Sportreport Pardubice erlebte tschechische Open-Air-Spiel-Premiere im modernen Eishockey

12-01-2011 18:25 | Lothar Martin

Das Sportjahr 2011 ist noch keine zwei Wochen alt, doch in Tschechien wurden bereits zwei außergewöhnliche Events geboten: das erste Freiluftspiel in der Geschichte der Eishockey-Extraliga am ersten Januarsonntag und eine weitere Auflage des Skimarathons im Isergebirge nur eine Woche später.

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Speedway-Stadion ein paar Tage vor dem Spiel (Foto: HC Eaton Pardubice)Speedway-Stadion ein paar Tage vor dem Spiel (Foto: HC Eaton Pardubice) Das tschechische Eishockey ist um ein Ereignis reicher. Am 2. Januar fand in Pardubice / Pardubitz das erste Open-Air-Spiel der Neuzeit statt. Der gastgebende HC Eaton Pardubice bezwang den HC Kometa Brünn vor 17.140 Zuschauern mit 4:2. Das Match wurde im örtlichen Speedway-Stadion ausgetragen, in das eigens dafür zwei weitere Tribünen montiert wurden. Die Kapazität von 25.000 Plätzen wurde zwar nicht ausgeschöpft, doch auch so war der zweifache Torschütze der Pardubitzer, Jan Starý, von der Partie begeistert:

„Das war ein riesiges Erlebnis. Das Spiel war gut vorbereitet und das Eis war bestens präpariert. Auch die Errichtung der Tribünen hat man gemeistert, sie waren gut postiert. Uns hat es Spaß bereitet, vor solch einer Kulisse zu spielen. Ein Spiel im Freien ist zwar ungewohnt, aber wir fanden es super.“

František Kaberle (unten). Foto: ČTKFrantišek Kaberle (unten). Foto: ČTK František Kaberle, der Verteidiger des HC Eaton mit langjähriger NHL-Erfahrung, hob den Erlebniswert des Freiluftspiels hervor. Besonders im ersten Drittel, in dem ein kleines Schneetreiben einsetzte, war der Unterschied zu einem Match in der Halle zu spüren:

„Der Schnee hat die Sichtverhältnisse ziemlich eingeschränkt. Vor allem gegen Ende des Drittels war der Puck kaum noch zu sehen. Das war etwas unangenehm, doch ab dem zweiten Drittel war alles bestens.“

HC Eaton Pardubice bezwang den HC Kometa Brünn (Foto: Jan Jedlička, HC Eaton Pardubice)HC Eaton Pardubice bezwang den HC Kometa Brünn (Foto: Jan Jedlička, HC Eaton Pardubice) Bestens – das galt für die Mannschaft aus Pardubice gleich im doppelten Sinne. Nach dem ersten Drittel lagen die Gastgeber nämlich mit 0:2 im Rückstand, doch als dann die Sonne schien, kam auch ihnen die Erleuchtung. Binnen acht Minuten drehten sie den Spielstand auf 3:2. Jiří Trvaj, der Torwart der Brünner, zeigte sich davon jedoch kaum enttäuscht. Er war nach der Partie immer noch gedanklich mit dem Schneetreiben beschäftigt:

„Ich habe zuerst überlegt, ob ich den Schnee ein bisschen beiseite schiebe, doch vor meinem Tor war es eigentlich ganz sauber. Auf meine Bewegungen hatten die Schneeflocken also keinen Einfluss, aber wenn mir im Schneegestöber ein Flachschuss entgegenkam, dann war das schon interessant.“

Jiří Trvaj (Foto: HC Kometa Brno)Jiří Trvaj (Foto: HC Kometa Brno) Im Tor sei ihm auch nicht kalt gewesen, zumal er sich gut auf das Spiel vorbereitet hatte, ergänzte Trvaj:

„Jeder hat sich auf dieses Match individuell vorbereitet. Ich zum Beispiel hatte Ersatztrikots dabei, und so habe ich nach jedem Drittel den verschwitzten Dress gegen ein trockenen gewechselt.“

In trockenen Tüchern, also in der Tasche, hatten die Spieler aus Pardubice ihren Sieg allerdings erst in der Schlussminute, als Starý ins leere Tor zum 4:2-Endstand einschoss. Der Kapitän des HC Eaton, Petr Koukal, war aber nicht nur deshalb nach der Schlusssirene sehr zufrieden:

Zbyněk KusýZbyněk Kusý „Die Leute, die das alles organisiert haben, verdienen den größten Respekt. Dank ihrer Arbeit konnte ich solch einen Event miterleben und hatte dabei noch den schönsten Job: Ich durfte vor dieser tollen Kulisse Eishockey spielen.“

Leicht enttäuscht waren letztlich wohl nur die Initiatoren und Cheforganisatoren der Begegnung um Manager Zbyněk Kusý aus Pardubice. Sie hatten nämlich gehofft, mit der Ausrichtung des Open-Air-Spiels den nationalen Zuschauerrekord aus dem Jahr 1962 verbessern zu können. Damals hatten 18.500 Menschen in Prag ein Eishockeyspiel besucht. Am Ende waren die 17.140 Zuschauer jedoch „nur“ eine neue Bestmarke für die Extraliga. Auch finanziell wurde der Aufwand, den man betrieben hatte, nicht belohnt. Man werde die Aktion mit plus minus null verbuchen, schätzte Kusý ein.

