergebirge seine 49. Auflage

11-01-2016 16:33 | Lothar Martin

Der Wintersport im Freien hat viele Facetten. Er kann zu einem tollen Event werden und somit Freude schenken, er kann aber auch die Organisatoren eines auf Schnee oder Eis angewiesenen Wettbewerbs vor immer neue Probleme stellen. Zwei solch faszinierende Sportveranstaltungen fanden in den zurückliegenden Tagen in Tschechien statt: der Skimarathon „Jizerská 50“, der seinem Namen nach auch 50 Kilometer lang ist, sowie die sogenannten Hockey Games, ein Eishockey-Festival unter freiem Himmel, das im mährischen Brno / Brünn ausgetragen wurde.

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50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK)50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK) Der 50-km-Isergebirgslauf ist ein traditioneller Skimarathon, der in der Regel jedes Jahr am zweiten Januarsonntag in den Bergen rund um das nordböhmische Bedřichov ausgetragen wird. In diesem Jahr dauerte der Hauptlauf indes länger als sonst – das Starterfeld der ursprünglich gemeldeten rund 6400 Teilnehmer wurde auf drei Tage, vom Freitag bis zum Sonntag, aufgeteilt. Das fand aber nicht jeder gut. Zu denen, die darüber etwas enttäuscht waren, gehört einer der beharrlichsten und ältesten Teilnehmer des Rennens, der Tscheche Jan Vondráš:

50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK)50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK) „Ich habe bei diesem Skimarathon schon viel erlebt: den auf die Wiesen von Hrabětice verlegten Start, Schneestürme oder aber klares sonniges Wetter mit frostigen Temperaturen von minus acht Grad. Aber an so etwas wie diesmal kann ich mich nicht erinnern.“

Was war passiert? Wegen des im Dezember ausgebliebenen Schnees und des erst zum Jahreswechsel eingesetzten Frostes hatten die Veranstalter kurzfristig entschieden, nur einen vier Kilometer langen Rundkurs im mittlerweile eher dürftig verschneiten Isergebirge zu präparieren. Dazu sagte der Pressesprecher der Veranstalter, Tomáš Meixner, am vergangenen Freitag:

50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK)50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK) „Bis heute Morgen sind nur drei Zentimeter Neuschnee gefallen. Das ist einfach zu wenig, um die komplette 50 Kilometer lange Strecke zu präparieren.“

Und Martin Kunc, ein Rennhelfer, der mit seiner Schneeraupe für das Spuren der Loipe zuständig ist, nennt die Maße des kleineren Rundkurses, der für die Läufer hergerichtet wurde:

„Das Schneeband ist drei bis dreieinhalb Meter breit, der Schnee ist 35 bis 40 Zentimeter tief, und die Strecke ist knapp vier Kilometer lang.“

50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK)50-km-Isergebirgslauf (Foto: ČTK) Letztendlich wurde der Rundkurs nur mit einer Länge von dreieinhalb Kilometer vermessen, weshalb ihn die Teilnehmer nicht weniger als 15 Mal absolvieren mussten. Allerdings nur die Spitzenläufer und leistungsstärksten Freizeitläufer, die die Marathondistanz am Sonntag absolvierten. Ihre Teilnehmerzahl war auf 3000 begrenzt. Alle anderen, die sich zuvor für den Hauptlauf angemeldet hatten, mussten am Freitag oder Samstag starten, allerdings auf einer nur 16 Kilometer langen Strecke. Zu diesen „Frühstartern“ gehörte eben auch Jan Vondráš.

Petter Eliassen (Foto: ČTK)Petter Eliassen (Foto: ČTK) Das Hauptrennen der Besten gewann der Norweger Petter Eliassen, der sich in einer bestechenden Form präsentierte. Im Ziel hatte der Skandinavier nämlich über drei Minuten Vorsprung auf seine Landsleute Johan Kjølstad und Anders Aukland. Mit einem Rückstand von etwas mehr als fünfeinhalb Minuten belegte Stanislav Řezáč als bester Tscheche den zwölften Platz. Řezáč, der den Isergebirgslauf zuvor schon dreimal gewonnen hat, haderte ein wenig mit den auch für ihn ungewohnten Rennbedingungen:

Stanislav Řezáč (Foto: ČTK)Stanislav Řezáč (Foto: ČTK) „Der nasse Schnee war schwer, und die Runden nahmen scheinbar kein Ende. In einem Moment des Rennens dachte ich, bis zum Ziel nur noch fünf Runden laufen zu müssen, doch dann merkte ich, es sind wohl noch sieben. Von da an wusste ich: Das wird noch ein langes und hartes Rennen.“

Mit dem Kompromiss, die für den Isergebirgslauf gemeldeten Teilnehmer auf drei Renntage zu verteilen und für alle Läufer zumindest einen kleinen Rundkurs zu präparieren, haben die Organisatoren eine Komplettabsage wie vor zwei Jahren verhindert. Doch der immer häufiger rund um den Jahreswechsel herrschende Schneemangel bereitet ihnen allmählich Kopfzerbrechen. Deshalb haben sie nach den neuesten Erfahrungen inzwischen schon einmal laut darüber nachgedacht, den traditionellen Skimarathon im Isergebirge künftig auf einen Termin im Februar zu verschieben. Dazu erklärt Cheforganisator David Douša:

David Douša (Foto: Tschechisches Fernsehen)David Douša (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Aus den Wetteraufzeichnungen des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Schneedecke von 20 Zentimetern im Isergebirge, die wir zur kompletten Renndurchführung unbedingt brauchen, in den zurückliegenden 20 Jahren bei 83 Prozent lag. Im Februar aber liegt sie bei 95 Prozent. Das ist statistisch gesehen schon ein beträchtlicher Unterschied.“

Wenn die Veranstalter alle Daten zum diesjährigen Rennen ausgewertet haben, wollen sie eventuell schon für den kommenden Winter eine Verschiebung des Isergebirgslaufs beantragen. Dem steht indes der bereits sehr volle Terminkalender bei den Marathonrennen der Worldloppet-Serie gegenüber.

 

Brünn erlebt mit Hockey Games einzigartigen Open-Air-Event

Foto: ČTKFoto: ČTK Wer ein guter Eishockeyspieler werden will, kann nicht nur darauf bauen, das Geschick dazu beim Training in einem Verein zu erlernen. Um wirklich top zu werden, muss man vielmehr schon recht früh anfangen – als kleiner Knirps auf einem zugefrorenen Dorfteich zum Beispiel. In Tschechien gibt es viele großartige Spieler, ehemalige wie noch aktive, die diesen Weg genommen haben. Der berühmteste unter ihnen ist der 43-jährige Superstar Jaromír Jágr, der immer noch aktiv ist und als bester Europäer aller Zeiten bereits ganz weit vorn platziert ist in den Bestenlisten der weltbesten Liga, der National Hockey League (NHL). Wie Jágr hat auch Tomáš Kaberle das Eishockeyspiel 20 Kilometer nordwestlich von Prag, in der ehemaligen Industriestadt Kladno erlernt. Gegenwärtig spielt der 37-Jährige für den HC Kometa Brno. Vor fünf Jahren, am 2. Januar 2011, waren die Brünner am ersten Freiluftspiel in der Geschichte der tschechischen Extraliga beteiligt. In Pardubice unterlagen sie dem gastgebenden Hockeyclub mit 2:4. In der vergangenen Woche aber haben sie selbst einen mehrtägigen Open-Air-Event unter den Titel „Hokejový hry“ (Hockey Games) veranstaltet, den man getrost als ein einzigartiges Eishockey-Festival bezeichnen kann. Es wurde im ehemaligen Au-Garten Na Lužánky der Messestadt ausgetragen, in dem sich auch die frühere Eishalle des traditionsreichen HC Kometa befand. Jetzt aber wurde hier in kürzester Zeit eine Freiluftarena für über 20.000 Zuschauer errichtet, indem zu allen vier Seiten einer Spritzeisfläche flexible Stahlträgertraversen zusammengeschraubt wurden. Als Kaberle diese Arena erstmals sah, reagierte er erheitert:

Foto: ČTKFoto: ČTK „Ich fühle mich wie auf einem Teich. Wenn der Wind weht, dann sind die Bedingungen für das Eishockeyspiel etwas erschwert.“

In Erinnerung an seine Kindheit aber fügt der Weltmeister und Stanley-Cup-Sieger sogleich an:

„Damals war es natürlich etwas anders. Als Torpfosten dienten beispielsweise ein Paar Schuhe. Ähnlich aber ist, dass wir auch damals das Eis ständig säubern mussten, um darauf spielen zu können. Und wir haben darauf oft den ganzen Tag gespielt, bis unsere Eltern gegen neun Uhr abends kamen, um uns endlich nach Hause zu holen.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Dank dieser Hingabe zu seinem Sport hat es Tomáš Kaberle bis in die berühmte NHL geschafft. In Nordamerika haben die winterlichen Freiluftspiele, die sogenannten Winter Classics, bereits eine gute Tradition. In Brünn fanden nun im Rahmen der Hockey Games gleich mehrere Open-Air-Vergleiche statt. Gegeneinander spielten sowohl Amateur-, Nachwuchs-, Studenten- und Frauenteams, sowie natürlich die Profis der Extraliga, die gleich zwei Partien absolvierten. Zunächst trafen Kometa Brünn und Škoda Pilsen aufeinander, zum abschließenden Höhepunkt empfingen die Brünner dann ihren ungeliebten Erzrivalen Sparta Prag. Gegen Pilsen gewannen die Gastgeber mit 5:2, gegen Sparta indes zogen sie mit 2:4 den Kürzeren. Das Wichtigste aber war: Alle - Spieler, Trainer, Funktionäre, Journalisten und die Zuschauer - waren begeistert von der einzigartigen Atmosphäre, die diese Spiele boten. Und das schönste Geschenk wurde den emsigen Organisatoren des Events schließlich mit dem neuen Zuschauerrekord für ein Eishockeyspiel in Tschechien gemacht. Am Ende der Begegnung zwischen Brünn und Prag verkündete der Stadionsprecher nämlich:

„Zum heutigen Spiel sind 21.500 Zuschauer zugegen.“

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