Open-Air-Spiel: HC Eaton Pardubice nach dem Spiel (Foto: Jan Jedlička, HC Eaton Pardubice)Open-Air-Spiel: HC Eaton Pardubice nach dem Spiel (Foto: Jan Jedlička, HC Eaton Pardubice) Die Begeisterung für eine Wiederholung des Open-Air-Spiels hielt sich deshalb in Grenzen. Manager Kusý hält größere Städte, die ein passendes Fußballstadion haben, für besser geeignet. Worte, die sehr schnell Gehör fanden. Denn schon zwei Tage später verkündete Slavia Prag, in der nächsten Saison ein Freiluft-Spiel in der Synot Tip Arena (21.000 Plätze) des Fußballclubs Slavia Prag austragen zu wollen. „Am besten das Derby gegen Sparta“, verriet Slavias Generalmanager Vladimír Růžicka. Das hänge aber nicht zuletzt von der Auslosung des Spielplans 2011/12 ab, ergänzte Geschäftsführer Ladislav Blažek. Sollte zur Jahreswende nicht das Derby auf dem Programm stehen, dann kämen auch Pardubice, Brno / Brünn oder Plzeň / Pilsen als Gegner in Frage, so Blažek.

 

Isergebirgslauf: Sieger und Platzierte aus Norwegen des Lobes voll

Isergebirgslauf 2011 (Foto: Jizerská 50)Isergebirgslauf 2011 (Foto: Jizerská 50) Der 50-Kilometer-Isergebirgslauf wurde am Sonntag zum 44. Male ausgetragen. Am Start waren 4000 Skilangläufer, die in acht Wellen auf die Strecke gingen. Trotz der geringen Plusgrade, die den Schnee weich machten, war die Loipe wieder sehr gut präpariert. Das bestätigten auch die Läufer, von denen sich drei Norweger und zwei Schweden unter den besten sechs platzierten. An der Spitze duellierten sich zwei frühere Sieger: der Norweger Anders Aukland, der den Skimarathon schon 2008 gewann, und der Schwede Oskar Svärd, der als dreifacher Gewinner und Titelverteidiger in die Loipe gegangen war. Am Ende setzte sich Aukland mit knapp zwei Sekunden Vorsprung durch. Im Ziel sagte er gegenüber Radio Prag:

Anders Aukland (Foto: Martina Schneibergová)Anders Aukland (Foto: Martina Schneibergová) „Ich habe mich während des gesamten Rennens sehr wohl gefühlt und hatte hervorragende Ski. Rund zehn Kilometer vor dem Ziel habe ich bereits gehofft, gewinnen zu können. Aber es war hart, das ganze Rennen lang. Oskar Svärd war mein größter Konkurrent, er ließ sich nicht abschütteln. Mir gelang es dennoch, vorne zu bleiben. Mit den Ski habe ich wirklich Glück gehabt.“

Aukland liebt das Rennen, deshalb ist der Sieger von 2008 auch gern wieder gekommen:

„Der Isergebirgslauf ist ein herrliches Rennen, er erinnert mich ein wenig an das norwegische ´Birkebeinerrennet´. Das hiesige Rennen ist von der Strecke her etwas sanfter, aber sonst kann man es mit dem Birkebeiner-Lauf vergleichen. Das Streckenprofil ist abwechslungsreich, das macht das Rennen sehr attraktiv.“

Kjell Steinum und Margareta Meissner aus NorwegenKjell Steinum und Margareta Meissner aus Norwegen Das finden nicht nur die Spitzenläufer, sondern auch die vielen Freizeitsportler, die wieder mit viel Engagement bei der Sache waren. Einer von ihnen war Kjell Steinum, ein norwegischer Pilot aus Oslo. Auch ihn hat Radio Prag vor das Mikro bekommen:

„Es gibt verschiedene Gründe, warum wir Norweger hierherkommen: Viele von denen, die die 50 Kilometer laufen, nehmen an den Rennen der Worldloppet-Serie teil, die in verschiedenen Ländern stattfinden. Auch der berühmte Birkebeiner-Lauf gehört zu dieser Serie. Andere meiner Landsleute kommen zu diesem Rennen nach Tschechien, weil es ihnen einfach Spaß macht.“

Steinum selbst nahm diesmal am Halbmarathon über 25 Kilometer teil. Die Bedingungen hier seien recht gut gewesen, die Strecke war hervorragend präpariert und den Veranstaltern gebührt viel Anerkennung für die sehr gute Organisation, lobte Steinum. Deshalb hat es ihn nach 2010, als er sein Renndebüt gab, wieder hierhergezogen. In Bedřichov war fast alles perfekt, nur eines habe er vermisst, bedeutete Steinum:

Oskar Svärd (Foto: Martina Schneibergová)Oskar Svärd (Foto: Martina Schneibergová) „Die Veranstalter des Rennens könnten entlang der Strecke Abfallkörbe aufstellen. Damit würden sie es den Teilnehmern leichter machen, die nicht wissen, wohin mit dem Abfall. Und sich selbst würden sie viel Arbeit mit dem Aufräumen nach dem Rennen ersparen.“

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